Fernsehen Geheimnisvoll

Wer hat’s getan? Peter Palfinger (links, Florian Teichtmeister), Walter Sengmüller (Edi Jäger) und Irene Russmeyer (Fanny Krausz) ermitteln.

(Foto: Stefan Zauner/ZDF)

Im neuen Film der ZDF-Reihe "Die Toten von Salzburg" zeigt kaum einer sein wahres Gesicht. Beim österreichischen Publikum kam das bereits prima an.

Von Hans Hoff

Alle in dieser etwas verworrenen österreichischen Kriminalgeschichte haben ein Geheimnis. Der dauermelancholische Kommissar Palfinger (Florian Teichtmeister) sorgt sich beispielsweise, ob er als Mann im Rollstuhl der ihn umwerbenden Therapeutin genügen kann. Zur Klärung seiner Frage ruft er eine sogenannte Streichlerin an. Die aber entpuppt sich als Mitverdächtige in Palfingers aktuellem Mordfall und verschweigt so einiges. Die deutsche SEK-Truppe, die im Nachbarland einen Einsatz übt, ist ebenfalls nicht ganz so, wie sie sich gibt. Auch der Nachtclubbetreiber Agrin Dibra (Stipe Erceg) erregt das Interesse der Ermittler. Und Palfingers Assistentin Irene Russmeyer (Fanny Krausz) verzweifelt fast an der Frage, wie ihr Vater damals denn nun wirklich gestorben ist.

Und dann ist da noch der etwas seltsame deutsche Ermittler Hubert Mur, mit dem Palfinger zusammenarbeiten muss, weil im aktuellen Fall eben auch Deutsche betroffen sind. Dieser von Michael Fitz gespielte Mur ist so seltsam, dass er ständig mit sich selbst reden muss. Fährt er vor einem Bordell vor, sagt er zu sich selbst: "Aha, a Puff." Ansonsten ist er hauptsächlich dafür da, in den von Palfinger geführten Verhören aus der Haut zu fahren.

In Österreich fuhr diese Folge der Reihe einen Marktanteil von satten 30 Prozent ein

Es kommt so einiges zusammen in diesem vierten Film der Reihe "Die Toten von Salzburg" von Regisseur Erhard Riedlsperger, der gemeinsam mit Klaus Ortner und Stefan Brunner auch das Drehbuch schrieb. Die Geschichte spielt nicht in Salzburg, sondern in Bad Gastein, was aber immerhin im Land Salzburg zu verorten ist, weshalb auch die Salzburger Abteilung Gewalt- und Blutdelikte zuständig ist, als unter einem Gullydeckel, wo heißes Heilwasser brodelt, ein toter Mann gefunden wird, dem auch kein Heilwasser mehr helfen kann. Gestern hat er noch bei seinem ständig grimmig dreinblickenden Vater geklingelt, der ihn nicht hereingelassen hat, weil er vom Filius enttäuscht und sowieso ein sehr seltsamer Mensch ist.

Man muss das wollen, dass Krimis etwas arg verschlungen daherkommen, dass fast alle handelnden Personen Geheimnisse mit sich herumschleppen, dass die Musik bei jeder sich anbietenden Gelegenheit bedrohlich anschwillt, damit wirklich jeder kapiert, dass es jetzt aber gleich schwer mysteriös wird, mindestens aber spannend. Wenn man das alles will und seine Seele gegen den hemmungslosen Gebrauch von Klischees gewappnet hat, dann kann man auch an diesem Mordwasser genannten Film seine Freude haben.

In Österreich hat das wohl funktioniert, denn diese Folge der Reihe fuhr bei der ORF-Ausstrahlung im März einen Marktanteil von satten 30 Prozent ein. Insofern ist damit zu rechnen, dass auch beim ZDF wieder wie bei den ersten drei Episoden zwischen 18 und 20 Prozent Marktanteil und eine Zuschauerzahl jenseits der fünf Millionen zusammenkommen.

Der Film ist vorwiegend düster, und die Dinge entwickeln sich so, wie sie es normalerweise nicht tun

Das Publikum mag das wohl, wenn es vorwiegend düster ist, wenn alle etwas verschweigen und sich die Dinge so entwickeln, wie sie es im normalen Leben so gut wie nie tun. Hauptsache, die Bilder sind schön, malerisch, und das sind sie in diesem etwas sehr lahmen Wer-hat's-getan-Filmchen. Bad Gastein darf sich bedanken für die Hochglanzwerbung, die vom Land Salzburg und der Stadt Salzburg gefördert wurde.

Die Toten von Salzburg - Mordwasser, ZDF, 20.15 Uhr.