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Journalismus und Soziale Netzwerke:Facebook schraubt am Algorithmus

FILE PHOTO: A Facebook logo is displayed on a smartphone in this illustration

Facebook ändert seinen Algorithmus - in Zukunft werden in den News Feeds der Nutzer die Nachrichten anders sortiert.

(Foto: Dado Ruvic/Reuters)

Das soziale Netzwerk will die Reihenfolge der dargestellten Nachrichten ändern und nach Quellen filtern - rechtzeitig zur Präsidentschaftswahl.

Seit Wochen ist es unruhig bei Facebook. Am Dienstag gab das Unternehmen nun bekannt, dass es Änderungen am Algorithmus vornehmen will, allerdings geht es dabei nicht um Werbung wie rund um den Ärger mit der "StopHateforProfit-Aktion", sondern um Journalismus: Der News Feed, der jedem Benutzer und jeder Benutzerin ausgespielt wird, soll nach zwei Faktoren verändert werden. Beide betreffen die Qualität von Nachrichten: Einerseits sollen ab sofort Artikel weiter nach oben rutschen, die Facebook als "Ursprungsquelle" eines Themas identifiziert. Und andererseits sollen Nachrichten, die keine transparenten Informationen über die Redaktion oder den Verlag offenlegen, im News Feed herabgestuft werden.

Vereinfacht und theoretisch heißt das: Wer die Informationen, die er verbreitet, belegen kann und schnell ist, rutscht nach oben. Wer Unsinn verbreitet, soll weiter unten im News Feed landen.

Wie viel sich letztlich für die Facebook-Nutzer und -Nutzerinnen ändert, ist fraglich. Auch weiterhin werden die Mitglieder nur Nachrichten in ihrer Timeline ausgespielt bekommen, die ihre Freunde und Follower sich anzeigen lassen und teilen - und natürlich Nachrichtenquellen, die sie selbst abonniert haben.

Facebook wurde in der Vergangenheit immer wieder dafür kritisiert, Nachrichten von Qualitätsmedien nicht von Fake-News-Produktionen zu unterscheiden. Dass die Algorithmus-Änderung rechtzeitig vor der anstehenden Präsidentschaftswahl in den USA passiert, dürfte kein Zufall sein.

© SZ.de/tmh
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