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Finale von "Germany's Next Topmodel":GNTM-Finale: Heidi Klum, Multitasking-Königin von Mallorca

Germany's Next Topmodel 2016 Finals In Palma de Mallorca

Heidi Klum mit Siegerin Kim und den beiden Juroren Thomas Hayo (links) und Michael Michalsky

(Foto: Getty Images)

Wenn da nur die Sache mit dem Sprechen nicht wäre. Wer "Germany's Next Topmodel" 2016 gewonnen hat - und wie sie diese Show künftig überstehen.

Es beginnt mit einer Blasphemie. Heidi Klum steht vor dem Coliseo Balear, jenem Ort auf Mallorca, an dem es stets nur einen rechtmäßigen deutschen König gab: Thomas Gottschalk in seinem weißen Leinenensemble, mit Goldlöckchenkrone und Headsetmikro. Aber Wetten, dass..? ist Geschichte, man nennt sie auch die Lanzstoßlegende - der König ist tot, es lebe die Modelmutti! Die schreitet also zum elften Finale von Germany's Next Topmodel ein in die Stierkampfarena von Palma, in einem kurzen Kleidchen, mit wippendem Pferdeschwanz und reizendem Lächeln. Unterwegs highfivet sie ein paar Frauen mittleren Alters in Caprihosen und verteilt an alle anderen großzügig Luftbussis. Dabei macht sie Geräusche: "Muah! Muah!" Heidi Klum, Multitasking-Königin von Mallorca.

So weit, so glorreich. Doch dann, wir schreiben etwa die Sekunde 47 der Show, fängt sie auch noch an zu sprechen - und das geht wie jedes Jahr schief. "Die (gemeint sind natürlich die Meeedchen; Anm. d. Red.) stehen dahinten und die Knie schnattern", sagt Klum. Kann dieser Anfängerkurs in Live-Moderation nicht ein vorzeitiges Ende nehmen?

Doch so läuft es nun mal nicht bei GNTM. Hier gilt, frei nach Finalistin Kim: "Wir müssen halt so aussehen, als würde es Spaß machen." Wer die Klum'sche Philosophie so verinnerlicht hat, der ist die logische Siegerin dieses Formats, um 23:18 Uhr steht die 19-Jährige als Topmodel 2016 fest. Zweite wird Elena, Tochter von Schauspieler Mathieu Carrière, auf Platz drei landet Fata. Das Ergebnis ist aber genauso egal wie die anhaltende Kritik an GNTM.

Tatsächlich, was soll dieses sinnlose Aufbäumen, dieses vergebliche Anpragern und ermüdende Nörgeln über ein Format, das so unkaputtbar ist wie ein Hamburger von McDonald's? Denn was tut Heidi Klum, wann immer die Kritik laut wird, ihre Show propagiere bedenkliche Schöhnheitsideale? Genau, Fastfood futtern mit den Meeedchen. Versuchen Sie also besser, sich mit dem Unausweichlichen zu arrangieren - neun Bewältigungsstrategien.

Germany's Next Topmodel Warum die Empörung über dünne Models scheinheilig ist
Dünne Models

Warum die Empörung über dünne Models scheinheilig ist

Das Körperbild in "Germany's Next Topmodel" ist ungesund, jugendgefährdend und frauenverachtend. Ach ja? Seltsam nur, dass so viele mitmachen beim großen Dünnerwerden.   Essay von Tanja Rest

1) Niemals nach dem Warum fragen

Warum werden die Finalistinnen auf Sänften ins Kolosseum getragen, geschultert von modernen Gladiatoren, die ihre Arme beim Ausbalancieren einer Selfiestange vor dem Muckibudenspiegel gestählt haben? Warum hat die Bühne die Form einer erleuchteten Vagina? Warum trägt der Taucher beim Strand-Shooting einen antiken Taucheranzug? Warum hopsen Heidi Klum und Fotograf Christian Schuller wie blöd auf einem Trampolin herum? Und warum sitzt Ex- Bachelor Paul Jahnke im Publikum?

Vermutlich lautet die Antwort entweder "Because they can" oder "Malle ist nur einmal im Jahr!". Eigentlich ist das aber vollkommen wurscht. Was zählt, ist der Augenblick, was zählt, ist der Anblick.

2) Aber immer mit einer vollkommen schlüssigen Erklärung rechnen

Heidi Klum weiß zum Thema Glücksbringer Folgendes beizusteuern: "Ich hatte früher immer Zähne in 'nem Säckchen, meine Weisheitszähne, hab ich mit mir rumgeschleppt." Mancher trennt sich eben nicht so einfach von dem bisschen Weisheit, das ihm geschenkt ist.

3) Nicht wundern, wenn nach jeder Werbepause eine blonde Frau alleine auf der Bühne Ü-30-Party spielt

Das ist nur die Heidi, die da tanzt. Der Song heißt im Übrigen "Cake by the Ocean". Ja, Kuchen! Hatte da jemand "gefährlicher Schlankheitswahn" gesagt?

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Sie gewann die zweite Staffel von Germany's Next Topmodel. Seitdem weitet Barbara Meier ihr Arbeitsfeld akribisch aus - mit Erfolg. Über das Treffen mit einer nachdenklichen Frau in einer aufgeregten Branche.   Von Philipp Crone

4) Oder wenn plötzlich ein unsympathischer junger Mann aus dem Publikum interviewt wird

Es handelt sich um "Honey", den Ex-Freund von Kim. Der fand die Kurzhaarfrisur seiner Freundin nach dem traditionellen Umstyling nicht edgy oder editorial, sondern einfach nur Scheiße. Die bekam er dann direkt zurück, in Form eines Shitstorms in den sozialen Medien. Aber für den richtigen Betrag lässt man sich auch noch mal im Kolosseum von Palma ausbuhen. Und die Verantwortlichen von Pro Sieben sind ja keine Unmenschen - sie drehen einfach die Musik hoch.

5) Vergessen Sie alles, was Sie jemals über die deutsche Sprache gelernt haben

Oder wie es Juror Thomas Hayo formulieren würde: "Da ist mir wirklich kein Fehler lieber, als einer, der gut überbrückt wird."