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Hollywood-Parodie:Gemeinheiten unter Pelzmänteln

In "Feud" spielen Susan Sarandon (links) und Jessica Lange zwei Schauspielerinnen, die sich nicht ausstehen können, die einen Film drehen über zwei Schauspielerinnen, die sich nicht ausstehen können.

(Foto: TV Now)

Die Serie "Feud" inszeniert die Rivalität der Hollywood-Ikonen Joan Crawford und Bette Davis mit viel Lust zum perfekt arrangierten Retro-Pathos.

Ein bisschen schwindelig wird einem schon, wenn man von dieser Serie erzählen soll. In Feud spielen die Schauspielerinnen Susan Sarandon und Jessica Lange zwei Schauspielerinnen, die sich nicht ausstehen können, und die einen Film drehen über zwei Schauspielerinnen, die sich nicht ausstehen können. Alles klar?

Vorsichtshalber noch einmal von vorne: Anfang der Sechziger liegen die Karrieren der Hollywood-Ikonen Joan Crawford und Bette Davis brach. Als Frauen über fünfzig sind sie längst abgelöst von faltenfreieren Kolleginnen. In ihrer Verzweiflung entscheiden sie sich zur Kooperation. "Zusammen werden sie es nicht wagen, uns abzulehnen", prophezeit Lange als Crawford in der Serie und behält recht. Unter der Regie von Robert Aldrich übernehmen die beiden die Hauptrollen in der Romanverfilmung zu Was geschah wirklich mit Baby Jane?, einem Psychothriller über zwei Schauspielerinnen-Schwestern, gefangen in einem grausamen Abhängigkeitsverhältnis. Das Projekt ist für Aldrich und den Produzenten Jack L. Warner nicht zuletzt deshalb ein Coup, weil Crawford und Davis seit Jahrzehnten als Rivalinnen gelten.

Feud gibt nun also vor, in die Kulisse dieser Dreharbeiten zu blicken. Inszeniert ist das Ganze mit viel Lust zum perfekt arrangierten Retro-Pathos. Davis raucht Kette, Crawford hängt am Flachmann, es gibt üppige Pelzmäntel, riesige Sonnenbrillen und dramatisch lange Nahaufnahmen von den Gesichtern der Frauen. Als kleinen Twist hat Serienmacher Ryan Murphy fiktive Augenzeugenberichte von anderen Stars eingebaut. Die ewige Selbstbespiegelungsmaschinerie Hollywoods dreht sich hier also lustig im Kreis.

Mitunter droht Feud in diesen nostalgischen Oberflächlichkeiten abzusaufen, doch dann gibt es immer wieder Szenen, die zeigen, wie ernst es die Serie mit ihrem Thema meint. Die bis heute gängige Idee, dass ambitionierte Frauen sich nicht solidarisieren würden, wird hier gleichzeitig bestätigt und unterwandert. Sicher, Crawford und Davis buhlen um Aufmerksamkeit, sie streuen Gerüchte und verletzen einander. Aber die Serie zeigt auch, dass die patriarchalen Verhältnisse im Allgemeinen und die sexistischen Studioverantwortlichen im Speziellen ihnen gar keine andere Wahl lassen. "Würden Sie sie ficken?", fragt Warner den Regisseur Aldrich, und weil die Antwort Nein lautet, ist für ihn klar, dass die Frauen ausgedient haben.

Trotz aller Lächerlichkeit überwiegt die Tragik, auch im Vergleich mit der heutigen Realität

Um den Mangel an Fickbarkeit auszugleichen, lässt Warner, so die Darstellung der Serie, sie gegeneinander aufhetzen - und nutzt die Schlagzeilen darüber dann als PR für den Film. Die Gemeinheiten und Kränkungen, die sich so entspinnen, haben etwas Lächerliches, doch die Tragik überwiegt. Und natürlich schwingt immer ein doppelter Voyeurismus mit.

Schließlich lässt sich kaum leugnen, dass Lange und Sarandon als ältere Schauspielerinnen noch immer ähnlich gelagerte Probleme haben wie Crawford und Davis 60 Jahre zuvor. Frauen in Hollywood hätten die Wahl zwischen drei Rollen, sagt Lange einmal als Crawford: "Naive Mädchen, Mütter und Furien." In ihren besseren Momenten zeigt die Serie Feud, dass es doch ein paar Facetten mehr gibt.

Feud, bei TV Now.

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