„Fluch aber dem, der Rache sagt! Diese Rache, Rache für eines Säuglings Blut hat auch der Satan nicht erzeugt“: So schrieb der israelische Nationaldichter Chaim Nachman Bialik 1903 in seinem monumentalen Gedicht „In der Stadt des Schlachtens“, mit dem er auf das Pogrom von Kischinew reagierte, dem heutigen Chișinău. Für Bialik stehen die Verbrechen des Pogroms jenseits von Strafe, Rache oder gar Versöhnung. Wo das absolut Böse die Politik übermannt, greifen die Kategorien menschlicher Gerechtigkeit nicht mehr. Es gibt keine Erlösung nach diesen Taten. Das Pogrom hinterlässt eine Leere, in der kein Souverän da war, um die Opfer zu schützen. Der 7. Oktober 2023 rief Bialiks Zeilen grausam ins Gedächtnis: Es war, als ob die „Stadt des Schlachtens“ in die israelische Wirklichkeit einbrach.
FilmWie weit darf Rache gehen?
Lesezeit: 6 Min.

Das Team von „Fauda“ setzt seine Vorstellung von Gerechtigkeit selbst durch.
Courtesy of NetflixDie fünfte Staffel der Actionserie „Fauda“ und die von Israels Regierung scharf verurteilte Dokumentation „Naza“ betreiben höchst unterschiedlich die filmische Aufarbeitung des 7. Oktobers und Gazakrieges. Schwer anzusehen, aber schwer sehenswert.
Gastbeitrag von Natan Sznaider
