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TV-Rechte für Fußballübertragungen:Am Tropf der Sender

Fußball TV-Rechte Sky Corona

Am 29. April 2000 schloss die DFL den ersten Fernsehdeal mit Leo Kirch - der zeigte die Spiele bei Premiere.

(Foto: Norbert Försterling/picture-alliance/dpa)

Vor 20 Jahren schloss die DFL den ersten Fernsehdeal mit Leo Kirch. Heute ist der Fußball von den Fernsehmilliarden abhängig wie nie. Das ist gefährlich, für alle Seiten.

Von Caspar Busse

Genau zwanzig Jahre ist es her, dass sich der deutsche Fußball in die totale Abhängigkeit des Fernsehens begeben hat. Am 29. April 2000 schloss die Deutsche Fußball Liga (DFL) ihren ersten großen TV-Deal: Der Münchner Medienunternehmer Leo Kirch kaufte damals die Fernsehrechte, zahlte 750 Millionen D-Mark pro Saison - seinerzeit eine überraschend hohe Summe - und zeigte erstmals alle Spiele im Pay-TV bei Premiere. Heute heißt der Sender Sky, gehört zum US-Medienkonzern Comcast und ist immer noch der größte Geldgeber der Liga. Sky zahlt etwa eine Milliarde Euro pro Spielzeit.

Die 36 Bundesligavereine der ersten und zweiten Liga hängen also am Tropf der Geldgeber aus der Medienbranche. Wie gefährlich das sein kann, zeigt sich jetzt in der Corona-Pandemie in aller Deutlichkeit. Bundesligaspiele sind derzeit nicht möglich. Wenn die Bundesliga aber keine Ware - also Fußballspiele - liefert, dann müssen die Sender auch nicht zahlen. Viele Fußballvereine geraten ohne die üppigen Fernsehgelder aber in arge wirtschaftliche Probleme, stehen teilweise sogar vor dem Aus. "Wenn wir die nächsten Monate nicht mehr spielen, dann säuft die ganze Bundesliga ab", sagt Hans-Joachim Watzke, der Geschäftsführer von Borussia Dortmund.

Die größte Not ist zwar gelindert, weil Sky und fast alle anderen Sender vorerst weiter zahlen wollen. Dafür muss die Bundesliga aber bald weitergehen. Vielleicht wird es von Mitte Mai an Geisterspiele ohne Zuschauer geben, die dann übertragen werden, aber sicher ist das nicht. Ohnehin gibt es jetzt schon Probleme. Sky als größter Geldgeber sowie die Öffentlich-Rechtlichen und kleinere Sender wie Sport 1 haben zwar zugesagt, die nächste Rate zu überweisen. Eurosport jedoch will laut Insidern nicht zahlen, es geht angeblich um eine Rate von etwa 25 Millionen Euro. Der Sender, der zum US-Konzern Discovery gehört, hatte die Pay-Rechte an den Freitags- und Sonntagsspielen für insgesamt etwa 80 Millionen Euro im Jahr erworben, diese wurden dann aber an den Streamingdienst Dazn weitergegeben, der seitdem die Partien überträgt.

Unklar ist, wie es jetzt weitergeht. Im Extremfall könnten keine Spiele an Freitagen und Sonntagen mehr zu sehen sein. Die DFL rechnet offenbar damit, dass Eurosport versucht, den Vertrag demnächst außerordentlich zu kündigen, weil die versprochene Ware, also die Spiele, nicht geliefert werden. Sollte das rechtswirksam sein, müssten die TV-Rechte eigentlich neu ausgeschrieben oder anders vergeben werden, damit die Bildschirme nicht leer bleiben. Nach Maßgabe des Bundeskartellamts dürfen nicht alle Bezahlrechte in einer Hand sein, damit wäre Sky als Bieter aus dem Rennen. Als Interessenten gäbe es dann noch Dazn oder Anbieter wie Amazon Prime.

Die Abonnenten laufen weg, neue Kunden kommen nicht hinzu

Drängender noch ist die Frage, wie es grundsätzlich weitergeht. Eigentlich wollte DFL-Chef Christian Seifert in diesen Tagen die Fernsehrechte für die vier Spielzeiten 2021/22 bis 2024/25 versteigern, er hofft dabei wieder auf Milliardeneinnahmen. Doch die Auktion wurde wegen der Corona-Krise verschoben, erst einmal auf den Sommer, manche erwarten auch, dass es Herbst werden kann. Denn zunächst muss klar sein, wie es mit der Bundesliga mittelfristig überhaupt weitergeht: Wird die laufende Saison zu Ende gespielt, findet die nächste wie geplant statt? Die Medienunternehmen, die mitbieten sollen, müssen gleichzeitig auch irgendwie aus der Corona-Krise kommen. Sky, Dazn und andere leiden, sie können keinen Sport zeigen, die Abonnenten laufen weg, neue Kunden kommen nicht hinzu. Es gilt als unwahrscheinlich, dass die Fernseherlöse für die DFL erneut steigen.

Immerhin: Der neue Sky-Chef Devesh Raj, erst seit Januar im Amt, hat mit der Vorabüberweisung der letzten Rate (immerhin mehr als 250 Millionen Euro) guten Willen gezeigt, Verlässlichkeit bewiesen und lässt sich bereits als "Retter des deutschen Fußballs" feiern. Aber Sky kann sich trotzdem nicht sicher sein, bei der nächsten Rechtevergabe zum Zug zu kommen. Das Verfahren muss diskriminierungsfrei und transparent ablaufen. "Individuelle Vor- oder Nebenabsprachen mit einzelnen Bietern sind dabei nicht zugelassen", heißt es bei der DFL. Einen gewissen Spielraum, einen Bieter zu bevorzugen, gibt es nur, wenn die Angebote weniger als 20 Prozent auseinanderliegen. Einer der Beteiligten sagt dazu: "Im Fußball gibt es keine Loyalitäten, wenn es ums Geld geht."

© SZ vom 30.04.2020/khil
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