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TV-Tipps zu Ostern:Den Spieß umdrehen

An Ostern laufen im Fernsehprogramm ein paar richtig gute Komödien. Und die Brutalität kommt oft ganz zärtlich daher.

Von Milan Pavlovic

Einfach zu haben

Komödie, Sixx, Ostermontag, 22.05 Uhr

Einfach zu haben

Die Schülerin Olive (Emma Stone) soll mit einem College-Studenten Sex gehabt haben. Daraus will man ihr einen Strick drehen. Doch nicht mit ihr.

(Foto: CPT Holdings, Sony Pictures Television International)

Schon als Teenager im spießigen Elternhaus spürt Reginald Kenneth Dwight, dass es ihn auf die Bühne, zum Pop und in seltsame Kostüme drängt. Rocketman (Pro Sieben, Montag, 20.15 Uhr) zeigt zunehmend zuckrig, wie er zu Elton John wird. Wer das zu süßlich findet: Auf Sixx läuft ein Doppelprogramm über die Hölle Pubertät. In Girls Club (20.15 Uhr) gerät Lindsay Lohan (2004 noch vorbildlich brav) in die toxische Clique von Rachel McAdams. Es folgt einer der pfiffigsten Teenager-Filme: In Einfach zu haben wird Olive (Emma Stone) als Flittchen gebrandmarkt. Doch das kluge Mädchen dreht den Spieß um und beschämt seine Ankläger. Eine Kernrolle fällt dem Roman Der scharlachrote Buchstabe zu, der kurioserweise auch in dem noch besseren, zu wenig bekannten Emma-Stone-Film Crazy, Stupid, Love (2011) von Bedeutung ist.

Gladiator

Abenteuer, ZDF Neo, Karsamstag, 20.15 Uhr

Nach gut einem Jahr ohne Kino fangen sogar Stammkunden an zu vergessen, warum man sich so gerne in dunkle Säle gesetzt hat. Gladiator ist ein außerordentlich gutes Beispiel dafür, was fehlt: Das Abenteuer über den kriegsmüden Römer Maximus (Russell Crowe), der verraten, verletzt und verkauft wird, bevor er eine Revolution anzettelt, lebt in Ridley Scotts Inszenierung von überlebensgroßen Bildern und Momenten, die die Grenzen des schärfsten Fernsehers sprengen. Das Kino war aber stets auch dafür da, mit kleinen Geschichten ein großes Publikum anzuziehen, das sehr demokratisch ein gemeinsames Erlebnis genoss. Schönes Beispiel: die Dramödie Ziemlich beste Freunde (BR, Samstag, 23 Uhr), in der ein Ex-Knacki (Omar Sy) einem gelähmten Millionär (François Cluzet) zeigt, wie man Handicaps überwindet. Neun Millionen Besucher in Deutschland. Derzeit unglaublich.

Bram Stoker's Dracula

Vampir-Melo, ZDF Neo, Nacht zu Ostersonntag, 0.35 Uhr

Die Erwartungen in diese Verfilmung des berühmtesten Vampirstoffs waren enorm, die erste Enttäuschung 1993 fast genauso groß. Denn Francis Coppola drehte statt eines simplen Genrereißers einen romantischen Experimentalfilm über die Quelle der Liebe; wie die traurige Titelfigur (Gary Oldman) setzt der Regisseur auf die Kraft der Verführung: mit Licht, Musik, Farben, Kostümen und etwas nackter Haut. Dracula will Mina (Winona Ryder), in der er die Wiedergängerin seiner ewigen Herzensdame Elisabeta sieht, nicht bloß in ein Geschöpf der Nacht verwandeln, sondern sie für sich gewinnen. Coppola zollt zugleich den Ursprüngen des Vampirfilms Tribut. In dem sensationellen Moment, in dem Jonathan Harker wie von Geisterhand in die Kutsche gehoben wird, ist der Film Murnaus Nosferatu (1922) näher als irgendeiner vor ihm.

Über den Dächern von Nizza

Krimikomödie, 3sat, Ostermontag, 20.15 Uhr

Als wäre herzhaftes Lachen in den Zeiten des Coronavirus besonders gefährlich, erleben wir gerade einen Mangel an intelligenten Komödien. Für manche ist eine hemmungslos alberne Produktion wie Unternehmen Petticoat (3sat, Sonntag, 20.15 Uhr) fast schon verantwortungslos, immerhin wird hier im Weltkrieg ein U-Boot durch Frauen annektiert. Cary Grant spielt den Commander auf herrlich fatalistische Art. In To Catch a Thief (Originaltitel), Alfred Hitchcocks Ausflug auf die Dächer der Côte d'Azur, ist Grant schicker und flinker, nachgerade katzengleich cool - das muss er aber auch sein, denn er darf sich mit der kecken Grace Kelly messen. Ihrem Trip nach Südfrankreich verdanken wir eine der elegantesten Krimikomödien der Filmhistorie. Langfristig aber verloren wir sie an Rainier III., den realen Fürsten von Monaco.

© SZ/sfi
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