bedeckt München 22°
vgwortpixel

Sendungen auf ZDF und Vox:Achtung, gleich wird's lustig

Sorry für alles

Auch Fernsehkoch Johann Lafer hat mitgemacht bei der ersten Folge von Sorry für alles. Der Scherz mit dem von ihm versalzenen Essen zündete nicht so.

(Foto: Katja Inderka/ZDF)
  • Früher waren Sendungen mit versteckter Kamera wie Verstehen Sie Spaß? mal richtig komisch.
  • Inzwischen sind Kameras jedoch allgegenwärtig und jeder muss jederzeit damit rechnen, gefilmt zu werden.
  • Warum aber setzen ZDF und Vox immer noch auf ein Format, das sich längst überholt hat?

Es kann kein Zufall sein, dass die am vergangenen Mittwoch gestartete und gleich schwer gefloppte Versteckte-Kamera-Show im ZDF Sorry für alles heißt. Gerichtet ist der Titel an die Kandidaten der Sendung, die man in seltsame Situationen bringt und dabei heimlich filmt. Aber man könnte dieses Sorry für alles auf der Meta-Ebene durchaus auch als eine Art Abrechnung lesen, eine Bilanz, die am Ende einer TV-Ära steht, in der unglaublich viele Menschen veräppelt und einem sanft geifernden Publikum zur Belustigung ausgeliefert wurden. "Sorry dafür", könnten die Macher nun sagen. Könnten sie. Aber sie haben natürlich wieder einmal wenig kapiert. Sie machen weiter, wo es eigentlich kein Weitermachen geben sollte. Sie verstehen nicht, dass die Zeit der Versteckte-Kamera-Formate im Fernsehen schon eine Weile vorbei ist. Sie reiten ein totes Pferd zuschanden.

Nicht einmal zwei Millionen Zuschauer konnte Steven Gätjen um 20.15 Uhr im ZDF begrüßen

Die Quoten für die erste Ausgabe der Sendung waren erbärmlich. Nicht einmal zwei Millionen Zuschauer konnte Moderator Steven Gätjen um 20.15 Uhr im ZDF begrüßen. Selbst das Heute Journal holte nach der Flop-Show 1,24 Millionen Zuschauer mehr vor den Fernseher. Deutlicher lässt sich das öffentliche Desinteresse für ein neues Format kaum dokumentieren. Es ist kaum zu erwarten, dass es am kommenden Mittwoch bei der zweiten Ausgabe wesentlich besser läuft.

TV-Kritik Auf der Suche nach der verplemperten Zeit
Medienkolumne "Abspann" über Dunja Hayali

Auf der Suche nach der verplemperten Zeit

"Abspann" ist eine Kolumne über die Medienlandschaft. Diesmal von Einspielern zerhackte Nicht-Gespräche mit Robert Habeck und Carola Rackete.   Von Jan Bielicki

Warum sollte man auch dranbleiben bei diesen mit Heißluft vorbereiteten Filmchen, deren Effekt in der Regel als laues Lüftchen ankommt. Da servierte zum Start der als Starkoch geltende Johann Lafer seinen Gästen ein Menü, versalzte und verschärfte aber dem ausersehenen Kandidaten die einzelnen Gänge derart, dass dieser eigentlich lauthals hätte protestieren müssen. Das aber tat er nicht oder allenfalls im Unterton, was dann schon der ganze Gag der an Harmlosigkeit kaum zu überbietenden Nummer war.

In einer ähnlichen Einfältigkeits-Kategorie spielt auch Endlich kapiert?!, ein Versteckte-Kamera-Format, mit dem der von der Heute Show bekannte Überfallinterviewer Lutz van der Horst montags bei Vox Denkzettel verteilen möchte, was aber nicht einmal mittelgut funktioniert. So sollte kürzlich ein junger Mann vorgeführt werden, der nach Ansicht seiner Freundin zu viel vor der Spielbox hockt. Sie lockte ihn in ein Café, wo sich dann zwei als Videospielfiguren verkleidete Gestalten an den Nachbartisch hockten und lauthals darüber klagten, dass sie kaum zur Ruhe kämen, weil ein Typ (natürlich war der am Nachbartisch hockende gemeint) immerzu daddele und sie so auf Trab halte. Der derart Belehrte schaute ein bisschen irritiert, was aber ganz offensichtlich weniger dem Umstand geschuldet war, dass er gerade in eine Falle getapst war, als vielmehr der Erkenntnis, dass die zwei verkleideten Typen am Nebentisch nicht mehr ganz sauber ticken.

Gerade dieses Beispiel belegt besonders drastisch, dass man mit ausgewalzten Versteckte-Kamera-Gags nichts mehr reißen kann in einer Welt, in der Kameras ohnehin allgegenwärtig sind, in der ein jeder immer und überall damit rechnen muss, gefilmt zu werden, in der inzwischen aber auch eine jede und ein jeder halbwegs weiß, wie man sich zu verhalten hat, wenn dieses rechteckige Ding auf einen gerichtet wird.