Film-Crowdfunding Experiment geglückt

Sie spenden, wir drehen: Erstmals wird in Deutschland ein Film mit im Internet gesammelten Geld finanziert. Der 23-jährige Regisseur erfindet dabei auch gleich noch ein neues Genre: Porneografie.

Der Film "Hotel Desire" kann gedreht werden. Die erforderliche Produktionssumme von 170.000 Euro konnte vier Tage vor Ablauf der Frist durch Spenden über das Internet zusammengetragen werden, teilten die Produktionsfirmen Von Fiessbach Film und teamWorx in Berlin mit.

Clemens Schick und Saralisa Volm in "Hotel Desire"- dem ersten deutschen Film, der über private Spender finanziert wird. Das Hotel wird übrigens "Mira Mare" heißen.

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Damit wird zum ersten Mal in Deutschland ein Film über "Crowdfunding" finanziert ("Schwarmfinanzierung") - ein Experiment, dessen Ausgang durchaus unsicher war (SZ berichtete). International gibt es dieses Modell schon seit längerem. So konnten über private Unterstützer größere Produktionen finanziert werden, wie zum Beispiel der britische Klima-Dokumentarfilm "The Age of Stupid" oder der australische Horrorfilm "The Tunnel".

"Hotel Desire" soll ein 45-minütiger "porneografischer" Spielfilm werden, mit Stars wie Clemens Schick und Saralisa Volm in den Hauptrollen. Porneografie? Ein Film, der sich vom Porno "inspirieren" lässt, ohne selbst ein Porno zu sein, so steht es in der Presseerklärung. Anna Maria Mühe, die auch für den Film eingeplant war, hat inzwischen "aus Zeitmangel" abgesagt.

Autor und Regisseur des Films wird der 23-jährige Sergej Moja sein, dessen Kurzfilm "Hollywood Drama" 2010 in der Berlinale-Reihe "Perspektive deutsches Kino" lief . Als Nachwuchsschauspieler hatte Moya 2009 den Max-Ophüls-Preis gewonnen.

Der Film kombiniert Spenden mit Investitionen

Ein reiner Independent-Film wird "Hotel Desire" allerdings nicht. Die Deutsche Telekom zeigt den Film zuerst exklusiv für sechs Monate auf ihrem Videoportal. Als "Investor" kann man auf der Webseite des Films die eigenen Produkte im Film platzieren, Lizenzen oder sogar eine Gewinnbeteiligung erwerben.

Sechs Investoren haben sich, laut Produktionsfirma, mit mehr als 10.000 Euro an dem Projekt beteiligt. Mehr als 1000 Unterstützer beiteiligten sich mit kleineren Beträgen. Der Film kombiniert sozusagen Crowdfunding mit Crowdinvestment.

Mit dem Erreichen der angestrebten Produktionssumme ist nun auch das komplette Drehbuch online einsehbar. Sprichwörtlicher Höhepunkt des Films wird demnach eine "10- bis 15-minütige Sexszene" im Hotel "Mira Mare" sein, in deren Anschluss geraucht wird - mal sehen, ob ein Tabakhersteller seine Marke platzieren konnte.

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