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Fernsehkritik: TV total Turmspringen:Ferkeleien am Beckenrand

Raabs Promi-Athleten hatten beim sechsten "TV total Turmspringen" Schlimmeres zu fürchten als eine schmerzhafte Landung auf der Wasseroberfläche. Denn am Beckenrand wurde es erst richtig fies.

Die gute Nachricht vorweg. Elton, frisch gebackener ZDF-Moderator des Kinder-TV-Klassikers 1,2 oder 3, hat die sechste Ausgabe der pubertären Risiko-Plantscherei überlebt, zu der ihn sein langjähriger Mentor Stefan Raab einmal mehr genötigt hat. Beim letzten Synchronsprung vom Fünf-Meter-Podest musste er wieder gequälten Blicks gute Laune heucheln und die Schmerzen einer sehr unsanften Kopflandung wegstecken.

Turmspringen mit Raab

Eine Frage der Haltung

Sichtlich angegriffen kühlte er die Gesichtsprellung am rechten Auge mit einem Eisbeutel - und verabschiedete mitleidige Fans mit einem coolen Schlussgag. "Mit dem Zweiten sieht man besser", sagte Elton, grüßte damit geschickt zu seinem Neu-Arbeitgeber herüber - und resümierte einen Abend, der vieles war, aber sicher nicht familienfreundlich, geschmackvoll und jugendfrei.

Schlüpfrig statt sportlich

Und nun eine kurze Quizfrage zwischendurch - auch wenn es an dieser Stelle anders als in Raabs marktschreierischer Dauerwerbesendung keine Neuwagen zu gewinnen gibt: Wo dürfen schlüpfrige Anspielungen rund um Sexualpraktiken, primäre Geschlechtsmerkmale ("Rolfes Riesensalami") und allerlei Körperflüssigkeiten auf gar keinen Fall fehlen?

Lösung a) in einer Pornoproduktion oder b) in der Samstagabendunterhaltung?

Schon beim Einmarsch der diesjährigen Turmspring-Kandidaten machte Moderator Matthias Opdenhövel klar, dass es bei dem über vierstündigen, nahezu textilfreien Wetteifern weniger um sportliche Höchstleistungen geht (auch wenn es sie zu bestaunen gab), sondern um mehr oder weniger prickelnde Anzüglichkeiten.

"Hier sind die halbnackten Prominenten mit der nackten Angst im Gesicht", begrüßte der Pro-Sieben-Allzweckcharmeur Stefan Raabs Gäste. Und eröffnete so einen Reigen, bei dem neben dem Schwierigkeitsgrad der Auerbach-Salti vor allem die Patzer auf der verbalen Peinlichkeitsskala zu messen waren.

Verbale Tiefschläge vom Beckenrand aus

Opdenhövel selbst legte die Latte hoch, als er einen leicht missglückten Auftaktsprung von Stabhochspringer Tim Lobinger recht deftig ausdeutete. Eine der gefürchteten Arschbomben sei es nicht gewesen, pflichtete er dem Spitzensportler bei. Dafür sei Lobinger angeblich "drei Zentimeter am Dammriss vorbeigeschrammt", so Opdenhövel.

Deutlich derbere Tiefschläge musste taff-Moderator Daniel Aminati wegstecken, der im Vorjahr bei einem Sprung vom Zehnmeterbrett mit vollem Rücken auf der Wasseroberfläche aufgeklatscht war und dementsprechend traumatisiert antrat.

Seiner Pro-Sieben-Kollegin Sonya Kraus, die in einem sehr figurbetonten Etwas zwischen Krankenschwester- und Matrosen-Kostüm mit Opdenhövel durch die Sendung führte, erzählte er zunächst detailliert von seinen zahlreichen Blutergüssen, die er nach seinem Unglückssprung davongetragen hatte. Erneut ganz oben auf dem Zehn-Meter-Podest wollte Aminati die alte Rechnung begleichen und legte mutig einen guten Salto-Sprung hin, den Opdenhövel zu doppelt geschraubt Degoutantem inspirierte. "Ich hatte auch einen Erguss, als ich gesehen habe, wie du den reingestopft hast", lobte er das nahezu spritzerfreie Eintauchen Aminatis ins Münchner Olympia-Sprungbecken.

Die irritierende Metapher vom "Reinstopfen" sollte die Zuschauer noch öfter durch einen langen Abend begleiten. Doch nicht nur die Profi-Dampfplauderer, die eigentlich moderieren sollten, verkannten ihre Vorbildfunktion. Auch auf die Kombattanten färbten die Ferkeleien am Beckenrand ab.

Deutscher Fernsehpreis

Ein Danke von Raab, ein "Nö" von Lena