The Protegé – Der Racheengel
Actionthriller, ZDF, Samstag, 23.35 Uhr
Eine radikale Femme fatale: Anna, deren Familie von Gangstern umgebracht wurde in Đà Nẵng. Sie wurde daraufhin zur Profikillerin erzogen und arbeitet in den höchsten Kreisen. Maggie Q ist Anna im Film von James-Bond-Regisseur Martin Campbell, Samuel L. Jackson ist ihr väterlicher Beschützer, Lehrer, Freund … Sascha Luss ist Anna Nr. 2 im Film „Anna“ von Luc Besson, 2019, sie ist Waise, Junkie, wird im KGB in Moskau ausgebildet – Helen Mirren ist ihre mütterliche Lehrerin – und als Profikillerin nach Paris geschickt. Wo sie es mit einem CIA-Mann zu tun kriegt, dem unergründlichen Cillian Murphy. Besson zelebriert einen überdrehten Todestanz als Vereinigung von Geist und Materie und beruft sich dabei auf Fjodor Dostojewski (Sat 1, Samstag, 22.25 Uhr).
Wir sind dann wohl die Angehörigen
Familientragödie, Das Erste, Nacht zu Montag, 0.05 Uhr
Vom Verlust der Geborgenheit erzählt Hans-Christian Schmid in seinem Film, 2022, nach dem gleichnamigen Buch von Johann Scheerer. Ein spektakulärer Kriminalfall in Hamburg von 1996, Scheerers Vater, Jan Philipp Reemtsma, Sozialforscher und Mäzen, wird entführt, man verlangt Millionen Mark Lösegeld. Es gibt eine Menge bürokratischer Ungelenkheiten und Pannen bei den Übergabeversuchen, die Aktivitäten der Polizei wirken bieder und amateurhaft. Johann, damals dreizehn, spielt leidenschaftlich gern in einer Jugend-Rockband, der Vater hätte lieber, dass er Vergils „Aeneis“ liest. Einmal sitzt Johann am Kanal, und von der Seite schiebt sich ein Containerschiff langsam ins Bild. Das Meer, ein Aufbruch … die Freiheit, die hier suggeriert wird, hat durch die Entführung einen bitteren Unterton bekommen.
No Turning Back
Psychodrama, 3sat, Sonntag, 23.15 Uhr
Noch ein Vater, der verschwindet … Ivan Locke ist nachts unterwegs nach London, eine Kollegin, mit der er vor sieben Monaten geschlafen hatte, steht kurz vor der Entbindung, er will ihr unbedingt beistehen. Daheim warten seine Frau und seine Söhne, am nächsten Morgen müsste er die Betonage eines riesigen Baukomplexes in Birmingham überwachen … Der Film von Steven Knight, 2013, spielt in Lockes Wagen, man erlebt nur Tom Hardy als Locke, seine absurde Entschlossenheit ist zerstörerisch, was seine Familie angeht, seinen Job. Tom Hardy als prolligen Marvel-Actionhelden gibt es in „Venom“, 2018, von Ruben Fleischer, als Journalist Eddie, der von einem Alien symbiotisch okkupiert wird und sich fortan mit diesem Monster im Leib herumschlagen muss (Pro Sieben, Nacht zu Sonntag, 1.30 Uhr).
Ein Fressen für die Geier
Western, Arte, Sonntag, 20.15 Uhr
Clint Eastwood beginnt, 1970, seinen Durchmarsch im amerikanischen Kino. Er ist noch einmal der unrasierte, rüde Drifter aus den Sergio-Leone-Western, aber noch ein bisschen fieser … was Shirley MacLaine zu spüren bekommt, die hier in Nonnentracht erscheint. Er erschießt zwar die drei Banditen, die sie zu vergewaltigen versuchen, weigert sich aber, sie zu beerdigen. MacLaine muss ran … „Da bringst du jemanden um ein schönes Festmahl“, meint er lakonisch mit einem Blick auf die Geier am Himmel. Den alten Eastwood gibt es, immer noch ziemlich grantig, in „Gran Torino“, 2008, von ihm selbst inszeniert. Das ist ein kleines Lehrstück über Rassismus und die Liebe zu amerikanischen Autos (RTL 2, Samstag, 20.15 Uhr).

