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Film:Constantin Film will auf mehr Fernsehserien setzen

Terror - Ihr Urteil

Den Fernsehfilm "Terror" mit Florian David Fitz (Mitte) haben fast sieben Millionen Zuschauer gesehen, produziert wurde er von Constantin Film.

(Foto: ARD Degeto/Moovie GmbH/Julia Ter)

Nun rückt mit Oliver Berben ein erfahrener Produzent in den Vorstand auf. Er soll sich des Zukunftsprojekts annehmen.

Oliver Berben ist ein Mann, der alle Kanäle bedient, ein Produzent mit Sendungsbewusstsein, der das deutsche Kino und das Fernsehen gleichermaßen mit Geschichten füttert. Die Krimireihe Rosa Roth - mit seiner Mutter Iris Berben in der Hauptrolle - lief 31 Folgen lang im ZDF, nicht minder publikumsträchtig waren die Dreiteiler Krupp - Eine Deutsche Familie und Das Adlon. Eine Familiensaga. Zuletzt liefen Terror - Ihr Urteil und der Romanverfilmung Schweigeminute nach Siegfried Lenz, zwei viel beachtete Berben-Produktionen. Kino macht er bekanntlich auch noch, an Filmen wie Elementarteilchen, Die Päpstin oder Frau Müller muss weg! war er als Produzent beteiligt. Ein ansehnliches Portfolio.

Nun wartet eine neue Aufgabe auf Berben, der einst Luft- und Raumfahrttechnik in Berlin studierte, aber dann im Filmgeschäft seine Berufung fand. Der 45-Jährige rückt zum Jahreswechsel in den Vorstand von Constantin Film auf, für ihn wird ein neues Ressort geschaffen. Er soll sich künftig um die Bereiche Fernsehen, digitale Medien und Entertainment kümmern. Schon bisher war er dem Münchner Unternehmen eng verbunden, mit seiner Firma Moovie, die schon lange zur Constantin gehört, und seit 2009 als Geschäftsführer. "Ich komme aus der Produktion, deshalb freue ich mich, jetzt auch an strategischer Stelle mitentscheiden zu können", sagt Berben der Süddeutschen Zeitung. Für ihn sei es die Erfüllung eines Traums. Für Vorstandschef Martin Moszkowicz ist Berbens Aufstieg ein logischer Schritt: "Seine Berufung in den Vorstand ist bereits seit Längerem geplant."

Dass der gebürtige Münchner Berben ausgerechnet jetzt in den Vorstand aufrückt, ist aber sicher kein Zufall; die Entscheidung kann man vielleicht auch als Kampfansage werten. Denn um die Zukunft von Constantin Film wird hart gerungen. Die Filmfirma gehört über die Schweizer Highlight Communications zur Holding Constantin Medien AG. Aufsichtsratschef Dieter Hahn und Vorstandsvorsitzender Fred Kogel wollen Constantin Film verkaufen und sich künftig auf die Bereiche Sport und Eventmarketing konzentrieren. Widersacher Bernhard Burgener, Vorgänger von Kogel, will das verhindern. Beide Parteien halten knapp 30 Prozent an Constantin Medien und blockieren sich gegenseitig. Zuletzt endete eine Hauptversammlung im Eklat, nachdem das Burgener-Lager von der Abstimmung ausgeschlossen wurde. Es wird mit allen, auch juristischen Tricks gekämpft. Kogel und Hahn argumentieren, das Sportgeschäft sei zukunftsträchtiger, der Bereich Film sei schwankungsanfällig und risikoreich. Mit dem Verkaufserlös - im Gespräch sind etwa 200 Millionen Euro - könnten Schulden abgelöst und investiert werden. Burgener wiederum will, dass das gesamte Unternehmen in mehreren Bereichen tätig ist. Zuletzt lief das Filmgeschäft nicht besonders gut. Ausgerechnet im abgelaufenen dritten Quartal war der Umsatz rückläufig, während es im Sportbereich besser lief.

Aus dem Kinofilm "Das Parfum" wird eine Fortsetzungs-Geschichte

Der Ausgang des Streits ist offen. Angeblich gibt es bereits Interessenten, auch aus den USA oder China. Die Berben-Personalie soll nun offenbar auch dokumentieren, dass sich Constantin Film für die tief greifenden Veränderungen im Medienmarkt wappnet. "In ein paar Jahren wird Constantin Film ohnehin eine andere Firma sein, so oder so", sagt Moszkowicz, der sich künftig noch mehr auf das Kinogeschäft konzentrieren möchte. Im kommenden Jahr werde das Unternehmen im Fernsehgeschäft, auf den digitalen Kanälen und in der Unterhaltung wachsen. Hierzulande gebe es da durchaus noch Chancen: Nach Ländern wie Großbritannien, China oder Indien liegt Deutschland laut einer Wachstumsprognose des US-Handelsministeriums für den Unterhaltungs- und Medienmarkt auf Rang sieben. "Wir haben aber auch den internationalen Markt im Blick", betont Berben. Die Fantasy-Serie Shadowhunters (in Deutschland bei Netflix zu sehen, basierend auf der Buchreihe "Chroniken der Unterwelt") werde beispielsweise mit einer zweiten Staffel à 20 Folgen fortgesetzt, mit einem Produktionsvolumen von etwa 60 Millionen Euro.

Er ist wieder da - Premiere - Berlin

Arbeiten eng zusammen: Martin Moszkowicz (re.) und Oliver Berben.

(Foto: babiradpicture)

Im Juli 2017 beginnen außerdem die Dreharbeiten für die Serie Das Parfum - schon der Kinofilm war, damals unter der Ägide der Constantin-Legende Bernd Eichinger, ein weltweiter Erfolg. Nun wird sich zeigen, ob die Münchner Produzenten noch einmal das richtige Gespür haben. Und noch ein großes Eichinger-Projekt, die Resident Evil-Reihe, trägt bis heute Früchte: Ende Januar startet der sechste und finale Teil weltweit in den Kinos, wieder mit Milla Jovovich als Weltretterin, die der Constantin bisher Umsätze von einer Milliarde Dollar beschert hat - auch dieser Stoff soll nun in einer eigenen Fernsehserie verarbeitet werden.

Kreatives Recycling nennt man das wohl. Das Adaptieren bekannter Marken hat Methode und funktioniert auch andersrum: Aus dem Serienklassiker Timm Thaler haben die Münchner jetzt einen Kinofilm gemacht. Doch das alleine wird nicht reichen. Eine Traditionsmarke wie Constantin Film braucht jedes Jahr neue Blockbuster, neue Stoffe für die große Leinwand und zunehmend auch für das kleine Handy-Display. Das Kinojahr 2016 lief für den Marktführer enttäuschend, die Erfolgskomödie Willkommen bei den Hartmanns kommt von der Konkurrenz. 2015 stand Constantin Film mit dem zweiten Teil von Fack ju Göhte (mehr als sieben Millionen Zuschauer) noch glänzend da. Ob es einen dritten Teil von Fack ju Göhte geben wird, wollen Moszkowicz und Berben noch nicht verraten. Regisseur und Drehbuchautor Bora Dağtekin hat bei Constantin Film einen Rahmenvertrag für weitere zwei bis drei Spielfilme, genauso wie Publikumsliebling Elyas M'Barek. "Bora ist ein Ausnahmetalent", sagt Berben. Da schwingt wohl die Hoffnung mit, den Filmemacher, geschätzt auch von Netflix-Chef Ted Sarandos, halten zu können.

Es sind unruhige Zeiten beim Unternehmen mit Sitz in Schwabing, aber das ist nicht unbedingt neu für die Münchner, die schon einige Male den Besitzer gewechselt haben. In Berben haben sie jetzt jemanden auf der Kommandobrücke, der sich mit dramatischen Szenen auskennt. Wenn es gar zu hart kommt beim finalen Showdown mit Dieter Hahn und Fred Kogel, wird er sich vielleicht noch mal an das Psychodrama von Roman Polanski erinnern, das er gemeinsam mit Moszkowicz vor fünf Jahren ins Kino gebracht hat: Der Gott des Gemetzels.

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