Filmproduktion:Initiative für familienfreundlichere Produktionen

"Ich fand, dass da jetzt schon was passieren muss", sagt Berg, die von sich selbst sagt, dass sie nie eine Verfechterin der Frauenquote gewesen sei. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass Produktionsfirmen nun die Kosten für familienfreundliches Drehen kalkulieren können. Nach den erschütternden Ergebnissen der Studie gründete Berg 2017 einen "Runden Tisch der Produzentinnen". Sie versammelte namhafte und erfahrene Film- und Fernsehproduzentinnen Deutschlands, um gemeinsam zu überlegen, wie man die Branche zukunftsfähiger gestalten könnte.

Da sich in der Gleichstellungsinitiative "Pro Quote" zunächst vor allem Regisseurinnen zusammenschlossen, schnappte Berg sich die Strippenzieher im Hintergrund: "Ich wollte die Player, diejenigen, die alles zusammenhalten. Ich dachte, ich hole die Produzentinnen an einen Tisch, und wir reden darüber, was man machen kann", erzählt Christine Berg.

Seitdem treffen sich 25 bis 30 Frauen regelmäßig, und schnell waren sie sich einig, dass man bei den Drehbedingungen ansetzen müsse. Viele Firmen hätten inzwischen Kita-Plätze, nur in der Filmproduktion gebe es so etwas bisher nicht, sagt die ehemalige FFA-Vorsitzende. "Der Fachkräftemangel spielt uns in die Hände und muss dazu genutzt werden, Frauen in die Branche zu holen."

Damit die Frauen nach ihrem Abschluss weitermachen und an bestimmte Positionen kommen könnten, sei es nötig, die Produktion familienfreundlicher zu gestalten. Dabei sind den Mitgliedern des "Runden Tisches" alle Gewerke hinter der Kamera wichtig: "Es geht um die Kolleginnen am Set. Und auch um die Kollegen", heißt es bei einer Zusammenkunft in Berlin. Die engagierten Produzentinnen erstellten ein Kostenschema, das in den Gremien der Förderanstalt diskutiert, in einer Richtlinie festgeschrieben und vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien abgesegnet wurde.

Was hilft die beste Richtlinie, wenn sie niemand kennt?

"Das ist nicht nur ein Lippenbekenntnis", sagt Berg. Allerdings kennen noch längst nicht alle in der Branche die Richtlinienänderung, die Urheberinnen haben ihren Erfolg bislang nicht groß publik gemacht. Vielleicht, weil sie lieber erst überlegen, sich untereinander austauschen und die Umsetzbarkeit ihrer Ideen prüfen, bevor sie laut mit Ergebnissen prahlen. Ausruhen will sich der "Runde Tisch" noch nicht. "Als nächstes", sagt Berg, "müssen weitere Förderer überzeugt und ein Extra-Budget geschaffen werden, damit es einen Anreiz für Produzenten gibt, die Betreuungskosten zu kalkulieren."

Berg selbst hat nach vielen Jahren die Filmförderungsanstalt verlassen und leitet seit Anfang August den Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF Kino). Das Treffen mit den Kolleginnen wird sie fortführen. Berg sieht große Herausforderungen auf den gesamten Filmbereich zukommen. Zum Beispiel habe sich das Arbeitsverhalten der jüngeren Generation über alle Branchen hinweg geändert, eine Work-Life-Balance werde zunehmend wichtiger.

"Wenn wir weiterhin als Filmstandort Deutschland attraktiv bleiben wollen, müssen wir ganz schnell anfangen, die Produktion in irgendeiner Weise attraktiv zu halten", sagt Berg. "Da sehen wir plötzlich, dass das nicht nur ein Frauenthema ist."

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