bedeckt München 18°
vgwortpixel

Titel-Verwechslungen:Im falschen Film

Kombo Medien

Einmal Animationsfilm (links) und einmal Horrorstreifen: Wer nach dem Filmtitel "Frozen" sucht, findet sehr unterschiedliche Werke vor.

(Foto: Alamy/Pictorial Press/mauritius, Leonine)

Im März zeigen ARD und ZDF zwei verschiedene Romanzen namens "Liebe verjährt nicht". Das ist einigermaßen verwirrend. Was aber, wenn beim Familienabend statt Disneys "Frozen" der gleichnamige Horrorfilm läuft?

Bei Frozen lauert besondere Gefahr: Wer nicht aufpasst, kriegt statt blassblauem Eisköniginnenzauber nachtschwarzen Skipistenhorror. Zwei Filme, ein Titel - schwierig für Kinderseelen. Das zeigt, wie schwer sich sagen lässt, ob ein Filmtitel geschützt ist. Laut Dennis Breuer, Anwalt für Markenrecht, gilt an sich: "Wird ein Film mit einem unterscheidungskräftigen Titel im Kino gezeigt, ist der Filmtitel geschützt und es darf keinen weiteren mit demselben Titel geben." Ausnahmen bestehen etwa bei beschreibenden Filmtiteln und fehlender Verwechslungsgefahr. Oder zeitlichem Abstand: Disney-Frozen (2013) etwa sei Horror-Frozen (2010) wirtschaftlich kaum in die Quere gekommen. Wer nun plant, sein eigenes Frozen zu drehen: besser nicht. "Je bekannter ein Film ist, desto größer ist der Schutz, den er genießt." Außerdem ist Frozen auch als Marke im Markenregister eingetragen - Voraussetzung für den Vertrieb von Prinzessinnen-Spielzeug und -Klamotten und ein zusätzlicher Schutz. Wenn man der blassblauen Zielgruppe entwachsen ist, kann es ja auch ganz wunderbar sein, sich wegen doppelt vergebener Titel im falschen Film wiederzufinden. Ein paar Beispiele.

Liebe verjährt nicht

Die ARD-Romanze: Piet (Heino Ferch) war ein erfolgreicher Börsenhai und ist jetzt arm, aber sexy. Beim Jobben für die Hamburger Tafel trifft er seine frühere Liebe Veronika wieder (Tanja Wedhorn). Ihre Trennung vor 20 Jahren haben beide inzwischen bedauert. Und beide spielen sich jetzt was vor.

Die ZDF-Romanze: Maren(Lena Meckel) erkennt in einem Cabrio den Schwarm ihrer Jugend wieder. Später entdecken die beiden Turteltäubchen in einem Laden das Porträt einer jungen Frau, die ihrer Mutter enorm ähnlich sieht. Aber ihr Papa kann gar nicht malen. Was ist da los im Inga-Lindström-Land?

Die Schönheit von Verwechslungen: Beide Filme laufen in derselben Woche. So kann man sich dank ARD (28. März) und ZDF (22. März) ab jetzt für den Rest seines Lebens merken, dass, na klar: Liebe nicht verjährt. Claudia Tieschky

Frozen

Der Disney-Hit: Prinzessin Elsa kann die Welt in Schnee und Eis verwandeln, allerdings kann sie ihre Zauberkraft nicht kontrollieren. Die Folge: Einsamkeit, verletzte Verwandte und die Erkenntnis, dass Liebe alles heilt.

Der Horrorfilm: Drei Jugendfreunde sind im Skiurlaub in einem Sessellift gefangen, um sie herum wütet ein Schneesturm, unten lauern Wölfe und am Ende waren's nicht mehr drei. Vorsicht beim Familienvideoabend: Beide Filme lassen sich etwa bei Amazon Prime Video abrufen.

Die Schönheit von Verwechslungen: Abgesehen davon, dass ein bisschen Traumatisierung zu jeder cineastischen Entwicklungsgeschichte dazu gehört, eignet sich diese Verwechslung besonders gut für Eltern, die ihre Kinder aus der kostspieligen Welt des Wintersports heraushalten wollen. Luise Checchin

Night on Earth

Der Episodenfilm: Fünf Städte, fünf Orte, eine Nacht. Jim Jarmusch lässt unterschiedliche Figuren während einer nächtlichen Taxifahrt aufeinandertreffen. In kürzester Zeit mischen sich die Fahrer in das Leben ihrer jeweiligen Kunden ein oder werden in die Konflikte ihrer Mitfahrer hineingezogen. Ein Film über Begegnungen zwischen Karrierefrauen und verkappten Automechanikern oder Priestern und Lebemännern, die im Taxi ihr Leid teilen.

Die Dokuserie: Auf den Spuren Tiere zeigt die Netflix-Produktion mit aufwendiger Low-Light-Kameratechnik in außergewöhnlichen Bildern, was Elefant, Tiger und Co. im Dunkeln so treiben.

Die Schönheit von Verwechslungen: Ein bisschen ähnlich sind sie sich ja schon, diese zwei Versionen von Night on Earth. Beide beobachten, was die Wesen der Nacht zu später Stunde anstellen. Beiden gelingt es besondere Begegnungen einzufangen. In der Dokumentation ist es der Gepard, der sich auf den Kranich im Baum stürzt, in Jarmuschs Film Roberto Benigni, der mit einem Priester auf der Rückbank die Prostituierten in den Straßen Roms abfährt. Nina Mohs

The Avengers

Die Marvel-Filme: Die Superheldentruppe sorgt seit 2012 für Blockbuster-Action und ist längst in der modernen Popkultur etabliert. Der vierte Teil Endgame ist, was das Einspielergebnis anbelangt, sogar erfolgreichster Film aller Zeiten.

Der Agentenfilm: Bevor Captain America, Thor & Co. die Kinos eroberten, flimmerte schon einmal ein Film mit dem Titel über die Leinwand. Der amerikanische Agentenfilm aus dem Jahr 1998 um Ralph Fiennes und Sean Connery basiert auf der gleichnamigen britischen Kult-Serie aus der 1960ern. In Deutschland liefen beide Produktionen unter dem Titel Mit Schirm, Charme und Melone.

Die Schönheit von Verwechslungen: Die Marvel-Avengers retten nicht nur die Welt, sondern waschen auch den Namen Avengers wieder rein. Denn der 1998er-Film spielte nicht nur zwölf Million US-Dollar weniger ein, als er kostete, sondern gilt unter harschen Filmkritikern als einer der schlechtesten Filme, die je produziert wurden. Benedikt Scherm

Zwielicht/Twilight

Zwielicht: Edward Norton spielt einen Messdiener, der den Erzbischof von Chicago ermordet, Richard Gere seinen Chauvi-Verteidiger. Dazwischen zu viel dramatische Musik weil: Neunzigerjahre-Gerichts-Thriller.

Twilight: Ein Haufen schöner Teenager hat Teenager-Stress. Kompliziert wird's dadurch, dass eine Hälfte aus Vampiren besteht, die im Sonnenlicht glitzern. Dazwischen: Muse.

Die Schönheit von Verwechslungen: Wenn man vorschlägt, Zwielicht sei doch ein ganz guter Thriller und man habe ihn lange nicht mehr gesehen, hebt sich beim Umfeld mindestens eine Augenbraue. Menschen, die bis dahin noch Respekt vor einem hatten, verlieren ihn umgehend. Gerechtfertigt ist das auf jeden Fall - bei beiden Filmen. Theresa Hein

Notorious

Der Hitchcock-Thriller: Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die deutschstämmige Amerikanerin Alicia Hubermann (Ingrid Bergman) vom US-Geheimdienst auf einen in sie verliebten Freund ihres Vaters angesetzt, der in Brasilien einem Nazi-Zirkel angehört. Geführt wird sie vom Agenten Devlin (Cary Grant), der sich in sie verliebt. Als Alicia auffliegt und langsam vergiftet wird, rettet Devlin sie in letzter Sekunde. Einer der besten Hitchcock-Filme, brillanter Mix aus Liebesmelodram und düsterem Verschwörungskrimi von 1946.

Die Krimiserie: Eine Produktion aus dem Jahr 2016, die sich das Leben eines echten Strafverteidigers zum Vorbild genommen hatte. Jake Gregorian kommt schwer ins Schleudern, als sein Mandant, mit deren Frau Sara er eine Affäre hatte, des Mordes verdächtigt wird, dann aber Sara als Täterin entlarvt wird. Das ist freilich erst der Anfang vom Schlamassel, weil auch Sara bald darauf ermordet wird.

Die Schönheit von Verwechselungen: Die Serie wurde wegen Erfolglosigkeit von 13 auf zehn Folgen verkürzt. Höchststrafe. Man stelle sich vor, Hitchcock hätte nach 75 Minuten Notorious enden lassen, weil ihm der wunderschöne Cary Grant so leid getan hat, wenn er die wunderschöne Ingrid Bergmann in den Armen eines anderen Mannes sehen muss. Harald Hordych

The Circle

Das Science-Fiction-Drama: Ein Konzern namens "The Circle", der die Dienstleistungen (und Super-Spaßpark-Arbeitsbedingungen) von Firmen wie Facebook, Google oder Apple bündelt, sammelt sehr, sehr viele Daten. Eine junge Mitarbeiterin ist davon erst sehr fasziniert - und dann sehr alarmiert.

Die Netflix-Reality-Doku: Acht Kandidaten ziehen in ein Gebäude, kommunizieren miteinander aber nur über ein stimmenaktiviertes Netzwerk namens "The Circle". Dort müssen sie Freunde finden und Allianzen schließen. Wer unbeliebt ist, fliegt raus. Am Ende bekommt irgendwer 100 000 Dollar.

Die Schönheit von Verwechslungen: In Dave Eggers Roman (und der Filmadaption von James Ponsoldt aus dem Jahr 2017) ist die Dystopie von der Allmacht des Circle auch deshalb so nah, weil die Menschen ihre Daten so bereitwillig preisgeben - weil sie engagiert, bequem oder sehr dumm sind. Das Netflix-Reality-Format zeigt: Alles, was Dave Eggers schreibt, ist wahr. Die Welt wird untergehen. Jakob Biazza

© SZ vom 25.02.2020/luch
Serien Das sind die Serien des Monats Bilder

Fernsehen und Streaming

Das sind die Serien des Monats

"Bad Banks" wird in Staffel zwei noch verwirrender, "A Confession" fragt, wann etwas juristisch falsch sein kann, obwohl es moralisch richtig ist, und "Pastewka" kalauert ordentlich in der finalen Staffel.   Aus der SZ-Medienredaktion

Zur SZ-Startseite