Fernsehpreis:Böhmermann gewinnt Grimme-Preis für #Varoufake

"Für eine Nacht hat Jan Böhmermann die Medienrepublik in Aufruhr versetzt", schreibt die Jury über das manipulierte Stinkefinger-Video.

Hat er nun oder hat er nicht? So ganz sicher ist sich da mancher bis heute nicht. Auf jeden Fall hat Jan Böhmermann das geschafft, wovon viele politische Satiriker träumen: Er hat ganz Deutschland, Politiker, Medien, Bürger, und zumindest einen Griechen mit seinem gefälschten Fälscher-Video in Aufregung versetzt. Reaktionen provoziert. Einen kollektiven Aha-Moment geschaffen - so leicht lässt sich also Meinungsmache manipulieren -, wie es ihn nur selten gibt. Dafür hat ihn nun die Grimme-Preis-Jury ausgezeichnet.

Für sein Satire-Video "Varoufake" in der ZDF-Sendung Neo Magazin Royale erhält Böhmermann den renommierten Medienpreis. "Für eine Nacht hat Jan Böhmermann die Medienrepublik in Aufruhr versetzt", heißt es zur Begründung. "Er hat behauptet, seine Redaktion habe das Varoufakis-Video mit dem Stinkefinger erst erfunden, dann ins Netz geschmuggelt und schließlich beobachtet, wie sich die skandalhungrigen Medienverwerter gierig darauf stürzten und nur noch den Stinkefinger sehen wollten."

Die weiteren Preisträger im Wettbewerb Unterhaltung/Spezial/Innovation sind die WDR-Produktion "Schorsch Aigner", in der Olli Dittrich ein Beckenbauer-Double spielt. Sowie "Street Philosophy", eine Co-Produktion von RBB und Arte.

RTL darf sich über den Grimme-Preis in der Kategorie Fiktion/Spezial freuen: Die Spionage-Serie "Deutschland 83" wurde für ihr "atemberaubendes Setting" ausgezeichnet und für "Ironie, Ambivalenz und ein untrügliches Gespür für Doppelbödigkeit". Weitere Preisträger in der Kategorie: "Patang" (ZDF), die Serie "Weinberg" und die für das Internet produzierte Sendereihe "Marhaba - Ankommen in Deutschland" (N-TV).

Auch der kleinere Privatsender Vox darf sich über eine Auszeichnung für seine erste Eigenproduktion freuen: Die Krankenhausserie "Club der roten Bänder" gewann in der Kategorie Kinder & Jugend/Innovation. Das Format konnte nicht nur gute Kritiken verzeichnen, es lief so erfolgreich, dass der Sender eine zweite Staffel angekündigt hat.

Der Grimme-Preis wird 2016 zum 52. Mal vergeben. Er gilt als wichtigster deutscher Fernsehpreis. Fernsehanstalten, Produzenten und auch Zuschauer können Sendungen für den Grimme-Preis vorschlagen. Vier Nominierungskommissionen beraten dann darüber, wer es in die Jury-Endrunde schafft. 2016 nominierten die Kommissionen aus mehr als 800 Vorschlägen 76 Produktionen und besondere Einzelleistungen.

© SZ.de/dpa/jobr
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