Süddeutsche Zeitung

60 Jahre "Flintstones":Jabadabaduuuu!

Als erste Zeichentrick-Serie schaffte es "Flintstones" in die Primetime des amerikanischen Fernsehens. In diesem Steinzeit-Matriarchat sind allemal die Kinder subversiv.

Von Fritz Göttler

Zwei Schreie sind es, die seit sechzig Jahren aus den Fernsehgeräten in aller Welt wieder und wieder hallen, zwei Ur-Schreie gewissermaßen, "Jabadabaduuuu!" und "Wiiilmaaa". Fred Feuerstein ist der Urheber dieser Schreie, der Ehemann und Vater im Steinzeitstädtchen Bedrock, wo die Zeichentrickserie The Flintstones oder auf Deutsch Familie Feuerstein spielt. Im ersten Schrei steckt jede Menge Dynamik, Überschwang und Glücksgefühl, all das also, was schon eine Steinzeit-Männerseele überströmen ließ. Der zweite beschließt jeweils die Folgen der Serie - der Moment, da die Familie Feuerstein sich in ihr Heim und zur Ruhe begibt. Fred packt das Haustier am Genick, einen schnuckeligen Säbelzahntiger, und setzt ihn vor die Haustür, der aber springt frustriert durchs Fenster zurück und platziert seinerseits Fred vor die Haustür. Fred bumpert verdutzt gegen die verschlossene Tür: "Wiiilmaaa ..." Die zappeligen Schläge des Ausgesperrten haben uns damals gehörig erschreckt, als die Serie 1966 auch im deutschen Fernsehen zu sehen war, das Bild, das dieser mittelalte weiße Mann abgab in diesem Steinzeitmatriarchat, dokumentierte eine groteske Hilflosigkeit.

Die Flintstones waren die erste Zeichentrickfilmserie, die es ins amerikanische Primetime-Fernsehen schaffte. Sie zeigte sehr vertraute, irgendwie spießige Familien- und Gesellschaftsstrukturen in einer sehr fremden Umwelt, der Steinzeit, die freilich ohne die Errungenschaften unserer modernen Zivilisation nicht auskommen wollte - und diese vor allem mithilfe eines bedenkenlosen, tierethisch fragwürdigen Einsatzes von Tieren bewerkstelligte. Ein Specht fuhr mit seinem spitzen Schnabel die Rillen einer Steinzeitschallplatte ab und brachte sie zum Klingen, ein anderer Vogel wurde zum Heckenschneiden zweckentfremdet, und unter der Spüle in der Küche hockte ein vollgestopfter Müllschlucker. Die Tiere waren natürlich not amused mit ihren Jobs. Die Ehemänner, Fred und sein Kumpel Barney Geröllheimer, arbeiten - wo denn sonst - in einem Steinbruch, da gibt es, ebenfalls tierisch, eine Fabriksirene und eine Stechuhr.

Die Animationskünstler William Hanna und Joseph Barbera schufen die Serie, die es auf sechs Staffeln brachte. Sie hatten lange beim Studio MGM Tom und Jerry betreut, als die Trickfilmabteilung dort geschlossen wurde, zogen sie ins Fernsehen, wo sie für Yogi Bär, Huckleberry Hound und die Jetsons zuständig waren. Nun mussten sie wöchentlich liefern, hatten sehr viel weniger Zeit zur Verfügung - die Anarchie der Kino-Cartoons, wie sie in den Vierzigern und Fünfzigern Tex Avery oder Chuck Jones entfalteten, war endgültig vorbei. Die Feuersteins waren zweidimensionale Figuren, sie bewegten sich mechanisch und monoton, und zelebrierten, wie die meisten Familienserien damals, eine durchtriebene Spießigkeit. Die Männer, Fred und Barney, schienen stets einen Bartschatten am Kinn zu haben, die Frauen, Wilma und Betty, hatten alles fest im Griff.

Subversiv waren allemal die Kinder, das Mädchen Pebbles und der Junge Bamm-Bamm - Letzterer wurde adoptiert, weil Betty keine Kinder bekommen kann, was für eine Primetime-Serie eher ungewöhnlich war. Die Männer gehörten offenbar zum Hausrat, wenn Fred sich ausgesperrt sieht, befindet er sich in Gesellschaft der leeren Milchflasche, die abends für den Milchmann vor die Tür gestellt wird.

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