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TV-Tipps zum Wochenende:Freiheitskämpfer

In den aufregendsten Filmen des Fernseh-Wochenendes spielt das Leben den Helden übel mit. Einige von ihnen vertrauen auf die befreiende Kraft des Zerstörerischen.

Von Milan Pavlovic

50 erste Dates

Rom-Com, RTL 2, Sonntag, 20.15 Uhr.

Film Still from 50 First Dates Adam Sandler Drew Barrymore Photo Credit Darren Michaels © 2004 Col

Lucy (Drew Barrymore) vergisst jeden Tag aufs Neue, dass sie Henry (Adam Sandler) liebt.

(Foto: Darren Michaels/Columbia/Imago/Cinema Publishers Collection)

Es war klar, dass Adam Sandler, der Zotenreißer und Darsteller grenzdebiler Außenseiter, eines Tages als "richtiger Schauspieler" entdeckt werden würde. Schade bloß, dass dies bei dem unappetitlichen Pseudothriller Uncut Gems geschah, in dem er einen depperten und unsympathischen Zockum er spielte - und nicht bei 50 First Dates. Auch in dieser romantischen Komödie kann Sandler nicht anders, als ein paar Pennälergags der fragwürdigen Art einzubauen. Aber die Geschichte der Hawaiianerin (Drew Barrymore), die ihr Kurzzeitgedächtnis verloren hat und immerzu vergisst, was am vergangenen Tag passiert ist, hat ihr Herz am rechten Fleck. So wie der Stenz Henry (Sandler), der das Unmögliche versucht: sie auf Dauer zu erobern. Sandler und Barrymore, die schon in The Wedding Singer prima harmonierten, sind ein süßes Duo.

Der Plan

Mystery, ZDF Neo, Samstag, 20.15 Uhr.

Philip K. Dick, dessen abenteuerliche Kurzgeschichten (Träumen Androiden von elektrischen Schafen?) an den Schnittstellen zwischen Realität und Illusion, Albtraum und Wunschvorstellung spielen, gehört zu jenen raren Erzählern, denen es gelang, Plusquamperfekt und Futur II sinnvoll zu verbinden. In Der Plan, dem ersten Beitrag eines Doppelprogramms auf ZDF Neo, wird ein junger Politiker (Matt Damon) zufällig gewahr, dass Menschen Marionetten in einem großen - und oft gemeinen - Script sind. Aus Liebe wehrt er sich gegen die Mächte und sein Schicksal. Wer will es ihm verdenken, schließlich geht es um Emily Blunt. Danach (21.50 Uhr) versucht Ben Affleck in Paycheck, ein Puzzle zusammenzusetzen, um das Ende der Welt zu verhindern. Weder Affleck noch Uma Thurman noch der Regisseur John Woo waren in Topform - aber der Plot ist unwiderstehlich.

Demolition

Drama, Servus TV, Samstag, 20.15 Uhr.

Warum ist Herr Gyllenhaal wieder so traurig? Der notorisch triste Schauspieler findet in diesem Drama ein ungeahntes Ventil für seine unterdrückten Gefühle: Er fängt an, beruflich Häuser zu zerschlagen - und zwar nicht im metaphorischen Sinn, sondern ganz handfest. Der kanadische Regisseur Jean-Marc Vallée, der schon in Filmen wie Dallas Buyers Club und Wild (mit Reese Witherspoon) sowie den abgründigen TV-Mehrteilern Big Little Lies und Sharp Objects das Befreiende im Zerstörerischen erkundet hatte, macht die Wirkung geradewegs spürbar. Der Film hat die hollywoodüblichen Probleme mit dem letzten Akt, und es fordert etwas guten Willen, Naomi Watts als gewöhnliche Frau zu akzeptieren, die Jake Gyllenhaal auf die Beine hilft, aber immerhin knistert es ordentlich zwischen den beiden schönen Hauptdarstellern.

Dämonen und Wunder

Drama, 3sat, Samstag, 23 Uhr.

Jacques Audiard ist auch deshalb einer der spannendsten Regisseure unserer Zeit, weil er sich nie wiederholt. Die Geschichten seiner fulminanten Dramen Der Geschmack von Rost und Knochen (2012), Ein Prophet (2009), Der wilde Schlag meines Herzens (2005) und The Sisters Brothers (2018) handeln zwar stets von Menschen, die ihre (dunkle) Vergangenheit bewältigen müssen, um eine Zukunft haben zu können - aber immer in völlig anderen Settings und Tonlagen. Dämonen und Wunder ist insofern sein ungewöhnlichstes Werk, weil der Protagonist Dheepan (so auch der Originaltitel des 2015 gedrehten Werks) ein Freiheitskämpfer aus Sri Lanka ist, der mit einer falschen Familie in Frankreich sesshaft werden will. Doch der Schatten der wahren Identität holt ihn wieder ein und zwingt ihn dazu, sein altes Ich von der Leine zu lassen.

© SZ/sfi
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