Finale von "Promi Big Brother":Unendliche innere Ödnis

Promi Big Brother - Finale

Gewann das Finale von "Promi Big Brother": Aaron Troschke.

(Foto: dpa)

Der Berliner Aaron Troschke gewinnt Promi Big Brother - in einem ereignislosen Finale. Von der Show bleibt vor allem ein Eindruck: Gäbe es einen Preis für die meisten Unwahrheiten in der kürzesten Sendezeit, läge sie ganz vorne.

Von Hans Hoff

"Wir sehen uns auf der After-Party", sagte der Moderator Jochen Schropp zu Claudia Effenberg am Freitag um kurz nach elf Uhr. Da wusste man schon, dass die ehemalige Fußballergattin nur Zweite geworden war bei "Promi Big Brother". Den Sieg hat Aaron Troschke geholt, dessen Bekanntheit sich bis dahin auf einem leidlich unterhaltsamen Auftritt in Günther Jauchs Millionärsshow gründete. Nun ist der Berliner um 100 000 Euro reicher und durfte oder musste seine elf Mitbewerber auf der After-Party treffen.

Natürlich meinte Schropp die Party nach der Show, die After-Show-Party, aber so genau darf man das bei der moderierenden Grinsekatze nicht nehmen nach 14 Tagen, in denen es galt, immer wieder das zu präsentieren, was ein Dutzend mehr oder weniger bekannter Verhaltensauffälliger anstellte in einem hermetisch abgeschlossenen Haus unter der Aufsicht von rund um die Uhr sendenden Kameras.

Man kennt diese Shows, in denen Menschen sich für eine bestimmte Zeit dem Fernsehen ausliefern. Erst waren es nur Unbekannte, die das taten, aber dann entdeckte RTL, dass man gar kein Haus braucht, dass es ein Camp im Dschungel auch tut, wenn man dort Menschen zwischenlagert, von denen man sagt, sie seien prominent. "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" heißt die zugehörige Show, die immer wieder zeigt, dass solche Aktionen ganz unterhaltsam sein können, wenn man denn weiß, wie man sie clever inszeniert und sie auf einer Metaebene mit intellektuellen Ironie-Girlanden verziert.

Nichts war witzig, dafür umso mehr peinlich

Bei Sat.1 wusste man das sehr offensichtlich schon nicht, als man im vergangenen Jahr das erste Mal Promi Big Brother inszenierte. Alles an der Show war mangelhaft, die Dramaturgie, die Moderatoren, die Bilder, der Ton, die Quoten, alles.

Danach hat man sich dann zusammengesetzt und Ideen gesammelt. Man solle doch Autoren beschäftigen, die dem Moderatoren witzig-ironische Ansagen aufschreiben, sagte jemand. Man könne sich auch eine Dramaturgie ausdenken, damit während der 14 Tage etwas passiert zwischen den Insassen, meinte ein anderer. Man könnte es spannend machen und sich gleichzeitig über das eigene Tun lustig auslassen, lautete eine andere Idee. Sat.1 hörte sich das alles sehr genau an und entschied sich dann für das komplette Gegenteil.

Das führte dazu, dass man in diesem Jahr tatsächlich ein wenig Mitleid empfand für jene Gestalten, die da zwei Wochen lang ausgestellt und, schlimmer, vor allem sich selbst überlassen wurden. Nichts war witzig, dafür umso mehr peinlich. Man sah den Schlager-Wendler in der wohl hässlichsten weißen Badehose der Welt. Man erlebte den ehemaligen Hamburger Senator Ronald Schill beim Nacktbaden, und man wurde dauernd gezwungen, irgendwelchen Ludern auf die Brüste zu blicken. Zwischendrin wurde dann noch sinniert, was wohl die Taktik von Big Brother sein könnte und wie man wohl draußen ankomme.

Das dramaturgische Konzept ist rasch erschöpft

Eingesperrt wurden die Kandidaten in ein Kölner Haus, in dem man oben im Luxus schwelgen konnte, in dem aber unten kühle Düsternis herrschte und es lediglich Körner zu essen gab. Ab und an mussten die Kandidaten von oben nach unten wechseln und dann wieder zurück. Darin erschöpfte sich das dramaturgische Konzept sehr rasch.

Schnell wurden zwei "Gefangene" zu Stars stilisiert. Der Gewinner Aaron gehörte dazu, weil man ihm reichlich Raum für seine kecke Berliner Schnauze gab, und der einstige NDW-Sänger Hubert Kah wurde als kauziger alter Mann mit einigen Besonderheiten ausgestellt. Seine bunten Pullunder gehörten ebenso dazu wie sein privater Vibrator, den er zärtlich Afti nennt.

Das Material, mit dem man allein anhand der beiden hätte schöne Geschichten erzählen können, war also vorhanden. Leider nutzten die Macher es nicht. Sie gefielen sich vielmehr darin, ständig Konflikte zwischen den Bewohnern zu behaupten, die sich bei näherem Hinsehen allenfalls als soziales Geplänkel herausstellten.

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