Soziale MedienDer Gipfel der Bedeutsamkeit

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Schauspielerin Veronica Ferres und Investor Carsten Maschmeyer bespielen auf Instagram ihr jeweils eigenes Publikum, aber mit Videos in einer prägnanten und ähnlichen Machart.
Schauspielerin Veronica Ferres und Investor Carsten Maschmeyer bespielen auf Instagram ihr jeweils eigenes Publikum, aber mit Videos in einer prägnanten und ähnlichen Machart.
Screenshot: Instagram

Veronica Ferres und Carsten Maschmeyer haben sich getrennt, doch in den sozialen Medien bilden sie nach wie vor eine unvergleichliche Content-Einheit und verbreiten Lebensweisheiten. Bleibt die Frage: Warum?

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„Es gibt nicht viel auf dieser Welt, woran man sich halten kann – manche sagen: die Liebe, vielleicht ist da was dran“, dichteten Campino und Funny van Dannen einst. Und manchmal wird „aus unserer Liebe eine tiefe, vertrauensvolle Freundschaft“, wie die Schauspielerin Veronica Ferres und der Investor Carsten Maschmeyer jüngst in einem gemeinsamen Statement verbreiteten, um der Öffentlichkeit ihre Trennung zu erklären.

Das Ende einer Ehe ist nichts Ungewöhnliches, zumal unter umtriebigen Prominenten. Die Nachricht kann einen dennoch in Unruhe versetzen, denn dieses deutsche Power-Couple war in den letzten Jahren für Content verantwortlich, an den man sich halten konnte, wann immer das Leben einen kräftig durchschüttelte. Veronica Ferres und Carsten Maschmeyer produzierten für Instagram und andere soziale Netzwerke regelmäßig kurze Videos, in denen sie Lebensweisheiten verbreiteten. „Elevator Pitches“ für „Life Improvement“, wie man das in der „Höhle der Löwen“ nennen würde. Die Gute Nachricht ist, dass es weiterzugehen scheint. Aktuell produzieren Maschmeyer und Ferres nämlich munter weiter. Ganz, als hätte es keine Trennungsnachricht gegeben.

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In den Videos sieht man die beiden, hier schon immer getrennt voneinander, aber im selben markanten Stil gefilmt, stets in einer wunderschönen Umgebung. In ihrem wunderschönen Garten etwa, im geschmackvoll eingerichteten Wohnzimmer, an einem malerischen Alpensee oder sehr urban in Manhattan, New York City. Und dann beginnen sie, mitten im exquisiten Ambiente, zu erzählen. „Ich bin der Überzeugung, dass alles Negative zurückkommt, aber noch überzeugter bin ich, dass alles, was ich Gutes tue, irgendwo den Weg wieder zu mir findet“, sagt Ferres. „Menschen versuchen, dich in eine Schublade zu stecken – lass sie das tun, denn was andere über dich denken, sagt mehr über sie aus als über dich“, versichert Maschmeyer. „Wer ständig über andere redet, der bleibt oft stehen, dreht sich im Kreis um sich selbst – Wachstum entsteht durch Austausch und nicht durch Gerede über Dritte“, weiß Ferres. „Nicht nur reden, sondern verstehen wollen, auch mal genauer nachfragen, zuhören, offen sein“, legt uns Maschmeyer nahe.

Im Internet vermutet man hinter allem eine Betrugsmasche, ein verstecktes Abomodell. Nicht so bei Maschmeyer und Ferres

Musikalisch unterlegt sind diese Kurzpredigten meist mit atmosphärischen Klavierstücken, die es vermögen, die Bedeutsamkeit des Gesprochenen auf den Gipfel zu treiben. Auffallend ist, dass das ehemalige Paar so gut wie nie gemeinsam auftritt. Jeder bespielt sein eigenes Publikum, aber mit Videos ähnlicher Machart. Maschmeyer und Ferres sprechen – in Zeiten von Tiktok ungewöhnlich ruhig und besonnen – an der Kamera vorbei, als säße dort ein Interviewer. Allerdings richtet sich ihr Blick noch ein Stückchen weiter zur Seite, als man es von TV-Produktionen kennt. Eine Theorie zu diesem Kamerakniff wäre, dass Menschen, die Lebensratschläge benötigen, auf die ein oder andere Art feststecken. Das demonstrative An-der-Kamera-Vorbeisprechen von Ferres und Maschmeyer löst bei uns Betrachtern den inneren Impuls aus, sich in Bewegung zu setzen, um ins Blickfeld der Mentoren und „Business Angels“ zu gelangen.

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Doch es gibt in den unzähligen Videos auch formale Variation und Erfrischung, etwa wenn man Maschmeyer Esel füttern oder an Blüten schnuppern sieht und das Learning per Voiceover aufgesagt bekommt. Von Veronica Ferres existiert ein Video, in dem man sie schweigend zu Klaviermusik im Terrassentürrahmen schaukeln sieht, Caption: „Verliere niemals dein inneres Kind.“ Es braucht nicht immer viele Worte, um zu sagen, worauf es im Leben ankommt.

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Natürlich drängt sich die Frage auf, was die beiden davon haben, ihre Lebenserfahrung unter uns Bedürftigen zu verteilen. Im Internet vermutet man hinter allem eine Betrugsmasche, einen Scam, ein verstecktes Abomodell. Nicht so bei Maschmeyer und Ferres. Es gibt keinen Bonus-Content für Abonnenten, keine „Life Advice“-Retreats in Südfrankreich für 15 000 Euro pro Teilnehmer. Warum auch? Veronica Ferres hat als etablierte Schauspielerin gewiss keine Schwierigkeiten, Rollen zu bekommen, Carsten Maschmeyer verfügt als Milliardär über Geld, das sich von allein vermehrt. Man darf den beiden also altruistische Motive unterstellen. Sie wollen der Gesellschaft vielleicht etwas zurückgeben. Die schönsten Geschenke kosten nichts, sondern kommen von Herzen und sind selbstgebastelt wie diese Videos.

Wer beim Lesen dieses Textes bisher den Eindruck hat, dass es in den Reels seicht zugeht, täuscht sich. Ferres und Maschmeyer scheuen die schweren Themen des Lebens nicht. „Denk an eine Traube im Obstkorb. Wenn eine Traube verschimmelt ist und du sie einfach liegen lässt, dann breitet sich der Schimmel aus. Irgendwann sind sie alle befallen, obwohl am Anfang nur eine verdorben war. Genauso ist es mit Menschen“, spricht Maschmeyer an einem herbstlichen Seeufer stehend die unbequeme Wahrheit aus und warnt: „Du wirst zu dem, mit dem du dich umgibst.“

Und auch seine ehemalige Partnerin kennt die Schattenseiten des Zwischenmenschlichen. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Freunde, die alles sehen: jedes Bild, jedes Video, jeden Erfolg, also die das alles mitbekommen und du weißt davon, aber die nie etwas sagen, liken oder kommentieren – das sind oft die ganz stillen Neider“, trifft Ferres ins Schwarze, ins Abgründige. Wer sich da nicht erwischt fühlt und bei Freunden und Kolleginnen einmal alles durchliket, spürt gar nichts mehr.

Was Veronica Ferres und Carsten Maschmeyer seit Jahren an inspirierenden Inhalten erschaffen, ist beispiellos und ein kostbarer Schatz, der allen Leserinnen und Lesern dringend ans Herz gelegt sei. Dieser Artikel bildet nur einen Bruchteil eines expandierenden Content-Universums ab.

Navigieren Sie rasch auf die Profile der beiden und saugen Sie alles auf. Denn, wie es so ist nach Trennungen: Manchmal will man von dem, was man gemeinsam geschaffen hat, nichts mehr wissen, wenn eine Beziehung vorbei ist. Mich treibt in diesen Tagen die Befürchtung um, dass die Videos des Ex-Paares eines Tages aus dem Internet verschwinden. Ein paar wenige sind schon nicht mehr auffindbar. Vielleicht sollte man im Deutschen Literaturarchiv Marbach oder zumindest im Büro des Kulturstaatsministers darüber nachdenken, die Kataloge Maschmeyer und Ferres für die Nachwelt zu archivieren. Ich stehe als Sachverständiger zur Verfügung.

Moritz Hürtgen, 1989 geboren, war Chefredakteur des Satiremagazins „Titanic“ und ist heute Podcaster und freier Autor.

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