Spielfilmtipps zum WochenendeGangster und graue Herren

Lesezeit: 2 Min.

In „Scarface“ geht Al Pacino als Tony Montana an seinem Machthunger zugrunde.
In „Scarface“ geht Al Pacino als Tony Montana an seinem Machthunger zugrunde. Alamy Stock Photos / IFTN, United Archives GmbH/mauritius images

„Scarface“, „Momo“, „Das Wunder von Bern“ und „Monsieur Claude und seine Töchter“: sehenswerte Filme im TV-Programm des Wochenendes.

Von Florian Kaindl

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Scarface

Gangsterfilm, Arte, Sonntag, 22 Uhr

Mafia und Al Pacino? Da war doch was. Natürlich zuerst Michael Corleone, der „Pate“, der seinen Familienclan mit eisiger Härte regiert. Für Brian De Palma spielte Pacino 1983 allerdings einen ganz anderen, impulsiveren Typen. Der kubanischstämmige Einwanderer Tony Montana schreckt vor keinem Mittel zurück, um an die Spitze eines Kartells in Miami zu gelangen. Mit seinem Fokus auf dem Drogenkrieg der Achtziger adaptierte De Palma das Schwarz-Weiß-Original von Howard Hawks aus dem Jahr 1932. Tony Montana teilt letztlich das Schicksal von den meisten Hauptfiguren in dem Genre: Einmal ganz oben angekommen, geht er an seinem Machthunger und Misstrauen zugrunde. Die Frauen in solchen Filmen, hier eine umwerfende Michelle Pfeiffer, sind zunächst fasziniert von den starken Männern. Bis sie merken, dass der innere Verfall schon begonnen hat.

Momo

Märchen, ZDF Neo, Sonntag, 21.45 Uhr

Dass der Roman von Michael Ende keinen konkreten Ort hat, macht ihn so universell. Einiges erinnert an Rom, etwa das Amphitheater, in dem sich die Hauptfigur, das Waisenmädchen Momo, aufhält. Doch abseits davon könnte sich die Handlung in jeder anderen Weltgegend abspielen. Das Thema ist, auch mehr als 50 Jahre danach, unverändert aktuell: Die Menschen haben gefühlt ständig zu wenig Zeit oder setzen sie für die falschen Dinge ein. Die Verfilmung von Johannes Schaaf hat den Geist der Vorlage bewahrt und schöne Entsprechungen zu Endes Figuren gefunden. Radost Bokel wurde als Momo schlagartig bekannt und hat unter anderen Mario Adorf als Maurer Nicola an ihrer Seite. Die grauen Herren, angeführt von Armin Mueller-Stahl, treten als Zeitdiebe angemessen gespenstisch auf. Im Zeitspiel ist ihnen nur Momo überlegen.

Das Wunder von Bern

Drama, Sat 1, Sonntag, 14.25 Uhr

WM ist ja auch noch gerade. Für alle, die das vergessen haben könnten, hat Sat 1 einen gefühligen Hinweis im Nachmittagsprogramm platziert. Sönke Wortmanns Film von 2003 erzählt von der Neuerweckung der Fußballnation Deutschland mit dem WM-Titel 1954 in der Schweiz. Statt auf subversive Komik wie in „Der bewegte Mann“ (1994) setzt der Regisseur mit seiner Geschichte aufs Melodramatische. Ein traumatisierter Heimkehrer aus dem Zweiten Weltkrieg (Peter Lohmeyer) reist mit seinem Sohn (Louis Klamroth) zum Finale gegen die favorisierten Ungarn nach Bern. Auf dem Weg überwinden sie jegliche Hindernisse und schaffen es gerade noch rechtzeitig ins Stadion. Trotz der hohen Kitschdosis ist der Film sehenswert, allein wegen der minutiösen Rekonstruktion des Siegtreffers: „Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen ...“

Monsieur Claude und seine Töchter

Komödie, ARD, Sonntag, 23.30 Uhr

Der mürrische Brautvater ist ein beliebter Typus im Kino. Man denke nur an die mehrteilige Filmreihe, in der Robert De Niro als ehemaliger CIA-Agent seinen potenziellen Schwiegersohn Ben Stiller auf Herz und Nieren prüft. Die Tochter betrachtet der Patriarch als sein Ein und Alles, für das sich der Bewerber erst qualifizieren muss. Im Fall von Monsieur Claude, gespielt von Christian Clavier, gibt es gleich vier Töchter, von denen jede einen – in den Augen des Vaters – Albtraumkandidaten anschleppt. Der erste ist Jude, der zweite Muslim, der dritte Chinese und der vierte ein Schwarzer. In seiner Komödie von 2014 hält sich der französische Regisseur Philippe de Chauveron nicht lange mit Feinheiten auf, sondern spielt munter mit Klischees. Das größte Problem in den Familien sind die alten Herren, sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite.

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