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Fernsehen:Elternalbtraum

Die Schattenfreundin

Britta Hammelstein droht als Enführerin, die Mutter werde ihren Sohn nie wieder sehen.

(Foto: Michael Boehme/ZDF)

Warum gibt man einer nahezu Fremden das eigene Kind zum Aufpassen? Das ZDF zeigt einen sehr merkwürdigen Film über eine Entführung mit Britta Hammelstein, Miriam Stein und Harald Krassnitzer, den die Maske zum Clown verunstaltet.

Die Situation könnte für eine junge Mutter, die gerade in die Gegend gezogen ist, nicht erfreulicher sein. Kaum auf dem Spielplatz angekommen, lernt sie eine Frau kennen, mit der sie sich auf Anhieb gut versteht. Man hat zu reden, man sieht sich wieder, und als ein dringender Termin hereinplatzt, sagt die Mutter zu, als die neue Freundin anbietet, kurz auf den Sohn aufzupassen. So entsteht eine Situation, die für eine Mutter nicht unerfreulicher sein könnte. Als sie vom Termin zurückkehrt, ist die Frau verschwunden. Samt Sohn.

Damit beginnt der Horror, der den ZDF-Film Die Schattenfreundin tragen soll. Es geht um Verzweiflung, um Eheprobleme, um Männer, die etwas zu verschweigen haben, um Frauen, die mit ihrer Situation überfordert sind, aber auch um Frauen, die noch eine Rechnung offen haben. Nach der gleichnamigen Romanvorlage von Christine Drews hat Birgit Maiwald das Drehbuch geschrieben, und Michael Schneider hat die Regie übernommen. Miriam Stein spielt die Mutter des verschwundenen Kindes, und Harald Krassnitzer ist ihr Vater, ein ältlicher Allesversteher, der aber offensichtlich schon mehrfach in Abgründe geschaut hat.

Drumherum tummeln sich noch eine seltsam profillose Kommissarin und der Kindesvater, der in einer anderen Stadt arbeitet und nun seine Frau vor allem mit Vorwürfen überschüttet, obwohl auch er nicht ganz der Partner ist, den man sich gemeinhin wünscht. Um es kurz zu sagen: Alle Beteiligten scheitern krachend, denn an dem Film stimmt so ziemlich nichts, nicht die Führung der Figuren, nicht die Struktur der Handlung, und allein die seltsame Maske, die Harald Krassnitzer die Glatze eines Provinzzirkusclowns aufgepfropft hat, ist zum, nun, Haareraufen.

Man sieht, wie sich die Mutter auf die Suche nach der Kindesentführerin macht, wie sie immer tiefer eintaucht in die Vergangenheit ihrer Männer, wie sie lernt, niemandem mehr zu vertrauen. Gleichzeitig muss sie sich Fehler vorhalten lassen, die sie selbst gemacht hat. Wie kann man nur einer Frau, die man kaum kennt, das eigene Kind anvertrauen?

Über lange Strecken scheinen sich die Beteiligten mehr für ihre Konflikte zu interessieren als für das vermisste Kind. Es ist schwer zu beurteilen, wie man sich fühlte, würde das eigene Kind gekidnappt, aber irgendwie ist man sich als Zuschauer relativ schnell sicher: so nicht.

Da raschelt dem Gefühl nach in jeder zweiten Szene das Papier, weil die Schauspieler nur Sätze aufsagen und die Handlung einer Logik folgt, die immer mehr Verstrickung braucht, um den Zuschauer bei der Stange zu halten. Fröhlich soll hier wohl alles in Richtung Thriller eskalieren, und immer wieder versucht die Regie, mit billigen Effekten Spannung zu simulieren. Vergeblich.

Die Schattenfreundin, ZDF, Montag, 20.15 Uhr.