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Florian Weber moderiert "Das Duell":Mister Vorabend

Florian Weber moderiert in der ARD "Das Duell" - von jetzt an gibt es das Vorabendquiz in Doppelfolgen.

Die Krawatte zum Anzug ist verschwunden. Florian Weber moderiert nur noch mit offenem Hemd. Methode lässig - das, so findet die gereifte ARD offenbar, wirke jünger, flotter und passe besser zu dem 34-jährigen Moderator des Wissensquiz Das Duell im Ersten. Das läuft dienstags bis freitags zur undankbaren Sendezeit um 18:50 Uhr.

Florian Weber

Ein Talent in der ARD

Mit blondem, wild struppigem Haar, die Stirn bedenklich runzelnd, die Lippen unter der markanten Nase zum breiten Grinsen gezogen und mit lustigen Segelohren - so kämpft sich Florian Weber durch das öffentlich-rechtliche Vorabendprogramm, das sich durch Werbespots finanziert.

Hier müssen die Quoten stimmen, und Duellant Weber weist immerhin kontinuierlich 8,5 Prozent Marktanteil aus. Das klingt nicht viel, ist aber mehr als die vorigen Konzepte einbrachten. Deshalb wird seine Sendung nun ausgeweitet: Vom Duell wird von nun an jeweils eine Doppelfolge ausgestrahlt, 50 Minuten geballte Weberei im Ersten. Damit hat der junge Mann den Vorabend in der ARD fest im Griff.

Der Durchschnittszuschauer des Senders hat immerhin seinen 60. schon gefeiert, da kann ein bisschen Jugendlichkeit nur guttun. Jahrelang hatte die ARD lieber für viel Geld Leute aus dem Privatfernsehen abgeworben, statt eigene Talente in ihrem gutverzweigten Kanalsystem aufzubauen. Die Strategen hielten es also eher wie früher der FC Bayern München, bevor Meistertrainer Louis van Gaal die Jugendspieler förderte. Doch auch im Fernsehen ist das alte System ans Ende gekommen. Man muss schon selbst die richtigen Neuen finden, lautet die Devise. Einen wie Quizmaster Weber. "Die ARD ist gerade mit dem Aufbau von Florian Weber beschäftigt", erklärt dieser süffisant und zupft an seinem grünen Kapuzenpulli. Mal kommt sein Hamburger Slang durch, mal klingt er auch ein wenig badisch. Er sitzt im Münchner Café am Wiener Platz mit dem Rücken zum Geschehen, mittlerweile wird er in der Öffentlichkeit erkannt. "Der Zuspruch ist schön", erklärt er: " Das Duell ist das erfolgreichste Format auf diesem Sendeplatz seit sieben Jahren."

Webers Blick auf seinen eigenen Werdegang ist ironisch-distanziert ("Ich versuche die Life-Work-Balance hinzubekommen") oder nassforsch-selbstbewusst: "Ich kann auch sehr gut Sprüche raushauen." Er verkündet die Van-Gaal-Philosophie, dass die ARD "junge Gesichter schon konsequent aufbauen wird - und da bin ich derzeit der Jüngste." Das bedeutet, dass eine Zeitlang "jeden Tag Webertag" in der ARD sein werde: sonntags im NDR bei Wer hat's gesehen, am Montag Wer zeigt's wem im SWR, von Dienstag bis Freitag dann eben im Ersten Das Duell, schließlich noch die NDR- Top-Flops und immer wieder auch das ARD-Buffet.

Dieser Mann ist also eine Allzweckwaffe - fast so wie Jörg Pilawa, sein Mentor. Weber kokettiert über ihn ("Ich darf ja mittlerweile Jörg sagen"). Die von Pilawa gegründete Firma White Balance, mittlerweile bei MME, produziert die ganze Duellitis zwischen den Werbeblöcken. Show-Profi Pilawa selbst weilt derzeit in einer Kreativpause, bevor er dann beim ZDF anheuert. Doch die Spuren bleiben, das weiß auch Weber: "An Jörg Pilawa wird jeder gemessen werden, der im Ersten als Unterhaltungsmoderator unterwegs ist." Vor einem Vergleich muss Florian Weber nicht zurückschrecken. Er macht seine Sache schon recht gut.

Zwischen zwei Monitoren und Kandidaten quatscht sich der Nachwuchsmann von Frage zu Frage, durchaus flapsig. Er spricht ein bisschen wie Lena ("Verdammte Axt") und grinst mindestens so viel wie Pilawa. Nur mit dem Ruhighalten hat er es nicht so. Seine Arme fliegen durch die Luft, der Kopf ruckt nach links und nach rechts. Weber freut sich bisweilen mit seinen Kandidaten. "Jawoll!", ruft der Moderator, als hätte die Sissi neben ihm das Duell schon gewonnen. Er schnackt auch gern mal über seine Erfahrungen im Mount-Everest-Basis-Camp. Dann wird er streng: "Sissi, Sie kennen die Minister" mahnt er, und klärt zwischendurch den Fernsehzuschauer auf: "Es geht auch um 'ne Menge Schotter." Der Mann wirkt, als habe er gerade diesmal besonders gute Laune. Und bescheinigt seinen Gästen, "schnell und schlau" oder auch "aber so cool" zu sein.

Florian Weber

Ein Talent in der ARD