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Film:Unmenschlich

Leni Riefenstahl

Als Randfigur taucht Leni Riefenstahl in der Doku auf. Sie hatte den Auftrag, ein Heldenepos im Stil ihrer Propagandafilme über den "Polenfeldzug" zu drehen.

(Foto: dpa)

Eine Dokumentation erzählt von den Verbrechen und deutschen Tätern in Polen 1939, die auch Leni Riefenstahl bezeugt hat.

Es waren Familienväter, Studenten, Lehrlinge, die am frühen Morgen des 1. September 1939 in den Reihen der Wehrmacht in Polen einmarschierten. Die Führung in Warschau war über die deutschen Kriegsvorbereitungen gut unterrichtet und hatte die allgemeine Mobilmachung angeordnet; wie eingebürgert von einem "Überfall" zu reden, gibt den Verlauf der Ereignisse vor 80 Jahren also nicht zutreffend wieder. Fest steht: Man hatte die Kraft der eigenen Armee überschätzt. Man glaubte, die Kavallerie sei in dem waldreichen Land deutschen Panzerverbänden überlegen. Noch weniger hatten die Polen damit gerechnet, dass die Familienväter, Studenten, Lehrlinge von Anfang an die Regeln des Kriegsvölkerrechts missachten und schwerste Verbrechen verüben würden.

Die ZDF-Dokumentation Polen 39. Wie deutsche Soldaten zu Mördern wurden, zeigt den Auftakt zum deutschen Vernichtungskrieg in Osteuropa, der nicht nur die jüdische Bevölkerung betraf, sondern auch Tausende Vertreter der katholischen Elite Polens, aus der persönlichen Sicht der Täter. Grundlage sind die Tagebücher von drei Soldaten: Zwei sind blutjung, einer ist einfacher Wehrpflichtiger, der andere fanatischer Unterführer in der Waffen-SS; der dritte ist ein Dorfschullehrer, der als Reserveoffizier eingezogen wurde.

Die beiden jungen Männer sind begeistert vom Nationalsozialismus, in ihren Aufzeichnungen wiederholen sie die Propagandaparolen von den "slawischen Untermenschen" und den "jüdischen Schädlingen". Der eine Generation ältere Lehrer ist pazifistisch eingestellt, doch hält er zunächst den Krieg gegen Polen für gerechtfertigt. Dann aber merkt er, dass es ein ungerechter Krieg ist, er schämt sich für die Kameraden, die sich hochmütig und grausam gegenüber der polnischen Bevölkerung verhalten, die morden, brandschatzen, plündern. Sein Name ist Wilm Hosenfeld, seine Geschichte wurde durch den Spielfilm Der Pianist von Roman Polański bekannt: Als Sportoffizier der Wehrmachtsverwaltung versteckte Hosenfeld Juden in den Katakomben des Warschauer Fußballstadions. Und er verpflegte den Pianisten Władysław Szpilman; dessen Memoiren waren Vorlage für Polańskis Film.

Unterdessen führte sich der Großteil der Wehrmachtssoldaten und SS-Männer wie die Herren über Leben und Tod im besetzten Polen auf. Offiziere verschlossen die Augen vor Verbrechen ihrer Untergebenen oder beteiligten sich. Belegt sind zahllose Erschießungen von Zivilisten, Dörfer wurden abgefackelt, weil sie angeblich Partisanen Schutz geboten hatten, ganze Straßenzüge Warschaus wurden in Schutt und Asche gebombt. Hier wurde das erste Kapitel des Bombenkriegs geschrieben, der später auf die Deutschen zurückfiel.

In der Doku von Alexander Hogh und Jean-Christoph Caron sind Tagebuchszenen durch Cartoons illustriert, das Stilmittel entfaltet seine Wirkung besonders, wenn die Zeichnungen in aktuelle Bilder der Schauplätze übergehen. Als Randfigur taucht Leni Riefenstahl auf. Sie hatte den Auftrag, ein Heldenepos im Stil ihrer Propagandafilme über den "Polenfeldzug" zu drehen. Als sie sah, wie in einer polnischen Kleinstadt mehrere deutsche Soldaten Zivilisten erschossen, zog sie sich davon zurück. Bei der Siegesparade in Warschau war sie wieder dabei.

Polen 39. Wie deutsche Soldaten zu Mördern wurden, Arte, Freitag, 20.15 Uhr.

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