Fernsehdokumentation Stippvisite

Dramatische Szenen: Der OP-Saal im Klinikum Frankfurt-Höchst ist eine perfekte Kulisse für große Emotionen.

(Foto: Kabel eins)

Mehr als 100 Tage lang hat ein Kamerateam die Mitarbeiter eines Klinikums begleitet. Entstanden ist eine Doku-Serie, die aus neuen Blickwinkeln erzählt - und auch ohne besonders dramatische Fälle sehr emotional ist.

Von Michaela Schwinn

Das Mädchen brüllt, die kleinen Arme fliegen durch die Luft. "Nein, nein, nein", schreit es den Arzt an, so als ginge es um ihr Leben. Dabei versucht er nur, den Verband an ihrem Finger zu wechseln. Zwei Pfleger müssen helfen, um die strampelnden Beinchen festhalten. Die Doku-Serie Die Klinik zeigt Szenen wie diese, bei denen man als Zuschauer lieber wegschauen möchte, oder zumindest den Ton ein wenig leiser drehen. Es sind intime, echte Momente, die in Krankenhäusern normalerweise hinter verschlossenen Türen passieren. Wie die Geburt eines Kindes, das mit Nabelschnur auf die Brust der Mutter gelegt wird, oder die Reinigungskraft, die von den Blutspritzern im OP-Saal erzählt.

"Unverfälscht" und "hautnah" will die vierteilige Serie den Alltag im Klinikum Frankfurt-Höchst zeigen - einem der größten Krankenhäuser in der Mitte Deutschlands. Und genau das gelingt der Sendung auch, nicht weil sie - wie andere Krankenhausserien - besonders dramatische oder emotionale Fälle herausgreift, sondern, weil sie zeigt, was tagtäglich in den OP-Sälen und Behandlungszimmern passiert. Über 100 Tage haben Reporter und Kameramänner die Mitarbeiter des Klinikums begleitet, sie sind dabei, als ein junger Patient mit Hirnblutung in ein anderes Krankenhaus geflogen wird, als Anästhesist Tino Bastiani ein Baby einschlafen lässt und Krankenpflegeschüler Alessandro Nappi mit den Patienten über das Krankenhausessen scherzt. Sie drehten in der Notaufnahme, im Kreißsaal, auf der Palliativstation und im Krankenhauslager. Nicht ohne Grund rühmt sich die Serie damit, als erstes Format Zugang zu fast allen Klinikabteilungen bekommen zu haben.

Wo sonst nur Arzt und Patient sprechen, kommen auch Pfleger, Putzkräfte und Lageristen zu Wort

Die Dramatik des Klinikalltags hat sich ja längst bewährt. US-Serien wie Emergency Room oder Grey's Anatomy, aber auch deutsche TV-Dokus locken immer wieder mit genau diesem Thema erfolgreich viele Zuschauer vor die Bildschirme. Krankenhäuser sind die perfekte Kulisse: Hier beginnen Leben, andere enden, hier wird geweint, gehofft und gebangt. Es sind diese Emotionen, derer sich auch Die Klinik bedient. Neu ist, dass viele verschiedene Menschen und Perspektiven zu Wort kommen - Ärzte, Pfleger, Reinigungskräfte und Lageristen. Fast zu viele. Ihre Aussagen bleiben oft oberflächlich, und wirklich nahe kommt man den einzelnen Protagonisten nicht - viel zu oft wechseln die Sprecher. Trotz allem ist Die Klinik sehenswert. Denn sie zeigt, wie Menschen tagtäglich alles tun, um anderen zu helfen, wie vielfältig die Aufgaben in einem großen Haus sind, und wie verschiedene Bereiche zusammenarbeiten müssen, damit Patienten wieder gesund werden. Es sind Einblicke, die sonst hinter verschlossenen Türen bleiben.

Die Klinik, vier Folgen, Kabel 1, von 17. Juli an dienstags, 20.15 Uhr.