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Forderungen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk:Mutiger, schärfer, radikaler!

Seit Anfang des Jahres gibt es den neuen Rundfunkbeitrag für alle - und die öffentlich-rechtlichen Sender sind in der Defensive. So heftig war die Empörung über das System und das Programm noch nie. Und jetzt? 14 Thesen für eine dringend notwendige Erneuerung.

Blast weniger Geld ins System

Das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem ist wohl die undemokratischste Form des Zwangseinzugs, die ich kenne. Nach 40 Jahren einer selbst erschaffenen Gebühreneinzugszentrale, die jeden Bürger als potenziellen Lügner einstufte, haben wir jetzt eine steuerähnliche Haushaltsabgabe, die zu einem großen Teil nicht für das Programm verwendet wird, sondern zur Aufrechterhaltung des eigenen absurden Apparats - wie unzählige Spartenkanäle und die ARD als eine Vereinigung von neun Sendern, die gegeneinander arbeiten.

NICHTGEDANKEN mit Oliver Kalkofe

Oliver Kalkofe: "Die undemokratischste Form des Zwangseinzugs, die ich kenne."

(Foto: obs)

Als Krone der Unverschämtheit nennt man diese Gebühr auch noch "Service" und gibt ein Wahnsinnsgeld für eine Imagekampagne aus, damit wir nicht merken, wie wir verarscht werden. Fair wäre eine Grundgebühr pro Person plus zusätzliche Gebühren für Angebote, die man freiwillig auswählen kann. Zumindest könnte man bei so vielen hochbezahlten vermeintlich klugen Menschen nach 40 Jahren verlangen, eine durchdachtere Neuordnung zu präsentieren, die uns Zuschauer nicht für blöd verkauft. Trotzdem wedelt man immer wieder mit dem moralischen Zeigefinger vor unserer Nase nach dem Motto: "Seid froh, dass es die Tagesschau gibt!"

Oliver Kalkofe, 47, ist Schauspieler und Komiker. In seiner Sendung Kalkofes Mattscheibe setzt er sich satirisch mit dem deutschen Fernsehen auseinander.

Kippt die Quote

Ich verstehe nicht, warum in einem hochsubventionierten System die Zuschauerquote der Maßstab allen Handelns ist. Der Sinn von Subventionen ist doch, dass damit Dinge finanziert werden, die sich vielleicht nicht rechnen, die aber wichtig und anregend, hoffentlich unterhaltsam und eben nicht zuerst mehrheitsfähig sind.

Bayerischer Fernsehpreis 2012

Matthias Brandt: "Marktforschung: eine Pseudowissenschaft, an deren Ende ein virtueller Zuschauer steht, den es gar nicht gibt."

(Foto: dpa)

Stattdessen soll so vieles eine vermeintliche Publikumserwartung erfüllen. Die wird von der Marktforschung bestimmt, einer Pseudowissenschaft, an deren Ende ein virtueller Zuschauer steht, den es gar nicht gibt. Sich daran zu orientieren, kann nur Mittelmaß erzeugen, weil der Maßstab der kleinste gemeinsame Nenner ist. Was bei uns interessanterweise oft zu ganztägigem und -abendlichem Kinderfernsehen führt. Stimmt nicht? Na, frag doch mal die Maus! Die von vielen deutschen Fernsehhassern so gelobten neuen amerikanischen Serien zeichnen sich übrigens nicht zuletzt dadurch aus, dass sie das Gegenteil hiervon sind: intelligentes, herausforderndes Erwachsenenfernsehen. Woher kommt bei uns die alles bestimmende Angst, etwas falsch zu machen?

Es gibt übrigens nicht die Öffentlich-Rechtlichen. Begreift man sie in seiner Kritik als homogenes Gebilde, tut man vielen Leuten Unrecht, die ihrer Aufgabe und ihrem Auftrag mehr als gerecht werden. Wie ich mir das Fernsehen wünsche? Oliver Storz, ein großer Fernsehmann, sagte mal: "Wir dürfen den Zuschauer nicht betrügen, auch wenn er betrogen werden will."

Matthias Brandt, 51, ist Theater- und Filmschauspieler und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. In der ARD ermittelt er im bayerischen Polizeiruf.

Seid mutiger bei den Serien

In einer perfekten Welt wären es die öffentlich-rechtlichen Sender, die Experimente wagen und in der Fiktion neue Wege gehen würden. Die kommerziellen Sender haben meist Angst, Publikum zu verlieren, und sie haben auch kleinere Budgets. Und es sollten die großen und reichen Länder sein, die vorangehen bei der Entwicklung von bahnbrechender Fiktion. Ich kann verstehen, wenn kleine Länder dafür nicht das Geld haben oder nicht den Mut, viel zu riskieren.

In Deutschland hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen viel Geld, aber soweit ich weiß, geben sie häufig viel davon für ziemlich gewöhnliche Kriminalfilme aus. Der Schlüssel zu besserer Fiktion liegt darin, Autoren und Bücher konsequent zu entwickeln. Der internationale Erfolg dänischer Serien ist das Ergebnis davon. Der öffentliche Sender DR nimmt seine Verantwortung in Bezug auf Fiktion und auf die Notwendigkeit von Risiko sehr ernst. Man kann nicht immer die Masse bedienen.

Adam Price, 45, ist dänischer Drehbuchautor und Dramatiker. Seine Politserie Borgen wurde in mehr als 60 Länder verkauft und gewann zahlreiche Preise.

Die Demokratie braucht kein Bollwerk

Die Fernsehgebühr einen Demokratiebeitrag zu nennen, passt nicht mehr in die Zeit. Unsere Demokratie ist seit den späten Sechzigerjahren so sicher, dass sie den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Bollwerk nicht mehr braucht - auch wenn er fraglos weiterhin der Demokratie nützt. Auch ist ein Rundfunkbeitrag für alle sozial ungerecht. Warum denn Radio und Fernsehen nicht als Grundversorgung begreifen und wie Straßen, Schulen und Krankenhäuser über Steuern finanzieren? Der Geringverdiener würde so zum Beispiel 3,20 Euro zahlen, der Großverdiener 100 Euro - so wie er auch für Straßen, Schulen und Krankenhäuser mehr zahlt.

Betrachtet man das System mit kaltem Blick unter der Lupe, muss man sich auch fragen, ob die Zweisamkeit von ARD und ZDF wirklich gerechtfertigt ist. Warum nicht nur ein öffentlich-rechtliches nationales Fernsehprogramm? Diese Aufgabe könnte nach Mainz gehen, die regionale Berichterstattung an die ARD. In Zeiten von Stuttgart 21, wenn so viel von der Graswurzel kommt, muss viel mehr regional und lokal berichtet werden. Würden ARD und ZDF sich besser aufteilen, wäre das möglich. Und das wäre ein echter Demokratiebeitrag.

Paul Nolte, 49, ist Historiker, Publizist und Professor an der FU Berlin. Mit seinem Buch Generation Reform prägte er den Begriff "Unterschichtenfernsehen".

Das Profil muss schärfer werden

INTERNATIONALER FRÜHSCHOPPEN

Fritz Pleitgen: "Die aktuelle Debatte ist eine Chance."

(Foto: OBS)

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat der Bundesrepublik gut getan. Er ist auch in Zukunft vonnöten. Wer mal im Urlaub allein vom kommerziellen Rundfunk abhängig war, weiß warum. Die Umstellung auf den Beitrag war ein mutiger Schritt. Gleichen Mut wünschte ich mir beim Programm. Statt sich wegen des neuen Finanzierungssystems unentwegt abwatschen zu lassen, sollte mit Programm-Ideen in die Offensive gegangen werden. Dabei muss die Mannschaft nicht nur auf die Führung schauen, sondern selbst mobil machen. Harakiri ist nicht nötig, aber eigene Stärken dürfen schon ausgespielt werden.

Welche Klasse die ARD in der Dokumentation zu bieten hat, demonstrierte sie mit der Story über Amazon. Daraus sollte ein Markenzeichen des Ersten nach 20.15 Uhr werden. Auch aus dem opulenten Korrespondentennetz ist mehr zu machen, etwa Weltnachrichten auf Phoenix. Wie wär's mit Titel Thesen Temperamente und vier Top-Kulturereignissen im Hauptabendprogramm? Nur ein Beispiel! Es bringt keine Rekordquoten, aber Profil. Und die Talkshows? Eine Schlankheitskur würde das Angebot erheblich attraktiver machen. Die aktuelle Debatte ist eine Chance. Sie sollte genutzt werden, um das Programm zu stärken.

Fritz Pleitgen, 74, war bis 2007 zwölf Jahre lang Intendant des WDR und von 2001 bis 2003 Vorsitzender der ARD. Fast 300 Mal moderierte er den Presseclub.

Stoppt den Einfluss der Politik

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss vom Einfluss der politischen Parteien befreit werden. In seinen Gremien sollten Vertreter gesellschaftlicher Gruppen sitzen, keine Regierungsmitglieder oder Abgeordneten. Nur so ist sichergestellt, dass Kritik an Politikern, Parteien und politischen Entscheidungen möglich ist. Dann würden keine Landtagsabgeordneten mehr "Vorschläge" zu Programminhalten unterbreiten, und es würden nicht mehr die immerselben Abgeordneten in den Talkshows sitzen. Dann wäre es auch nicht mehr möglich, dass Verträge politisch unliebsamer Journalisten nicht verlängert werden, wie es dem ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender erging.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss nicht nur staatsfrei sein, damit er nicht zum Propagandainstrument verkommen kann, sondern er muss auch dem Parteienproporz entzogen werden, weil nur dann die Freiheit der Meinungsäußerung geschützt ist. Genau darauf ist eine Demokratie notwendig angewiesen. Wenn diese Voraussetzung erfüllt ist, können wir mit weniger Verlautbarungsjournalismus rechnen, und das Tun der Politiker wäre kontrollierbar. Das könnte sogar das öffentlich-rechtliche Programmangebot spannend machen - und die Politik besser.

Joachim Wieland, 61, Professor für Öffentliches Recht an der Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer. Vorsitzender der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer.

Fernsehen muss verstören

Öffentlich-rechtliches Fernsehen muss sich öffnen - zu mehr Relevanz, zu mehr Authentizität, zu größerer Radikalität. Relevanz: Zuschauer möchten einen Gegenwert für ihre Zeitinvestition. Wir schauen Fernsehen, weil uns ein Thema berührt oder verstört. Fernsehen muss auch in der Fiktion journalistischer denken: Operation Zucker über Kinderprostitution war so ein Ereignis, wie es viel zu wenige gibt. Fernsehen muss seinen Zuschauern mehr zutrauen. Authentizität: Jan Josef Liefers hat zu seiner Rolle in Der Turm gesagt: Bisher war die DDR schwarz-weiß. Jetzt wird sie zum ersten Mal farbig. Der Turm traute sich Genauigkeit und die Abkehr vom falsch getönten Melodram, mit dem (auch von uns) das deutsche Fernsehen so viel bespielt wird. Mich interessiert diese Form nicht mehr.

Radikalität: Fernsehen muss neue Formen probieren, neue Erzähltechniken, Fernsehen muss sich Härte, Verletzung, Verstörung erlauben dürfen. Auch in der Form. Um diese Fortentwicklung wird es in den nächsten Monaten gehen. Kein neidischer Blick nach Amerika, sondern die Lust, deutsche Geschichte, deutsche Geschichten radikal zu inszenieren. Und wo soll das gehen, wenn nicht bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten?

Nico Hofmann, 53, Produzent und Regisseur, gründete im Jahr 1998 die Firma Teamworx mit, die besonders mit Eventfilmen wie Der Tunnel bekannt wurde.

Medienkontrolle entscheidet heute über Springer-Kauf von ProSiebenSat.1

Dieter Dörr: "Von der Werbung geht ein negativer Einfluss auf das Programm aus."

(Foto: dpa)

Werbung muss gestrichen werden

Die Werbung im öffentlich-rechtlichen Programm sollte heruntergefahren und mittelfristig ganz gestrichen werden - auch wenn das dann mehr kostet. Das Bundesverfassungsgericht hat in seiner letzten großen Gebührenentscheidung vom September 2007 gegenüber der Werbefinanzierung eine deutliche Skepsis erkennen lassen. Die Richter haben darauf hingewiesen, dass die Werbefinanzierung zwar zulässig ist, aber nicht im Vordergrund stehen darf. Sie müsse zudem von den Ländern laufend daraufhin überprüft werden, ob sie nicht zu einem Programm führt, das allein auf Massenattraktivität ausgerichtet ist.

Auch ich sehe den Zusammenhang. Ich muss mir dafür nur das Programm der ARD am werbefinanzierten Vorabend anschauen. Von der Werbung geht ein negativer Einfluss auf das Programm aus.

Dieter Dörr, 60, ist Professor für Öffentliches Recht und Medienrecht, Mitglied der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich und war Justitiar beim SR.

Who wants to fuck my girlfriend?

Christian Ulmen als Uwe Wöllner im Studio seiner neuen Show "Who wants to fuck my girlfriend?".

(Foto: obs)

Macht die Nische viel radikaler

Die Nischensender sind nicht nischig genug. Viele Formate etwa bei ZDF Neo könnten auch genauso als Einspieler bei Volle Kanne im ZDF laufen. Wenn man sich abheben will, muss man radikal sein, noch radikaler als bisher. Man darf dann auch keine Quoten erheben und sich von einer Null vor dem Komma verunsichern lassen. Manche Dinge brauchen eben Zeit, ihr Publikum zu finden. Ein Sender, der überraschendes Programm will, muss das aushalten können.

In dem Moment, in dem auch auf diesen Kanälen versucht wird, einen Konsens herzustellen, wenn man also den Spagat versucht, es doch wieder möglichst allen recht zu machen, verwässern der Ansatz und das Profil. Wenn man verschiedene Sender für verschiedene Zielgruppen anbietet, sollte man sich was trauen.

Christian Ulmen, 37, ist Moderator und Schauspieler in TV und Kino. Die von ihm produzierte Stuckrad Late Night wechselte kürzlich von ZDF Neo zu Tele 5.

Gayle Tufts zeigt ´Deutschland für Einsteiger" bei ZDFneo

Gayle Tufts: "Mein Rat: Mix it!"

(Foto: dpa)

Nehmt die Unterhaltung ernst

Ich wohne seit 23 Jahren in Deutschland, aber im Fernsehen hat sich in dieser Zeit nicht viel entwickelt, von Experimentierfreude sehe ich nichts. Es gibt tolle Sachen, Tatort oder Im Angesicht des Verbrechens, aber die Macher denken grundsätzlich zu sehr in Schubladen, trennen haarscharf zwischen E und U: Ernst darf nicht unterhaltsam sein, und Unterhaltung nie ernst. ARD und ZDF trauen dem Publikum nichts zu.

Mein Rat: Mix it! Betreibt mehr Austausch mit Theatern, mit der Filmbranche. Nehmt Unterhaltung ernst.

Gayle Tufts, 52, amerikanische Entertainerin mit Wohnsitz in Berlin, arbeitet auch für Radio und Fernsehen. Für das ZDF drehte sie Deutschland für Einsteiger.

Legt alle Kosten offen

Die Bürger zahlen jährlich etwa 7,5 Milliarden Euro an Rundfunkbeiträgen. Diese Einnahmen werden entsprechend dem Finanzbedarf der Sender verteilt, der von der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) festgestellt wird. Das klingt nach einem transparenten Verfahren, das es aber in Wirklichkeit nicht ist.

Der Bericht der KEF lässt nur ungefähr erkennen, wofür die Sender Geld ausgeben. Eine vollständige und detaillierte Auflistung der Programmausgaben enthält er nicht. So ist weder nachvollziehbar, was einzelne Sportrechte kosten, noch was man für einzelne Sendungen aufwendet. Wer sich über Zwangsbeiträge finanziert, der sollte dem Beitragszahler gegenüber zumindest umfassend Rechenschaft ablegen. Zumal eine solche öffentliche Kontrolle dazu beitragen würde, Auswüchse und Fehlentwicklungen zu vermeiden.

Thomas Stadler, 43, ist Rechtsanwalt. Er ist 1969 in Mühldorf am Inn geboren und absolvierte das Studium der Rechtswissenschaften, einschließlich einer fachspezifischen Fremdsprachenausbildung in Englisch, von 1989 - 1994 an der Universität Passau.

Mehr Transparenz bei den Sportrechten

Gemessen an den Preisen bin ich nicht der Meinung, dass im öffentlich-rechtlichen Rundfunk grundsätzlich zu viel Geld für Sportrechte ausgegeben wird, aber wir haben die entsprechenden Haushaltsmittel gedeckelt, brauchen sehr viel mehr Transparenz bei den Finanzen und auch eine größere Vielfalt in der Berichterstattung über Sportereignisse. Wenn Sie mich fragen, ob Sender sich nicht einfach Quote kaufen, indem sie Fußballrechte erwerben, dann sage ich, teure Sportrechte müssen auch Relevanz und Resonanz haben, sonst wären die Kosten nicht vertretbar, aber die Quote alleine darf kein Entscheidungskriterium sein, wie zum Beispiel die Entscheidungen gegen die quotenstarken Sportarten Boxen und Radsport gezeigt haben.

Ich teile die Meinung, dass die Öffentlichkeit gerade durch das neue Beitragsmodell für alle noch mehr Kostentransparenz erwarten kann. Ein Argument gegen die völlige Offenlegung aller Rechtekosten allerdings sollte man ernst nehmen: Es handelt sich um einen hart umkämpften Markt, und wenn wir komplett öffentlich machen, wie viel wir bereit sind zu zahlen, dann haben Anbieter und Konkurrenz mit uns doch ein leichtes Spiel, um die Preise hochzutreiben.

Ruth Hieronymi, 65, ist CDU-Politikerin und seit 2009 Vorsitzende des WDR Rundfunkrats. Davor war sie unter anderem Mitglied des Landtags Nordrhein-Westfalens.

Ferres & Co. nehmen uns die Luft

Es ist schade, dass Ferres & Co das Programm dominieren. Es ist schade, dass Filme vermeintlich nur funktionieren, wenn die immer gleichen Berühmten dabei sind. Das nimmt den No-Names die Chance, bekannt zu werden.

Natürlich hat auch ein Heiner Lauterbach klein angefangen und musste sich durchschlagen. Aber wir Jungschauspieler haben es heutzutage insofern schwerer, als es immer mehr Quereinsteiger gibt, Sänger oder andere Promis, die es zum Filmen zieht. Dabei haben wir doch den Vorteil, eben nicht so sehr auf Typen festgelegt zu sein. Wir können uns leichter in Rollen einfinden, sind oft kreativer, vielfältiger, bringen frischen Wind mit.

Nina Brandt, 22, ist Schauspielerin und hat etwa in den Filmen Die Himmelsstürmer und Drillinge und Fritz mitgewirkt. Beide laufen dieses Jahr in der ARD.

Schluss mit dem Irrsinn in den Genres

Mit dem Zweiten sieht man besser. Echt? Und mit den Dritten beißt man besser? Nein, die Dritten sind ja irgendwie noch das Erste. Machen wir uns nicht lustig über Leute, die es schwer haben und schon ein wenig alt sind. Ich darf das sagen, ich bin jenseits jeder relevanten Zielgruppe, ein Ü-50-Zuschauer. Und jetzt soll ich rufen: Alles Schrott in der Glotze, Schmarrn und Müll?

Mache ich nicht.

Ich sehe keinen Schrott, ich weiß nämlich, wie die Fernbedienung funktioniert. Das scheint mich von Tausenden von Menschen zu unterscheiden, von jenen nämlich, die ständig geradezu beweinen, dass die Öffentlich-Rechtlichen mit ihren sieben Milliarden Gebühreneinnahmen ihrem Auftrag nicht nachkämen und unsere Bildung ruinieren würden.

Unter uns: Mir ist dieser Auftrag sowas von egal. Ja, ja, diese Karnevalssendungen - grausam. Ja, ja, diese affigen Shows - mediales Mobbing. Ja, ja, auch mir als Drehbuchautor wurden schon Geschichten gekillt, die mir am Herzen lagen. Auch ich nahm schon an Drehbuchbesprechung genannten Lebenszeitverkürzungstreffen teil, in denen mich nur meine christliche Nächstenliebe vor fürchterlichen Racheakten schützte.

Und?

Das einzige, was mich wirklich nervt, ist nicht das Gesamtprogramm, es ist der Irrsinn innerhalb einzelner Genres: untertänige, meinungslose, selbstgefällige Sportreporter; Film- und Serienfiguren mit der Tiefe eines Bierdeckels; gesprächslose Talkshows. Und dass plötzlich die Nazis in deutschen TV-Produktionen alle irgendwie Widerstandskämpfer sind.

Daran könnte mal gearbeitet werden.

Bis es jedoch zu Veränderungen kommt, und das kann dauern (seit etwa 200 Jahren fällt denen ja nicht mal für "Wetten, dass..." ein Ersatz ein) - solange flüchte ich mich regelmäßig zur aufregendsten Sendung unter der Sonne, zu "Roche & Böhmermann" auf ZDF-kultur. Wie hieß es dort neulich am Ende? "Aufgrund des großen Interneterfolgs gönnen sich unsere Moderatoren eine Auszeit auf den Malediven. Ab kommender Woche sehen Sie auf diesem Sendeplatz die erste Staffel von Alf. Vielen Dank für Ihre Gebühren." Dem ist aber auch gar nichts hinzuzufügen.

Friedrich Ani, 54, ist Schriftsteller und vor allem für seine Kriminalromane um Kommissar Tabor Süden bekannt. 2012 wurde er, gemeinsam mit Ina Jung, mit dem Bayerischen Fernsehpreis für das Drehbuch für "Das unsichtbare Mädchen" ausgezeichnet