ARD-Serie "Die Stadt und die Macht":Wiedererkennbarkeit, Tempo und Zug

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Dann gibt es da in dieser die Berliner Realitäten sehr schön abbildenden und in Ost wie West aus verschiedenen schlechten Gründen gewachsenen Uns-gehört-die-Stadt-Welt noch einen undurchsichtig mit allen verbandelten Bauunternehmer, der außerdem in Wirklichkeit.

Aber das wird nicht verraten, weil wir auch mal "Spoileralarm" hinschreiben wollen.

Große Schauspielkunst also, auch mit der wirklich hinreißenden und modisch sehr genau aufgehipsterten Figur des von Martin Brambach gespielten Politberaters Georg Lassnitz, der vorführt, dass Komisches nicht peinlich sein muss und (Achtung, Insider) möglicher- und wunderbarerweise an den Produzenten Nico Hofmann erinnert.

Berlin ist überall

Nach der TV-Ausstrahlung ist Die Stadt und die Macht in der ARD-Mediathek zu sehen - und von Freitag an auch bei Netflix, einem jener Streamingdienste, die mit Sendern wie der ARD um Zuschauer konkurrieren. Es ist das erste Mal, dass ein öffentlich-rechtliches Produkt dort gleich nach der Ausstrahlung verfügbar ist. Die Idee dazu hatte Michael Lehmann, Produktionschef von Studio Hamburg: "Wir freuen uns, wenn wir das Programm so vielen Zuschauern wie möglich anbieten können. Manche Zuschauer nehmen ja am klassischen Fernsehen gar nicht mehr teil." Bei der ARD glaubt man nicht, dass das eine dem anderen Zuschauer wegnimmt, im Gegenteil: Die Verfügbarkeit an mehreren Stellen bringe Aufmerksamkeit, die befruchtend wirke, sagt Gebhard Henke, "Executive Producer" bei der ARD. Davon wird neben dem Publikum wohl vor allem einer profitieren: In der Mediathek gibt es die Serie 30 Tage, bei Netflix bis 2018. Karoline Beisel

Rasant erzählt und gefilmt ist das, ein bisschen viel durch Fensterscheiben vielleicht, aber geschenkt. Zur Freude aller Berlin-Liebhaber funktionieren die Zwischenschnitte statt mit Schwarzblende mit schnell geschnittenen Stadtansichten wie im Vorspann der jüngsten, Berliner Homeland-Staffel, auf die die Standortscouts vom Medienboard ja so schrecklich stolz sind. Kann sein, dass diese Schnitte auch die Werbefreihalter für den erhofften Auslandsverkauf sind. Ist aber auch egal, weil sie der Geschichte Struktur geben, Wiedererkennbarkeit, Tempo und Zug.

Na bitte, geht doch, will man also jetzt schon zum mindestens fünften Mal in den letzten Monaten schreiben. Es ist Zeit, mit dem Seriengejammer aufzuhören und zur Kenntnis zu nehmen: Ausgerechnet das öffentlich-rechtliche Zwangs-Bezahlfernsehen traut sich, gute Leute an herausragenden deutschen Serien arbeiten zu lassen. Auch wenn sie dann wieder nicht die halbe Nation erreichen, dafür aber möglicherweise den für die Zukunft des gesamten Systems relevanten, jungen, serienaffinen Teil des Publikums, der gar kein Fernsehgerät mehr besitzt, sondern streamt.

Ja, stimmt, ist auch schon oft gesagt worden: Die amerikanischen Serien sind auch eher selten Massenerfolge. Breaking Bad brauchte Jahre bis zum Durchbruch, Fargo schauten zunächst deutlich weniger als zwei Millionen Menschen, auch Homeland lag kaum darüber, Quoten, die bisher im deutschen Fernsehen schnell zur Absetzung geführt hätten. Möglicherweise ist das Potenzial für eine anspruchsvolle, ambitionierte Fernsehserie auch bei uns nicht höher. Wenn die dann interessant und gut genug ist für den internationalen Markt wie Deutschland 83, muss es trotzdem kein Verlustgeschäft sein.

Es hat also ein bisschen gedauert, aber es funktioniert: Allein die Existenz von Serien als kulturell anerkannte Alternative zum ganz normalen TV-Schwachsinn und das Gespräch darüber erzwingt, dass sich die Öffentlich-Rechtlichen nicht länger hinter den vermeintlichen Gesetzen des Marktes und der Quote verstecken. Das ist eine gute Nachricht. Und weil es ein bisschen gedauert hat, kommt die zweite Serienrevolution in Deutschland gleich mit der ersten: Die Fernsehstrukturen werden aufgelöst zugunsten von Streamingdiensten und Internetkonsum ().

Man kann also und sollte auch alle sechs Folgen von Die Stadt und die Macht hintereinanderweg schauen, oder auf zwei Sitzungen verteilt. Bingen liegt plötzlich nicht mehr nur am Rhein und bei Netflix, sondern jetzt auch mal in der Mediathek der ARD. Herzlichen Glückwunsch.

Die Stadt und die Macht, ARD, Dienstag bis Donnerstag in Doppelfolgen, 20.15 Uhr.

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