Oliver Twist
Sozialdrama, Servus TV, Samstag, 20.15 Uhr
Von Oliver Twist weiß man, dass er ein Waisenjunge ist und ständig Hunger hat. In die Literaturgeschichte ein ging der Satz: "Please Sir, I want some more" (deutsche Übersetzung: hier Suppe einflößen). Außer Essen will Oliver Twist aber auch den ständigen Prügeln im Waisenhaus entgehen und macht sich auf den Weg nach London, in die große Stadt. Dort schließt er sich einer jugendlichen Diebesbande an, trifft Gut (in Gestalt von Ben Kingsley) und Böse (in Gestalt von, wie sollte es anders sein, Mark Strong), und weil es sich um die Verfilmung des gleichnamigen Charles-Dickens-Romans handelt, geht's natürlich gut aus. Davor sollte man die Verfilmung aber nicht vorschnell als Kinderkram abtun, denn Spannung und Brutalität reichen weit über das übliche Maß in Kinderfilmen hinaus - aber wen überrascht das, wenn Roman Polański Regie führt?
Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (2)
Fantasy, Sat 1, Samstag, 20.15 Uhr
Die abschließende Szene von J. K. Rowlings Romanreihe über einen Zauberlehrling war für viele Fans ein harter Schlag. Im Epilog - und nein, man verrät damit nicht zu viel - wurde alles, was offenbleiben hätte können, auserzählt. Alles. Die letzten Seiten töteten zugleich Spannung und Sympathie für die Figuren mit einem Streich. Wie gut, dass Warner aus den sieben Büchern sogar acht Filme gemacht hat, die Hälfte davon unter der Regie von David Yates, und damit, dem Zaubererhimmel sei Dank, mit gebührendem Krawall. Wie Harry, Ron und Hermine versuchen, den bösen Überzauberer Voldemort zu besiegen, wird erst wirklich spannend, wenn die üblichen Teenagerprobleme in den Hintergrund treten: Der zweite Teil der Heiligtümer des Todes ist ein einziger stürmischer (und windiger) Showdown.
Nobody ist der Größte
Spaghettiwestern, Kabel 1, Sonntag, 20.15 Uhr
"Du hast ja 'n Loch im Zahn, das riecht ja schon!" Na? Lustig, oder? Und was halten Sie davon: Ein Sergeant der Kavallerie will seiner Truppe gerade Disziplin beibringen, da fragt ein aufmüpfiger Kerl: "Kann ich solang in die Kantine gehen?" Der, der da fragt, ist niemand anderes als Terence Hill, und wer da nicht wenigstens kichern muss, findet Nobody ist der Größte (1975) wahrscheinlich eher mäßig. Der Film ist, genau wie der Vorgänger-Klamauk Mein Name ist Nobody (1973) ein einziger, wunderbarer Italowestern-Schmarrn. Die Handlung ist noch loser aneinandergereiht als beim Vorgänger, es geht um Gerechtigkeit für die indigenen Ureinwohner (im Film noch "Indianer" genannt), vor allem aber um den Blick von Terence Hill, Kloppereien und gewohnt niveauvolle Sprüche. Davon: zuhauf.
Der fantastische Mr. Fox
Animationsfilm, 3sat, Sonntag, 15 Uhr

Tradition der Füchse ist es, Hühner zu stehlen. Leider ist das nicht ungefährlich (Stichwort: Fuchsfalle!), deswegen will Mr. Fox sich einen neuen Job suchen. (Okay, eigentlich würde er gerne ein Dieb bleiben. Aber seine Frau ist schwanger, und er kann jetzt nicht mehr nur an sich selbst denken.) Doch so ganz klappt's nicht mit dem ruhigen Leben, denn eines Tages beschließt der fantastische Mr. Fox: Er hat den Bau satt. Also, den Fuchsbau. Das Leben in einem Loch. Das ist nicht ungefährlich und sehr, sehr lustig. Das Drehbuch zum Film über eine ganz besondere Fuchsfamilie mit ganz normalen Alltagsproblemen schrieben Noah Baumbach (Marriage Story) und Wes Anderson (Grand Budapest Hotel); einen besseren Grund, mitten an einem Sonntagnachmittag den Fernseher einzuschalten, gibt's kaum.