Spielfilmtipps zum WochenendeLiebe bedeutet Verantwortung

Lesezeit: 2 Min.

Überbordende Lebensfreude, Wut, Verzweiflung: Penélope Cruz auf emotionaler Achterbahnfahrt in „L'immensità“.
Überbordende Lebensfreude, Wut, Verzweiflung: Penélope Cruz auf emotionaler Achterbahnfahrt in „L'immensità“.
Angelo Turetta

„L’immensità – Meine fantastische Mutter“, „Million Dollar Baby“, „Bon Voyage“, „The Grey – Unter Wölfen“ und „Unknown Identity“: die sehenswerten Filme im TV-Programm des Wochenendes.

Von Stefan Fischer

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L’immensità – Meine fantastische Mutter

Drama, 3sat, Samstag, 23.30 Uhr

Die Siebziger, auch in Italien ein Jahrzehnt des Aufbruchs. Die Borghettis sind zwar keine Borgheses, aber sozial doch gut gestellt, sie beziehen eine neue, große Wohnung in Rom. Es geht voran, es geht hinauf. Was sich allerdings auch prächtig entwickelt in dieser Familie – Vater, Mutter, drei Kinder –, sind die Spannungen. Die Kleinste isst kaum noch, so sehr belastet sie die Situation, der Mittlere reagiert auf alles mit Grobheiten, und die Größte entdeckt ihre männliche Seite. Am heftigsten schürt diese Verwerfungen der herrische Vater, ein notorischer Fremdgänger, der seine Frau wie ein Eigentum behandelt. Und diese Frau, in dem aufgekratzten italienischen Film von Emanuele Crialese über gesellschaftliche und private Umbrüche, wird gespielt von Penélope Cruz. Jedes Gefühl also: extragroß.

Million Dollar Baby

Drama, ZDF Neo, Samstag, 20.15 Uhr

Wenn sie diesen Traum nicht mehr habe, sagt Maggie, dass aus ihr eine gute Boxerin werde, dann habe sie gar nichts mehr im Leben. Sie kann diesen Traum tatsächlich eine Weile lang leben, bis er ihr eines Tages genommen wird, unangekündigt, brutal, lebenserstickend. Maggie macht in der Zeit davor jedoch die Erfahrung, dass es in ihrem Leben doch noch etwas anderes sehr Wertvolles gibt: die Fürsorge, Treue und väterliche Liebe ihres Trainers, ein Mann, der ebenfalls nichts mehr hat im Leben. Die eigene Tochter will nichts mehr von ihm wissen, der beste Freund hat seine Gesundheit im Ring gelassen und sein Gott … ach, Gott. Die Beziehung zwischen ihr, der so viel Jüngeren, und ihm – Hilary Swank und Clint Eastwood spielen die beiden – ist keine begehrende. Es ist eine Wahlverwandtschaft, und der herausragende Film einer über die Verantwortung, die man damit übernimmt.

Bon Voyage

Thriller, Arte, Sonntag, 20.15 Uhr

Der Titel dieses Films aus dem Jahr 2003 von Jean-Paul Rappeneau, für den der Regisseur das Drehbuch gemeinsam mit dem späteren Literaturnobelpreisträger Patrick Modiano geschrieben hat, ist natürlich zynisch. Denn die Reise des jungen Schriftstellers Frédéric Auger (Grégori Derangère) im Jahr 1940 ist eine Flucht vor der Polizei, die ihn für einen Mörder hält. Also alles andere als eine bon voyage. Eine glückliche Reise kann man dem jungen Mann trotzdem nur wünschen, denn bald ist er auch nicht mehr vor den Nazis sicher, die Frankreich inzwischen teilweise besetzt halten. In die Bredouille gebracht hat ihn eine Frau, die Schauspielerin Viviane Denvers, gespielt von Isabelle Adjani. Er liebt sie, und so steht er ihr bei in einer äußerst brenzligen Angelegenheit. Rappeneau gelingt es, dieser dramatischen Geschichte auch komödiantische Momente abzugewinnen.

The Grey – Unter Wölfen

Drama, Tele 5, Samstag, 22.20 Uhr

Männer, die auf einer Ölbohrstation arbeiten, darf man sich getrost als resilient, zupackend und wenig zimperlich vorstellen. Das Leben auf der Ölbohrstation ist allerdings ein Kindergeburtstag verglichen damit, als kleiner Trupp auf sich allein gestellt in der Einsamkeit Alaskas klarkommen zu müssen. John Ottway führt diese Truppe an, die wenigen Überlebenden eines Flugzeugabsturzes, Arbeiter, die nach Hause wollten. Wollen sie immer noch, aber keiner kennt den Weg. Was Ottway kennt, ist der Tod. Er hat ihm seine schwer kranke Frau genommen – und Ottway fürchtete sich mehr vor ihm als sie. Liam Neeson spielt diesen Kerl, der am Ende ist und doch ein Anführer, der gar nicht weiß, ob er überhaupt noch leben will. Ebenfalls auf sich gestellt, aber inmitten von Berlin, ist Liam Neeson im Actionthriller „Unknown Identity“, ebenfalls von 2011 (RTL 2, Sonntag, 20.15 Uhr).

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