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Facebook News:Die blaue Zeitung

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So sieht Facebook News aus. Die Funktion soll ein bisschen Frieden zwischen Facebook und den Verlagen stiften.

(Foto: Facebook)

Facebook startet seine News-Funktion, die deutschen Medien neue Leser und Einnahmen bringen soll. Es ist ein Friedenszeichen - vorher gab es jahrelang Streit ums Geld.

Von Jannis Brühl

In der deutschen Facebook-App taucht dieser Tage ein neues Symbol am Bildrand auf: eine kleine Zeitung, die beim Antippen blau wird. Wer tippt, bekommt Anreißer zu Artikeln von mehr als hundert deutschen Medien zu sehen: Welt und Bild, Spiegel, Portale der Funke-Gruppe, Frankfurter Allgemeine Zeitung, auch die Süddeutsche Zeitung ist dabei. Dazu kommen regionale Titel wie die Lausitzer Rundschau. Facebook News heißt die Funktion. "Zum ersten Mal gibt es das Produkt in einer nicht-englischen Sprache", erklärt Guido Bülow, bei Facebook zuständig für Medienkooperationen in Mitteleuropa. Ziel sei ein "großartiges Erlebnis für die Menschen und die Nachrichtenbranche", schwärmt er. Was er nicht sagt: Facebook News ist - wie das ähnliche Feature in Googles App - ein Versuch der Befriedung.

Denn seit Jahren tobt ein Streit zwischen deutschen Verlagen und den großen Internet-Plattformen Facebook und Google. Es geht darum, wie die Medien mit ihren Inhalten Geld verdienen können, die auf den Plattformen verbreitet werden. Schließlich kontrollieren die beiden Konzerne einen großen Teil des Online-Anzeigengeschäfts. Im Zuge von Facebook News zahlt der Konzern aus Kalifornien nun. Weltweit will er über die kommenden drei Jahre eine Milliarde Dollar an Verlage ausschütten.

Einige Verlage drängen seit nunmehr einem Jahrzehnt darauf , die US-Plattformen gesetzlich zu verpflichten, ihnen Geld für die Verbreitung von Links zu Artikeln zu zahlen. In Australien und Frankreich konnten sie strenge Regeln durchsetzen. Mit dem neuen EU-Leistungsschutzrecht, das Google und Facebook zum Zahlen verpflichten soll, habe Facebook News aber nichts zu tun, beteuern sowohl Springer als auch Facebook. Dabei ist das Gesetz ein Druckmittel, das Facebooks Bereitschaft zur Kooperation erhöht haben dürfte. Auf EU-Ebene ist es beschlossen, in Deutschland aber anders als in Frankreich noch nicht umgesetzt.

Noch sehen viele Facebook-Nutzer kein Zeitungssymbol in ihrer App oder auf der Webseite. Das Ausrollen der Funktion auf alle Handys und Computer wird sich über Wochen ziehen. Dann werden Nutzer Anreißer zu Artikeln jener Medien sehen, mit denen Facebook sich geeinigt hat. Die Artikel werden vor allem von einem Algorithmus ausgewählt. Er soll lernen, welche Themen Leser besonders interessieren. Ganz oben in "News" stehen allerdings zwei bis drei "Themen des Tages", die Journalisten auswählen. Dabei kommt Springer eine Schlüsselrolle zu. Denn die Journalisten, die die Texte kuratieren, arbeiten in einem speziellen Team der Springer-Tochter Upday. Deren Hauptprodukt ist eine Nachrichten-App, die auf Samsung-Smartphones vorinstalliert ist. Was bedeutet, dass Springer-Mitarbeiter über die Präsentation von Artikeln anderer deutscher Verlage entscheiden. Ein Springer-Sprecher sagte dazu: "Upday wäre bei zahlreichen Publishern in Europa als Partner sicherlich nicht so beliebt und angesehen, wenn die das Gefühl hätten, Upday würde Axel-Springer-Inhalte bevorzugt behandeln." Am Montag war bekannt geworden, dass Springer und Facebook einen Deal über die weltweite Verbreitung von Artikeln und Videos abgeschlossen haben.

Auch der private Rundfunk soll bald sichtbarer auf den großen Online-Plattformen werden - per Gesetz. Im Zuge des neuen Medienstaatsvertrags haben die Landesmedienanstalten nun eine Liste eingerichtet, auf die sich Medienhäuser bewerben können. Die Plattformen müssen Angebote dieser Medien prominenter ausspielen. Das soll private Radio- und Fernsehsender auf Google und Facebook, aber auch in Smart-TVs leichter auffindbar machen.

© SZ/hy
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