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Finale Staffel von "Breaking Bad":Seit Folge eins im freien Fall

"Es ist schwer vorstellbar, dass Walter am Ende nicht sterben wird", sagt Cranston. Serienchef Vince Gilligan ergänzt: "Ich erinnere mich gerne an die Serie M.A.S.H.: Von der ersten Folge an sitzen diese Leute herum und wollen nach Hause. Und natürlich dürfen sie das in der letzten Episode auch. Manchmal ist der beste Moment einer Fernsehserie der, in dem man das Vorhersehbare tut." Walter White befindet sich seit der ersten Folge im freien Fall - entweder er fällt einfach weiter oder er schlägt irgendwann einmal auf. Das Serienende ist für den 29. September angekündigt, dann wird es also wohl zum Aufschlag kommen.

"Wir haben über jedes mögliche Ende gesprochen", sagt Gilligan, "irgendwann ist es groß geworden: Was ist unsere Verantwortung, eine Moral in all dem zu finden? Gibt es Karma in der Welt? Oder ist das Universum mit all seinen Mechanismen zu groß, um Vorhersehung überhaupt zu erkennen? Irgendwann haben wir dann aufgehört und gesagt: Lasst uns einfach eine gute Geschichte erzählen."

Es geht deshalb bei Breaking Bad anders als bei vielen anderen kulturellen Phänomenen wie "Harry Potter" (Stirbt er?), Friends (Was wird aus Ross und Rachel?) oder Lost (Was in aller Welt ist das Rauchmonster?) weniger darum, was passiert, sondern wie es passiert. Durch die letzten Folgen wird das Vermächtnis einer Fernsehserie definiert. Breaking Bad hat durchaus die Chance, in den Kanon der besten Serien aller Zeiten aufgenommen zu werden - wenn das Ende passt. "Vince ist total nervös", sagt Cranston über Gilligan.

Zurecht: Die vergangenen Jahre wurden bisweilen zum goldenen Zeitalter des Fernsehdramas verklärt - und doch haben zahlreiche Serien Probleme damit, einen Abschluss zu finden, der das Publikum ebenso begeistert wie die Episoden zuvor. The Sopranos verblüffte mit einem offenem Ende, Lost präsentierte einen dramatisch hochwertigen Abschluss. Bei The X-Files dagegen wurde es verbockt - Gilligan gehörte bei der Serie übrigens zu den Autoren und weiß also, wie übel es ist, das Ende einer ansonsten grandiosen Serie nicht hinzubekommen. "Walter hat ein Ende verdient, das seiner Entwicklung gerecht wird", sagt Gilligan.

Faszinierender Antiheld

Dieser Walter White ist einer der faszinierendsten Antihelden der jüngeren Fernsehgeschichte, vor allem aber ist er derjenige mit der außergewöhnlichsten Entwicklung. Don Draper war schon in der ersten Folge von Mad Men ein rauchendes, saufendes und fremdgehendes Arschloch, Tony Soprano schon zu Beginn von The Sopranos ein Mafiaboss, Dexter von Anfang an ein Serienkiller. Whites Entwicklung dagegen ist dramatischer, verstörender - umso verwunderlicher ist es, dass ihn die Zuschauer immer noch nicht hassen. Das liege vor allem an Cranston, wie Gilligan sagt: "Böse Charaktere zu besetzen, ist einfach. Es ist umso schwerer, eine Person zu erschaffen, mit der die Zuschauer fühlen."

Die Zuschauer sympathisieren mit diesem Walter White, der selbst regungslos dabei zusieht, wie andere Menschen getötet werden. Es könnte sogar sein, dass das Publikum weint, wenn Walter White stirbt. Das ist die Kunst dieser Fernsehserie, die nun noch ein passendes Ende braucht. Ohne etwas vom Beginn der letzten Staffel verraten zu wollen: Es wird schrecklich. Und anders als zu Beginn der Serie, ganz am Anfang, wird nun klar, dass es keine Möglichkeit mehr gibt, dass doch noch alles gut wird.

© SZ.de/jüsc/mkoh/rus

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