Sieben Minuten nach Mitternacht
Teenage-Fantasy, Sat 1, Sonntag, 14.10 Uhr
Alles fühlt sich an für Conor, zwölf Jahre alt, als wäre er allein zu Hause, seine Welt ist dabei auseinanderzubrechen. Die Mutter, alleinerziehend, hat Krebs im Endstadium, sie zeichnet viel, am liebsten zusammen mit dem Sohn. Conor wird bald bei der Großmutter leben müssen, die er streng und unnahbar findet. In der Schule wird er gemobbt. Der Vater lebt in den USA und will den Sohn nicht zu sich holen. Zum Glück steht eines Nachts, um 0.07 Uhr, die finstere, knorrige Eibe vom Friedhof gegenüber vor Conors Fenster, sie hat Trost für ihn, erzählt drei Geschichten, fürs Leben. Ein wunderbarer Fantasyfilm über die Coming-of-Age-Einsamkeit, vom Spanier Juan Antonio Bayona. Die Großmutter ist Sigourney Weaver – die kann man in ihrer erfolgreichsten Rolle erleben, als Weltraum-Offizierin Ripley in den ersten beiden Filmen der „Alien“-Serie. „Alien“, 1979, von Ridley Scott, und „Aliens – Die Rückkehr“, 1985, von James Cameron (Tele 5, Sonntag, 20.15 Uhr und 22.40 Uhr).
Le Mans 66 – Gegen jede Chance
Rennfahrer-Melodram, Pro Sieben, Sonntag, 23.15 Uhr
Ein MAGA-Projekt der Sechziger, in dem es ums Prestige geht. Um internationale Dominanz und Erfolg für Amerika. Wieder einmal muss das Kino Unmögliches möglich machen. Henry Ford der Zweite, Chef der großen Autofirma, will die Autoindustrie seines Landes wieder groß machen, die gegen die große europäische Konkurrenz an Boden verloren hat – seit Jahren hat immer ein Ferrari das berühmte 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen. Fürs Rennen 1966 wird ein Ford-Modell neu entwickelt, dafür holen die Ford-Leute sich zwei absolute Profis, weil sie beides fantastisch können, Autos konstruieren und fahren: Carroll Shelby und Ken Miles, verkörpert von Matt Damon und Christian Bale. Ein aggressives Projekt, ein aggressiver Film – „Ford v Ferrari“ heißt er im Original. James Mangold ist ein toller Regisseur für amerikanische Archetypen, er hat Filme gemacht über Johnny Cash oder Bob Dylan.
Pacifiction
Politfarce, Das Erste, Nacht zu Montag, 0.05 Uhr
Das Leben ist nicht einfach für Monsieur de Roller, seines Zeichens „Hochkommissar der Französischen Republik“ auf Tahiti (gespielt von Benoît Magimel), er verkörpert die französische Kolonialzeit auf geschwätzigen Empfängen – und jenseits davon. Ein U-Boot sorgt für Gesprächsstoff, wird es gar neue Atombombenversuche geben? Das Ganze ist inspiriert von Verschwörungsthrillern der Siebziger, „Chinatown“ oder „The Parallax View“. Der Katalane Albert Serra widmet sich in seinen verspielten Filmen obskuren Seiten der Weltgeschichte, zum Beispiel Ludwig XIV. (auf dem Sterbebett) und Casanova (wie er dem Grafen Dracula begegnet). Sein neuester Film lief kürzlich in den Kinos, „Tardres de Soledad/Nachmittage der Einsamkeit“, über den Stierkämpfer Andrés Roca Rey, und konnte auch Gegner des Stierkampfs begeistern. Vielleicht ist das die Absicht des Kinos, erklärte Serra im Interview, den Zuschauer zu korrumpieren, ihn Werte schätzen zu lassen, die er ablehnt.
Lakeview Terrace
Psychodrama, ZDF Neo, Samstag, 22 Uhr
Rassismus, diesmal auf der anderen Seite des Zauns. Abel Turner erregt sich über das Paar, das im Nebenhaus wohnt, freizügig und intellektuell, er weiß, sie schwarz, die Mischung stört ihn. Der Mann ist Samuel L. Jackson, der schwarze Superstar, man weiß aus seinen Filmen, wie böse und brutal er werden kann. Lakeview Terrace ist ein gutbürgerliches Viertel im Osten von Los Angeles. Abel ist ein Cop, im Dienst gealtert, er will unbedingt seine Ruhe haben. Mit Zigarettenstummeln auf dem Asphalt fängt es an, schließlich eskaliert der Film von Neil LaBute, 2008, unerbittlich in Terror und Gewalt. Rassismus im Wilden Westen: „Denen man nicht vergibt“, 1960, von John Huston (Arte, Sonntag, 13.50 Uhr). Eine kleine Familie im Grenzland von Texas, die Tochter soll in Wahrheit ein adoptiertes Kiowa-Mädchen sein ... die Kiowas wollen sie zurückhaben. Das Mädchen ist Audrey Hepburn, ihr älterer „Bruder“ Burt Lancaster, die Mutter die Stummfilm-Schauspielerin Lillian Gish.

