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Finale Staffel von "Breaking Bad":Es wird schrecklich

Fernsehserie Breaking Bad mit Bryan Cranston und Anna Gunn

Walter White (Bryan Cranston) mit Frau Skyler (Anna Gunn) in der letzten Staffel von "Breaking Bad".

(Foto: 2013 Sony Pictures Television Inc. All Rights Reserved.)

Die US-Fernsehserie "Breaking Bad" steht vor dem Abschluss, derzeit läuft ihre letzte Staffel in USA und Deutschland an. Schon jetzt ist klar, dass der amerikanische Albtraum nicht gut enden kann. Die große Frage ist deshalb nicht, was passiert, sondern wie es passiert. Die letzten Folgen werden über das Vermächtnis der Serie bestimmen.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Am Ende der ersten Folge der Fernsehserie Breaking Bad kommt Walter White nach Hause, legt sich zu seiner Frau Skyler ins Bett. Dann haben sie Sex, wie sie ihn seit Jahren nicht mehr gehabt haben - und schlafen danach zufrieden ein. Weil amerikanische Serien in der ersten Episode oftmals das geplante Ende der Serie andeuten, bekommt der Zuschauer in diesem intimen und doch verstörenden Moment die Hoffnung, dass die Geschichte von Walter White vielleicht gut ausgehen könnte.

Am Sonntag startete die letzte Staffel in den Vereinigten Staaten, von Dienstag an sind die Folgen in Deutschland auf dem Sky-Sender AXN zu sehen. Im Internet sind sie über verschiedene Dienste auch jeweils früher zu sehen.

Über kaum eine Serie wird in den Vereinigten Staaten derzeit so debattiert wie über die Geschichte des melancholischen Chemielehrers Walter White, der zu seinem 50. Geburtstag von seiner Frau lustlos mit der Hand befriedigt wird, während sie online einkauft. Der erfährt, dass er Krebs hat und bald sterben wird. Der aus lauter Verzweiflung anfängt, Crystal Meth zu kochen.

Vom Chemielehrer zum Drogenboss

Es ist eine Serie über den amerikanischen Traum, in dem ein Mensch eben nicht nur vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann, sondern auch vom Chemielehrer zum Drogenboss. Es ist ein Schlag ins Gesicht der amerikanischen Selbstverbesserungsmentalität, wo jeder Mensch andauernd versuchen soll, aus sich das Bestmögliche herauszuholen. Die Serie stellt die Frage: Was, wenn das bestmögliche Leben das eines skrupellosen Gangsters ist?

"Ich glaube, dass wir uns in der letzten Folge alle umarmen werden und dass alles gut wird", sagte Hauptdarsteller Bryan Cranston kürzlich auf der Comic-Con in San Diego über die verbleibenden acht Folgen. Seine Kollegen verbreiteten lange Zeit das Gerücht, dass Walter White sich stellen und in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen werde - und dass aus ihm die Figur Hal aus Malcolm in the Middle wird. Cranston verkörperte einst in der Comedyserie den trotteligen und liebenswerten Vater.

Seit Folge eins im freien Fall

"Es ist schwer vorstellbar, dass Walter am Ende nicht sterben wird", sagt Cranston. Serienchef Vince Gilligan ergänzt: "Ich erinnere mich gerne an die Serie M.A.S.H.: Von der ersten Folge an sitzen diese Leute herum und wollen nach Hause. Und natürlich dürfen sie das in der letzten Episode auch. Manchmal ist der beste Moment einer Fernsehserie der, in dem man das Vorhersehbare tut." Walter White befindet sich seit der ersten Folge im freien Fall - entweder er fällt einfach weiter oder er schlägt irgendwann einmal auf. Das Serienende ist für den 29. September angekündigt, dann wird es also wohl zum Aufschlag kommen.

"Wir haben über jedes mögliche Ende gesprochen", sagt Gilligan, "irgendwann ist es groß geworden: Was ist unsere Verantwortung, eine Moral in all dem zu finden? Gibt es Karma in der Welt? Oder ist das Universum mit all seinen Mechanismen zu groß, um Vorhersehung überhaupt zu erkennen? Irgendwann haben wir dann aufgehört und gesagt: Lasst uns einfach eine gute Geschichte erzählen."

Es geht deshalb bei Breaking Bad anders als bei vielen anderen kulturellen Phänomenen wie "Harry Potter" (Stirbt er?), Friends (Was wird aus Ross und Rachel?) oder Lost (Was in aller Welt ist das Rauchmonster?) weniger darum, was passiert, sondern wie es passiert. Durch die letzten Folgen wird das Vermächtnis einer Fernsehserie definiert. Breaking Bad hat durchaus die Chance, in den Kanon der besten Serien aller Zeiten aufgenommen zu werden - wenn das Ende passt. "Vince ist total nervös", sagt Cranston über Gilligan.

Zurecht: Die vergangenen Jahre wurden bisweilen zum goldenen Zeitalter des Fernsehdramas verklärt - und doch haben zahlreiche Serien Probleme damit, einen Abschluss zu finden, der das Publikum ebenso begeistert wie die Episoden zuvor. The Sopranos verblüffte mit einem offenem Ende, Lost präsentierte einen dramatisch hochwertigen Abschluss. Bei The X-Files dagegen wurde es verbockt - Gilligan gehörte bei der Serie übrigens zu den Autoren und weiß also, wie übel es ist, das Ende einer ansonsten grandiosen Serie nicht hinzubekommen. "Walter hat ein Ende verdient, das seiner Entwicklung gerecht wird", sagt Gilligan.

Faszinierender Antiheld

Dieser Walter White ist einer der faszinierendsten Antihelden der jüngeren Fernsehgeschichte, vor allem aber ist er derjenige mit der außergewöhnlichsten Entwicklung. Don Draper war schon in der ersten Folge von Mad Men ein rauchendes, saufendes und fremdgehendes Arschloch, Tony Soprano schon zu Beginn von The Sopranos ein Mafiaboss, Dexter von Anfang an ein Serienkiller. Whites Entwicklung dagegen ist dramatischer, verstörender - umso verwunderlicher ist es, dass ihn die Zuschauer immer noch nicht hassen. Das liege vor allem an Cranston, wie Gilligan sagt: "Böse Charaktere zu besetzen, ist einfach. Es ist umso schwerer, eine Person zu erschaffen, mit der die Zuschauer fühlen."

Die Zuschauer sympathisieren mit diesem Walter White, der selbst regungslos dabei zusieht, wie andere Menschen getötet werden. Es könnte sogar sein, dass das Publikum weint, wenn Walter White stirbt. Das ist die Kunst dieser Fernsehserie, die nun noch ein passendes Ende braucht. Ohne etwas vom Beginn der letzten Staffel verraten zu wollen: Es wird schrecklich. Und anders als zu Beginn der Serie, ganz am Anfang, wird nun klar, dass es keine Möglichkeit mehr gibt, dass doch noch alles gut wird.

© SZ.de/jüsc/mkoh/rus

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