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Finale von "Germany's Next Topmodel":Wie die Schulaufführung in Bergisch Gladbach

Vanessa ist "Germany's next Topmodel" 2015

Vanessa (rechts) ist Germany's next Topmodel 2015, doch letztlich ist auch sie nur Material für die Vermarktungsmaschinerie von Moderatorin Heidi Klum.

(Foto: dpa)

In New York, also in DEM New York findet das finale Finale von "Germany's Next Topmodel" statt. Heidi ist "megastolz", Joop "ergriffen", am Ende gewinnt Vanessa aus Bergisch Gladbach. Die Sendung wirkt hingeschludert.

Kurz vor dem Ende von Germany's Next Topmodel will Heidi Klum noch etwas wissen von den beiden verbliebenen Kandidatinnen Anuthida und Vanessa. "Ist es nicht Wahnsinn, dass es jetzt gleich passiert?" Nein, es ist nicht Wahnsinn. Es ist nur Show.

An diesem Tag in New York sogar eine sehr billig aussehende Show. Aus der geht Vanessa schließlich als Siegerin hervor. Vanessa aus Bergisch Gladbach, aus der Stadt also, in der auch Heidi Klum groß wurde, in der zufällig Heidis Vater Günther seine Model-Agentur betreibt, die besonders gerne jene vertritt, die bei der Show der Tochter Erfolg hatten. Vanessa ist jetzt auf jeden Fall Germany's Next Topmodel.

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Model-Auslese ohne die handelsübliche Hochglanzperfektion

Es ist schon erstaunlich, wie unfreiwillig ehrlich solch eine Model-Auslese wirkt, wenn man sie beinahe nackt erlebt, also ohne 10 000 kreischende Fans, ohne ausgefeilte Lichtinszenierung, ohne die handelsübliche Hochglanzperfektion. Auf einmal ist tatsächlich so etwas wie Wahrhaftigkeit zu spüren. Auf einmal kann nicht mehr die Rede sein von Glamour, von Style, von Eleganz. Auf einmal wirkt alles ein bisschen wie die Schulaufführung in der Aula in Bergisch Gladbach.

Zu verdanken haben die Fernsehzuschauer das einer unbekannten Anruferin, die am 14. Mai mit einer Bombendrohung dafür sorgte, dass das Finale von Germany's Next Topmodel mittendrin abgebrochen werden musste. Knapp 10 000 Zuschauer evakuierten die Veranstalter aus der Arena in Mannheim. Germany's Next Topmodel konnte nicht benannt werden.

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New York, New York

Das wollte man nun nachholen. In New York. Nicht in irgendeinem New York, sondern in dem New York, in der Stadt, die niemals schläft, die, wenn man es in ihr schafft, dafür sorgt, dass man es überall schaffen kann. Kein Klischee wurde von Pro Sieben ausgelassen im Vorfeld des Finales in der New Yorker Gotham Hall, das sicherheitshalber schon vor der Ausstrahlung am Donnerstagabend aufgezeichnet wurde. Nicht vor 10 000 Zuschauern, sondern vor 150 Verwandten und Freunden der drei Finalistinnen.

Ja, es war New York, aber es hätte ebenso gut Köln/Hürth sein können, denn die Nennung des Städtenamens war so ziemlich das Aufregendste an diesem Abend. Alles andere wirkte mehr oder weniger hingeschludert. Das Licht schien aus einer Dorfdisco entliehen, der Catwalk sah aus, als habe man unbeholfen über ein paar Apfelsinenkisten ein wenig Folie gespannt, und die Kameraarbeit war, vorsichtig formuliert, zurückhaltend.

Als ginge es um die Erringung des Titels Miss Wurst Sachsen-Anhalt

Das passte indes zur Gesamtveranstaltung, die penetrant als das finale Finale verkauft wurde, die aber in der kompletten ersten Stunde aus einer Rückschau auf die Geschehnisse von Mannheim bestand. Immer wieder sagte irgendwer, wie wichtig es doch sei, dass nichts passiert sei, dass alle heil aus der Halle herausgekommen seien.

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Erst als das ausführlich dargestellt war und auch der 357. Zuschauer hatte sagen dürfen, dass er sich schon sehr erschrocken habe, als er von der Bombendrohung erfahren habe, ging es nach New York. Dort durften die drei finalen Finalistinnen in gewohnter Manier über den Laufsteg staksen. Heidi Klum verkaufte das als "Sexy Walk", aber die drei verbliebenen Grazien wirkten bei ihrem Gang so teilnahmslos, als ginge es lediglich um die Erringung des Titels Miss Wurst Sachsen-Anhalt oder ähnlich Hochkarätiges.

Danach verteilte Heidi Klum trotzdem jede Menge Lob. "Ich bin so megastolz auf euch", sagte sie, und spätestens da war klar, es ist die echte Klum, denn die bekommt bekanntlich Wortstau, wenn sie nicht alle paar Minuten mega sagen darf.

"Du bist Fashion", sagte hingegen Wolfgang Joop zu Ajsa, doch das nützte der 18-Jährigen wenig, denn kurz danach war sie raus. Sang- und klanglos. "Ajsa, ich habe leider kein Foto für dich", sagte die Chefin der Show. Als Trost gab es für die Ausgeschiedene die Handynummer von Joop.

"Ich war irgendwie ergriffen", sülzt der Joop

Nach weiteren gefühlten 456 Werbespots für Lippenstifte, Wimperntusche und Gesichtspuder mussten die verbleibenden zwei Kandidatinnen noch mal über den Catwalk. Dazu sang jemand, was die Angelegenheit immens verlängerte. Immer ausdrucksloser erschienen die Gesichter von Anuthida und Vanessa, als sie ein ums andere Mal kehrt machen und noch mal über die Apfelsinenkisten mussten. Und dann noch mal. Offiziell hieß der Mehrfachgang "Romantic Walk", wohl auch, weil links und rechts Kerzen aufgestellt waren. Kerzen sind halt in der Pro-Sieben-Welt so romantisch wie New York aufregend zu sein hat.

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"Ich war irgendwie ergriffen. Ihr beide habt einfach alles", sülzte danach der Joop, der ansonsten vor allem durch seine rosa Socken Eindruck machte, weil die ein wenig von seiner sonstigen Gesamtstarre ablenkten.

Ganz doll stolz auf sich

Quer durch die Gotham Hall wurde dauergelobt, und La Klum fand alles mega. Die Mädchen sagten brav, dass sie in den elf Wochen des Wettbewerbs viel gelernt hätten und ganz doll stolz auf sich seien.

Dann kam um 22:25 Uhr der Moment, in dem die 17-jährige Anuthida aus dem Bild verschwand, weil ihre zwei Jahre ältere Mitbewerberin Vanessa zur Siegerin gekürt war. Die kommt nun auf mindestens noch ein Zeitschriftencover, kriegt einen hochdotierten Modelvertrag und durfte mit einem Koffer voller Geld winken.

Die Zweite ward nicht mehr gesehen. Nicht mal mehr ein paar tröstende Worte bekam sie. Stattdessen gab es Papierschnitzel in der Luft und eine Heidi Klum, die sich, ganz Geschäftsfrau, jetzt schon mega auf die elfte Staffel von Germany's Next Topmodel freut. "Bis zum nächsten Mal", sagte sie mit ihrer Heidi-Klum-Stimme, die sich stets ein bisschen so anhört, als werde gerade etwas sehr Süßes von einer Straßenbahn überfahren. Bis zum nächsten Mal. Das klang wie eine Drohung.