Ex-Schauspieler Gregor Weber in Kundus "Ich vermisse das bayrische Bier"

Seit April 2013 tut Ex-"Tatort"-Kommissar und Autor Gregor Weber als Soldat in Afghanistan Dienst. Als Pressefeldwebel unterstützt er deutsche Soldaten und Journalisten. Im Interview erzählt Weber, was er an Deutschland wirklich vermisst und ob er zur Schauspielerei zurückkehren will.

Von Katharina Nickel

Drei Jahre lang stand Gregor Weber gemeinsam mit Maximilian Brückner als Kommissar im Tatort vor der Kamera. Bis der Saarländische Rundfunk das Duo 2011 unerwartet absetzte. Danach schrieb Weber zwei Bücher, darunter auch einen Kriminalroman. Jetzt ist er im afghanischen Kriegsgebiet im Einsatz. Seit April betreut er als Pressefeldwebel Journalisten am Hindukusch. Im Juli wird Weber zu seiner Frau und seinen Kindern nach Bayern zurückkehren. SZ.de fragte nach, was er sich von seiner Arbeit am Bundeswehrstandort Kundus erwartet, und was er an Deutschland wirklich vermisst.

SZ.de: Herr Weber, wieso geht ein ehemaliger Tatort-Kommissar als Soldat nach Afghanistan?

Gregor Weber: Der Tatort und mein Afghanistan-Einsatz stehen in keinerlei Zusammenhang. Als ich mit der Recherche für meinen Kriminalroman "Feindberührung" begann, der von einem ehemaligen Afghanistan-Kämpfer handelt, interessierte ich mich zunehmend für die Arbeit der Bundeswehr. Ich hatte als früherer Grundwehrdienstleistender natürlich eine Vorbildung, aber ich wollte die Situation vor Ort einfach selbst erleben. Vor ein paar Jahren habe ich dann angefangen, bei Wehrübungen mitzumachen, etwa bei der Luftlandebrigade. Bis schließlich 2009 das Angebot kam, als Pressefeldwebel zu arbeiten.

Was erhoffen Sie sich von Ihrem Einsatz?

Im Allgemeinen trieb mich die Neugier nach Kundus. Ich wollte selber erfahren, was es heißt, für die Bundeswehr im Einsatz zu sein. Außerdem erhoffe ich mir das Gefühl, wieder nach Hause zu kommen und zu denken: Es war sinnvoll. Sinnvoll für mich persönlich, aber auch für die Gemeinschaft. Das geht meinen Kameraden im Feldlager nicht anders.

Kam Ihre Waffe schon zum Einsatz?

Zum Glück noch nicht. Aber in diesem Land und in dieser Situation, in der es momentan steckt, kann man nie sagen, wie sich die Dinge entwickeln werden. Vor vier Wochen etwa fiel einer unserer Kameraden im Außeneinsatz.

Wie sieht Ihre Tätigkeit als Pressefeldwebel aus?

Ich bin weder "Drinni" noch "Draußi". Unser Team begleitet Soldaten auf Außenoperationen und geht auch selbst raus. Das hat sich in den vergangenen Jahren so bei der Bundeswehr bewährt. Bis jetzt ist jedenfalls alles noch nicht dramatisch. Ich habe großes Glück mit meinem netten Stubenkameraden und die Stimmung im Lager ist gut. Sicher, die Situation ist schwierig, wir sind so weit weg von zu Hause und die Ablenkungen halten sich, abgesehen von unserem wöchentlichen Kino-Abend, in Grenzen. Vor allem aber vermisse ich das gute bayrische Bier und die schönen Biergärten.

Wie hat Ihre Familie Ihre Entscheidung aufgenommen?

Meine Frau war anfänglich nicht begeistert. Aber seitdem ich ihr erklärt habe, warum ich das tun muss, steht sie hinter mir.

Haben Sie Pläne für die Zeit nach dem Einsatz?

Erst einmal werde ich mich freuen, wieder zu Hause zu sein und mir ein schönes Helles genehmigen. Seit ich im Hindukusch im Einsatz bin, trinke ich nämlich nicht mehr. Limonade muss als wohlverdientes Feierabendgetränk reichen. Wenn dann alle meine Koffer ausgepackt sind, schreibe ich wieder ein Buch, höchstwahrscheinlich einen weiteren Kriminalroman. Auch das Thema Afghanistan-Einsatz werde ich darin behandeln. Eine Rückkehr zur Schauspielerei kommt für mich - jedenfalls hauptberuflich - nicht mehr in Frage.