bedeckt München 21°

Fernsehen mit Social-Media-Anbindung:"Wetten, dass...?" mit Social-Web-Elementen

Auch das ZDF arbeitet an der besseren Verzahnung mit der Welt der Smartphones und Tablets. Noch basteln die Entwickler an einer heute-App, bis zum nächsten Frühjahr aber will Mainz mit einer zentralen ZDF-App nachziehen, die dann eine Anlaufstelle für das Gesamtprogramm werden soll. Vor allem in den Digitalkanälen hat das ZDF in den vergangenen Jahren im Social-TV viel experimentiert, in Sendungen wie dem ZDF-info-Talk log in etwa. Klar ist für Eckart Gaddum, den Leiter der Hauptredaktion Neue Medien, auch, dass etwa die Berichterstattung zur Bundestagswahl 2013 mehr interaktive Elemente integrieren wird. Denn, so Gaddum, "die mediale Antwort auf die Bewegung der Wutbürger muss für das ZDF ein von Social TV geprägtes Angebot sein". Bürgerteiligung als Programmprinzip.

Und auch wenn über die Gestalt des neuen Wetten Dass . . ? noch keine Einzelheiten bekannt werden sollen, ist doch auch hier klar, dass Social-Web-Elemente im Konzept eine Rolle spielen werden.

Die guten Erfahrungen mit der Mediathek, in der, wie Gaddum sagt, gerade junge Menschen Inhalte entdeckten, die sie im laufenden Programm nie gesucht hätten, bestärkt die Mainzer Hierarchen. Dennoch sind die ZDF-Zuschauer gewiss nicht die eifrigsten Pioniere der Parallelnutzung von Netz und TV. Glaubt man der bereits zitierten Anywab-Studie, sehen zwar 78,9 Prozent der bisherigen Second-Screen-Nutzer öfter RTL, aber nur 44,7 Prozent haben in letzter Zeit das Zweite eingeschaltet.

Kostenlos sollen die Social-TV-Apps und -Inhalte bei allen Sendern sein, was nur folgerichtig ist: Alle sind sich einig, dass es ihr zentraler Zweck sei, dem Hauptprogramm neue Zuschauer zuzuführen.

Die Social-Media-Aktivitäten seien "zuerst ein Teil des Marketingmixes und eher langfristig monetarisierbar", sagt RTL-Mann Schröder. Ein Geschäft soll es für die privaten Anbieter aber schon noch werden. Pro Sieben jedenfalls möchte auf der Connect-App integrierte Werbung platzieren, für neue Formen ist man offen.

Konkurrenz muss neutral bleiben

Allerdings: Noch ist nicht gesagt, dass die Zuschauer den Web-Dialog über ihre Fernseherlebnisse auch dort führen wollen, wo die Sender es gerne hätten - nämlich jeweils bei ihnen.

Facebook und Twitter sind zumindest in den USA als Foren des Social TV stark. Daneben gibt es noch eine Reihe von Anbietern, über deren Anwendungen man senderübergreifend seine Lieblingsshows und -serien diskutieren kann. Zapitano oder Couchfunk heißen etwa Dienste, die sich nach solchem Vorbild derzeit auf dem deutschen Markt etablieren wollen. Den Gedanken dahinter findet Marc Schröder von RTL sogar "sehr charmant", so lange sichergestellt sei, dass eine solche Drittplattform "grundsätzlich neutral" operiere - wie Programmzeitschriften etwa. Kein Sender würde bevorzugt.

Weder bei Pro Sieben, noch beim ZDF kann man sich für derartige Konzepte dagegen sonderlich erwärmen. "Social TV muss nah am Programm stattfinden", sagt Gaddum. Pro Sieben Sat.1-Manager Karajica beschreibt es ähnlich: Angestrebt ist schließlich ein Kreislauf: "Die Leuchtkraft des Fernsehens strahlt online ab und zugleich pusht Online die TV-Quoten. Denn das Internet bringt uns auch immer wieder neue Zuschauergruppen ins Fernsehen."

Und verdient wird das Geld bis auf weiteres schließlich immer noch dort.

© SZ vom 20.07.2012/mahu/gba

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite