Lola rennt
Großstadtdrama, ZDF Neo, Sonntag, 21.45 Uhr
„Wie siehst du denn aus? Biste gerannt?“, lautet einer der letzten Sätze des Films. Die kurze Antwort ist: JA! 20 Minuten, 100 000 Mark oder ihr Freund Manni (Moritz Bleibtreu) wird von Gangstern umgelegt. Das ist Lolas Aufgabe. Drei Mal durchlebt sie einen echt miesen Tag, es gibt Verletzte und Tote und jede Menge Rennen. Ihr feuerrotes Haar fliegt an Berlins Fassaden vorbei, während Lola in schweren Doc-Martens-Stiefeln zu Techno-Musik von A nach B und C rennt. Mit diesem Kultfilm schuf Tom Tykwer nicht nur einen Stresstest für die Zuschauer, sondern auch eine Liebeserklärung an Berlin. Lola ist darin das, was man inzwischen wohl „delulu“ nennt. Ein Ausdruck dafür, das Unmögliche anzunehmen. Und das ganze Gerenne (was für die Darstellerin Franka Potente, die zu der Zeit zwei Schachteln Zigaretten am Tag geraucht habe, eine körperliche Herausforderung war) nur, um ihren Macker zu retten. Vielleicht würde eine moderne Lola heutzutage sagen: „Scheiß auf Manni“.
Auf der Flucht
Actionthriller, Vox, Samstag, 23 Uhr
Harrison Ford in Action – mehr braucht es nicht. In dem klassisch als Spannungskino gehaltenen Thriller spielt er den Chirurgen Richard Kimble, der seine Ehefrau ermordet haben soll, verurteilt wird, jedoch vehement seine Unschuld beteuert. Während des Gefangenentransports gelingt ihm die Flucht. Nun will er den wahren Mörder seiner Frau finden. Es beginnt ein atemloses Katz- und Maus-Spiel. Tommy Lee Jones als verkniffener und dennoch gutmütiger US-Marshall bietet den perfekten Verfolger für den cleveren Arzt. Und Ford spielt diesen Verurteilten so sympathisch und aufrichtig, dass man ihm seine Unschuldsbeteuerung glauben will. Doch ein leises Misstrauen rennt immer mit. Der Film macht daraus kein großes Meta-Spiel. Keine Verkünstelung, sondern präzises, geradliniges Erzählen. Es ist ein Paradebeispiel des „Dad Cinema“: Beim Zuschauen scheint die Stimme im Ohr hörbar zu sein, die begeistert ruft: „Solche Filme werden heute gar nicht mehr gemacht.“
Midsommar
Horror, ZDF, Nacht zu Sonntag, 2.30 Uhr
Ein schwedischer Sommer. Lange Tage. Blumen im Haar. Weiße Kleidung. Tanzen und Singen um den Maibaum. Mitsommer ist das Fest in Schweden und findet jedes Jahr rund um die Sommersonnenwende statt, dieses Jahr am 19. Juni. Passend dazu zeigt das ZDF Ari Asters Film „Midsommar“ bereits am Wochenende zuvor. Allerdings ist dieser weit weniger fröhlich als das wahre Fest. In diesem nicht dunkeldüsteren, sondern sommerhellen Horrorfilm reist die Amerikanerin Dani, wunderbar verstörend gespielt von Florence Pugh, nach einem tragischen Verlust in der Familie quasi als Anhängsel mit ihrem Partner und dessen Freundesgruppe nach Skandinavien in eine kleine, freundliche Dorfgemeinde. Die feiert nur alle 90 Jahre das Fest. Und dann passiert, was in einem Horrorfilm passiert: schaurige Rituale, furchtbare Tode und herrliche Plot-Twists. Wen also des Nachts parallel zu Fußball-WM-Übertragungen garantiert albtraumhafte Sommerszenen reizen: eine gute Wahl.
Notting Hill
Romantische Komödie, Sat 1, Sonntag, 20.15 Uhr
In welchem Film sahen Hugh Grants Haare wohl am besten aus? Ist es Vier Hochzeiten und ein Todesfall oder doch Love Actually? Und natürlich ist auch Notting Hill ein heißer Bewerber. Das ultimative Wuschelhaar und der britische Charme betören das Publikum: „Der junge Hugh Grant ist die Spitze männlicher Schönheit“, schreibt ein User auf der Plattform Letterboxd. „Wäre besser, wenn es eine queere Geschichte wäre“, ein anderer. Der Film ist eine der 90er-Romcoms. Ganz in diesem Geiste bedeutet das eine dramatische Liebesgeschichte zwischen zwei sehr schönen und natürlich total tiefgründig-künstlerischen, heterosexuellen Menschen, dazu ein wenig trockener Humor. Julia Roberts’ Look in Jeans, Baskenmütze und mit schmaler Sonnenbrille prägt bis heute die Pinterest-Boards. Und ihr berühmter Satz „I’m just a girl standing in front of a boy…“ die Tiktok-For-You-Pages. An manchen Abenden braucht es eben diese zuckrige und doch unwiderstehliche Portion Kitsch.

