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Fernseh-Wahlkampf in den USA:Reality-TV hat einen neuen Wilden Westen

Die Republikaner in den USA suchen einen Präsidentschaftskandidaten - und eine Fernsehdebatte jagt die nächste. Die Kandidaten schlagen sich mit skurrilen Ausrutschern und absurden Statements selbst. Vor allem aber zeigen die Live-Debatten, wie Politik in Amerika zu einer neuen Form des Reality-Fernsehens geworden ist.

Rick Perry: "Ich sage Ihnen: Drei Bundesbehörden sind weg, wenn ich Präsident werde. Handel, Bildung und - was ist gleich wieder die dritte? Warten Sie. Also: Handel, Bildung und die . . .

Drake University Hosts ABC News GOP Presidential Debate

Als die Republikaner im Jahr 2000 ihren Kandidaten suchten, ließen sie die Anwärter drei Mal zum öffentlichen Schlagabtausch antreten. In diesem Jahr fanden bereits zwölf Fernsehdebatten statt, zehn weitere sind geplant. Im Bild: Rick Perry, Mitt Romney, Ron Paul, Newt Gingrich, Ron Paul und Michele Bachmann (v.l.) in Des Moines, Iowa.

(Foto: AFP)

Moderator: "Sie können die dritte nicht nennen?"

Perry: "Ich würde Handel und Bildung schließen und, Moment, nein, ich komme nicht darauf. Sorry. Oops."

Rick Perry, texanischer Gouverneur, galt als aussichtsreichster Bewerber für die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner. Doch nach seinem "53-Sekunden-Meltdown" bei der Fernsehdebatte im November war er erledigt. Seine Umfragewerte stürzten ab, heute redet niemand mehr von ihm.

So kann es gehen, wenn eine Partei den Vorwahlkampf, der bisher vor allem in Provinzhallen und Kleinstadt-Diners geführt wurde, zum Fernsehspektakel macht. Als die Republikaner im Jahr 2000 ihren Kandidaten suchten, ließen sie die Anwärter drei Mal zum öffentlichen Schlagabtausch antreten. Allein in diesem Jahr fanden bereits zwölf Fernsehdebatten statt, zehn weitere sind geplant. Die Zuschauer können kaum genug davon bekommen. Bis zu sechs Millionen, nahezu doppelt so viele wie vor vier Jahren, verfolgen die Debatten.

Das Interesse zieht auch Männer wie Donald Trump magnetisch an, der in jedem Wahlkampf mitmischt, um sich selbst und sein jeweils neuestes Buch zu bewerben und als Debatten-Impresario auftreten wollte. Dass Trump am Dienstag kleinlaut absagen musste, weil nur zwei Kandidaten mitmachen wollten, ändert nichts am korrekten Befund: Trump hat verstanden, dass aus der einstigen Beflissenheitsveranstaltung Fernsehdebatte eine Variante des Reality-TV geworden ist. Mit inszenierter Wirklichkeit kennt sich der großspurige Unternehmer aus, der seit dem Start seiner Ego-Show The Apprentice 2004 als Moderator bekannter ist als als Immobilienzar.

Wie die alternierend schluchzenden, schmollenden und keifenden Millionärsgattinnen der Serie Real Housewives, die das amerikanische Fernsehpublikum mit ihren Kabalen erfreuen, liefern auch die giftenden und prahlenden politischen Kandidaten tollen Fernsehstoff. Dass sie sich dabei stets um "präsidentielles" Auftreten bemühen müssen, macht die Sache nur noch reizvoller.

Die Sender, die die Debatten reihum ausrichten, nutzen die Veranstaltungen, um ihre journalistische Glaubwürdigkeit zu beweisen und ihr bestes Personal auszustellen, also Anderson Cooper (CNN), Wolf Blitzer (CNN) und George Stephanopoulos (ABC). Alle Beteiligten machen wichtige Gesichter, schließlich geht es um die Zukunft Amerikas.

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