Spielfilmtipps zum Wochenende:Die Unwiderstehlichen

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Nicht das Rot der Sünde, sondern das der Liebe - es muss allerdings einiges geschehen, damit dem sehr von sich überzeugten "American Gigolo" (Richard Gere) klar wird, dass Michelle (Lauren Hutton) die eine ist. (Foto: Cinema Legacy Collection/Imago/Picturelux)

"Ein Mann für gewisse Stunden", "Gattaca", "Molly's Game" und "Die Hochzeits-Crasher": die Fernsehtipps zum Wochenende.

Von Milan Pavlovic

Ein Mann für gewisse Stunden

Thrillermelo, RBB, Samstag, 23.30 Uhr

Julian Kaye ist unwiderstehlich und widerwärtig zugleich. Der American Gigolo (Originaltitel) hat sich über die Jahre so weit nach oben gearbeitet und geschlafen, dass er sich unantastbar wähnt. Das ändert sich erst, als dem Callboy ein Mord in die Schuhe geschoben wird. Es ist schmerzlich - aber auch ein bisschen beruhigend -, wie sehr Julians Selbstbewusstsein bröckelt und wie stark sein Äußeres leidet: ein Auflösungsprozess, den Richard Gere sensationell verkörpert. (Er sprang, kaum zu glauben, für John Travolta ein.) Das erlösende Ende war derart famos, dass Regisseur Paul Schrader es noch zweimal variierte. Der schlecht gekleidete Cop, den Kaye lange verhöhnt, wird übrigens von Hector Elizondo gespielt. Zehn Jahre später war er in Pretty Woman der Hotel-Manager, der jeden Wunsch von Richard Gere erfüllt.

Gattaca

Sci-Fi, ZDF Neo, Samstag, 20.15 Uhr

In einer zeitlich nicht genau definierten Zukunft entscheiden die Gene über Erfolg und Misserfolg von Heranwachsenden. Diesem Diktat entzieht sich der nominell unvollkommene Vincent (Ethan Hawke), indem er mit aller Macht (und etwas Betrug) seinen Traum vorantreibt, ins All zu fliegen: Er gibt sich für den genetisch top geeigneten, aber gebrochenen Jerome (sensationell: Jude Law) aus. Nur eine fesche Kollegin (Uma Thurman) und ein lästiger Retro-Cop (Alan Arkin) gefährden das Unterfangen. Ein effektiver Trick von Gattaca ist es, futuristische Elemente aus Science-Fiction-Werken mit Settings und Kostümen aus Klassikern des Film noir zu verweben. Regisseur Andrew Niccol galt 1998, als auch die Verfilmung seines Scripts zur Truman Show startete, als neuer Star. Die Hoffnungen konnte er aber nur noch einmal erfüllen: 2005 mit der bösen Waffenhändlerfarce Lord of War.

Molly's Game

Zockerdrama, Servus TV, Samstag, 20.15 Uhr

Die titelgebende, undurchsichtige Heldin war in ihrem ersten Leben eine Ski-Sportlerin, bis eine schwere Verletzung sie dazu zwang, etwas Neues zu wagen. Molly (Jessica Chastain) geht all in, indem sie sich in eine Macho-Welt sondergleichen wagt: Sie fängt an, illegale Pokerrunden zu organisieren, bei denen die Einsätze, Namen und Bluffs immer größer werden. Der Film hat wie so oft bei Aaron Sorkin ( Social Network) waffenscheinpflichtige Dialogspitzen. Bei den Pokerpartien kommt der Autor/Regisseur dafür ein bisschen unkonzentriert daher und kann froh sein, dass seine Herzdame Chastain sticht. Molly's Game ging hierzulande 2017 gnadenlos unter, ganz wie 2016 ein anderer Chastain-Film: der sehenswerte Wirtschafts-Anwaltsdrama-Krimi Miss Sloane (Regie: John Madden), in dem sie es fertigbringt, ganz ohne Karten zu pokern.

Die Hochzeits-Crasher

Komödie, RTL 2, Sonntag, 22.30 Uhr

Wenn in der Nacht zu Montag die umtriebige und sehr laute Multiversum-Komödie Everything Everywhere All at Once bei den Oscars abräumt, ist das schon allein deshalb eine Sensation, weil nur Western ähnlich selten gewählt werden wie Komödien; Schenkelklopfer-Werke sind ohnehin verpönt: Eine Moralkeule muss in Hollywood sein, damit sie preiswürdig erscheinen - deshalb hatten sogar die besten Slapstick-Komödien (z. B. 10) nie eine Chance. Pech für die zügellosen und gewieften Feierbiester John und Jeremy (Owen Wilson und Vince Vaughn). Aber wer weiß, vielleicht haben die schamlosen Hochzeits-Crasher ja all die Auszeichnungen, die ihnen zustehen, im Multiversum bekommen. Sie landen schließlich bei einer Hochzeit, die ihr Leben verändert. Ja, was denn nun, sagen Sie, das ist doch auch moralisch. Aber auf ganz andere Art als üblich.

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