Fernsehen Traumreise mit Pommeskrise

Für jede Erfahrung offen: Manuel Zube (rechts) und Julius Werner.

(Foto: ARTE)

In der charmanten Doku-Serie "Manuel Down Under" reisen ein junger Mann mit Down-Syndrom und sein Kumpel durch Australien. Ein Gespräch mit den beiden über die Highlights und Tiefpunkte der Reise.

Von Anna Steinbauer

Manuel Zube hat einen Traum: Zwei Monate lang durch Australien zu reisen. Und dieser Traum wird nun wahr: Manuel, 26, der das Down-Syndrom hat, macht sich zusammen mit seinem Betreuer Julius Werner, 29, von Kiel aus auf den Weg, um das andere Ende der Welt zu erkunden. Die fünfteilige Doku-Serie Manuel Down Under, die von Sandra Maischberger produziert wurde und ab Montag auf Arte zu sehen ist, begleitet die beiden Männer auf ihrer Reise und zeigt Australien von einer weniger bekannten Seite. Ob Festivalbesuch in Melbourne, Zelten im Outback, Canyon-Wanderung oder Helikopterflug: Manuel ist in allen 30-Minütern für jede Erfahrung offen. Und immer für Überraschungen gut.

Ein Gespräch mit den beiden. Auf die Frage, ob es auf der Reise etwas gegeben habe, was ihm nicht so gut gefallen habe, sagt Manuel: "Schlechte Frage." Um dann lieber zu verraten, dass einer der Höhepunkte für ihn war, beim Festival auf der Bühne zu tanzen: "Ich hab' richtig abgefeiert", sagt er.

"Dass Manuel ein Knaller ist, habe ich gleich gemerkt", sagt Erzieher Julius. Bei einer Vertretungsstunde beim Inklusionssport begegnete er dem Manuel zum ersten Mal, damals stand dieser mit einem Megafon auf einem Kasten und kommentierte lautstark das Fußballspiel in der Turnhalle. Später übernahm Julius dann die Betreuung von Manuel im Rahmen des "familienunterstützenden Diensts". Die beiden kennen sich nun seit fast fünf Jahren und sind mittlerweile gute Kumpels, wie sie sagen. Julius begleitet Manuel zum Sport und in die Inklusionsdisko, wo Letzterer am liebsten zu Schlagermusik tanzt. Als der Erzieher nach seiner Ausbildung einen Südostasien-Trip geplant hatte, fragte Manuel recht direkt, ob er nicht mitkommen könne. Die Idee zu einer gemeinsamen Reise war geboren. "Ich dachte mir, warum eigentlich nicht", erzählt Werner, der schließlich Australien aufgrund seiner Infrastruktur und vielfältigen Inklusions-Angebote als Destination wählte.

Um die Reise zu finanzieren, gründete der Erzieher im Oktober 2017 die Facebook-Seite "Über Grenzen gehen", deren Spendenaufruf viele Leute folgten. Auch der Regisseur und Kriegsberichterstatter Carsten Stormer wurde so auf das Vorhaben aufmerksam und fragte Julius, ob er die beiden Reiselustigen mit der Kamera begleiten dürfe. Acht Wochen lang, meist 16 Stunden pro Tag, dokumentierten Carsten Stormer und sein Kameramann in über 200 Stunden Material, wie gelebte Inklusion funktioniert. Und wie bereichernd es für Menschen mit und ohne Behinderung sein kann, Grenzen zu überschreiten. Inklusive kleinerer Krisen wie zwischenzeitlichem Heimweh und der Notwendigkeit, mal ein Pommesverbot für Manuel zu verhängen, natürlich.

"So intensiv habe ich noch nie mit jemandem Zeit verbracht", erzählt der Erzieher. Oftmals hätten die beiden Bett und sogar Decke geteilt. Dass man mit dem jungen Mann mit Down-Syndrom durchaus einen Canyon durchwandern und bei vier Grad im Zelt irgendwo im Outback übernachten könne, erstaunte den Erzieher trotzdem: "Ich habe Manuel total unterschätzt. Er ist eine Wundertüte." Manchmal hatte er auch oft keine Lust auf eine Unternehmung gehabt, aber dem Charme von Manuels vernichtender Ehrlichkeit kann man sich schwer entziehen: Auf das Pommesverbot angesprochen, das Julius ihm irgendwann erteilte, antwortet Manuel jetzt: "Ich sag' nix". Wohin seine nächste Reise gehen wird? "Frankreich", sagt er ohne groß zu überlegen. Könnte durchaus sein, dass das an den netten Französinnen liegt, die er und sein Freund auf der Reise kennengelernt haben.

Manuel Down Under, Arte, ab Montag 17.10 Uhr und in der Mediathek.