Film-Crowdfunding Produktion anarchisch, Vertrieb klassisch

In der Filmindustrie wird Crowdfunding erst entdeckt. Moyas "porneographisches" Hotel Desire kostet 170 000 Euro, das ist für Schwarmfinanzierungsverhältnisse eine viel zu hohe Summe.Einer der drei Produzenten, der 39-jährige Sascha Schwingel von der Ufa-Firma Teamworx (die wiederum ein Bertelsmann-Unternehmen ist), schlug Crowdfunding trotzdem vor. Im Februar hatte er auf konventionelle Weise das zweiteilige Drama Hindenburg ins RTL-Programm gebracht. Er sagt: "Ich hatte Lust, Hotel Desire zu machen. Aufgrund der Länge und des Formats war klar, dass das kein normal zu finanzierender Film wird." Mit Crowdfunding hatte er vorher nichts zu tun.

Ein wenig anarchisch und avandgardistisch

Mehr als 143 000 Euro sind bereits auf hotel-desire.com eingegangen. Es gibt Spender mit Beträgen ab fünf Euro, und es gibt Investoren, was eine Mindesteinlage von 10 000 Euro voraussetzt. Spender erhalten eine signierte DVD oder ein signiertes Drehbuch oder einen Credit im Abspann (250 Euro). Investoren wird Productplacement, der Erwerb von Lizenzen oder eine klassische Gewinnbeteiligung geboten.

Von Ende August an soll gefilmt werden. Die Besetzung ist kassentauglich, sie ist erstklassig. Clemens Schick, Herbert Knaup, Frederick Lau und Anna Maria Mühe haben zugesagt. Für sie ist Hotel Desire vermutlich wie ein Studentenfilm, also ein Low-Budget-Engagement, bei dem Inhalt über Gage steht. Darsteller wie Schick oder Knaup wissen, dass sie an etwas teilnehmen, das ein wenig anarchisch oder avantgardistisch ist. So etwas macht sich immer gut - und vermutlich macht es auch noch Spaß.

Die DVD- und Blu-Ray-Rechte sind bereits verkauft. An diesem Dienstag wurde bekannt, dass Videoload, die Online-Videothek der Deutschen Telekom, Hotel Desire zeigen wird. Mit Fernsehveranstaltern ist Produzent Schwingel in Verhandlung, auch über den Verkauf der Auslandsrechte wird gesprochen.

In der Regel wird Crowdfunding als Teil- oder Gap-Finanzierung eingesetzt, so wie von Daniel Boehme und Nana Yuriko. Boehme benötigt 22 000 Euro für sein soziales Kunstprojekt 7 Stufen - Vom Straßenfeger zum Lebenskünstler, das Obdachlosen ermöglicht, einen Film zu produzieren. Der Film soll im Straßenverkauf vertrieben werden. Zusätzlich ist eine Dokumentation geplant.

Dafür braucht auch Boehme "die klassische Auswertung: Kino, Fernsehen et cetera". Neben Spenden rechnet er mit Einnahmen aus dem DVD-Handel seines als "besonders wertvoll" eingestuften Kurzfilms 13 Stufen - Tagebuch einer modernen Beziehung. Den bezahlte er aus Eigenmitteln. Die Herstellung einer DVD aber ermöglichte ihm das Crowdfunding.

Nana Yuriko wollte mit ihrem Team von 25 Films 25 000 Euro sammeln, zugeflossen sind ihr mehr, 26 964 Euro. Doch "einen Kinofilm kriegt man damit nicht" zustande, sagt sie. Jetzt bemühe sie sich "um zusätzliches Geld - auf dem klassischen Weg".

25 Films hat die Berliner Bar 25 jahrelang dokumentarisch begleitet, bis sie 2010 geschlossen wurde - und dreht auch jetzt noch weiter. Aus dem Material soll ein halb fiktionaler, halb dokumentarischer Beitrag entstehen.

Vor Kurzem beantragte Yuriko Filmförderung beim Medienboard Berlin-Brandenburg. Förderung ist auch bei Crowdfunding-Projekten möglich, wie das Medienboard und die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen bestätigen. Es gelten die üblichen Auswahlkriterien. Die besten Chancen haben - ganz gleich von welcher Finanzierungsart - Projekte, die kommerziellen oder künstlerischen Erfolg versprechen - im Idealfall beides. Zwar schränke die Filmförderung die künstlerische Freiheit "in gewisser Weise ein", findet Yuriko, da die Förderung an Auflagen gebunden ist. So muss beispielsweise ein bestimmter Teil der Fördergelder in den Regionen der jeweiligen Filmstiftungen ausgegeben werden.