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"Everything's Fine" auf Netflix:Komisch

SARAH COOPER: EVERYTHING'S FINE, Pressebild Netflix

Sarah Cooper in "Everything's Fine".

(Foto: Lacey Terrell/Netflix)

Sarah Cooper wurde berühmt, weil sie Donald Trumps Rhetorik als das darstellt, was sie tatsächlich ist: wirres Gerede. Nun hat sie ein Special auf Netflix. Kann das gutgehen?

Von Theresa Hein

Die US-amerikanische Comedian Sarah Cooper wurde im Frühjahr weltberühmt, als sie ein Kurzvideo auf Tiktok postete, in dem sie Donald Trump imitierte. Der Ton kam vom US-Präsidenten, und Sarah Cooper machte sehr gekonnt eine Mimik dazu. Dabei tat sie in diesem und in den zahlreichen Videos, die ihrem ersten folgten, gar nicht erst so, als sei sie Trump. Sie blieb seit der ersten Imitation immer sie selbst, Sarah Cooper, die die Lippen zum neuesten Nonsens des US-Präsidenten bewegte. Kathartisch seien diese Videos für sie, sagte Sarah Cooper in einem Interview mit der SZ.

Im neuen, 49-minütigen Netflix-Special Sarah Cooper: Everything's Fine überrascht deshalb, dass dieser erfolgreiche Cooper-Minimalismus leider völlig fehlt. Eine Vielzahl von Figuren taucht auf, gespielt nicht nur von ihr, sondern auch von Jon Hamm, Ben Stiller, Maya Rudolph und Winona Ryder. Cooper agiert in einer Art Rahmenhandlung als Fernsehmoderatorin, die angesichts der Weltlage und der politischen Situation in den USA langsam die Nerven verliert. In diversen Telefonschalten und Einspielern kommen Gäste und Mitglieder ihres Teams zu Wort. Die Rapperin Megan Thee Stallion etwa gibt mit einem Cognacschwenker in der Hand Tipps zum Coronavirus-Work-out, ein Kopfkissenspezialist bewirbt seine Corona-Impfung, Ben Stiller spielt einen Roboter, der Vorwürfe sexueller Belästigung am Hals hat. Und Whoopi Goldberg berichtet etwas über den Ursprung von "Karens" (in den USA häufig synonym gebraucht für weiße, selbstgerechte, etwas rassistische Frauen) in der Gründerväterzeit. Dazwischen schaltet sich immer mal wieder "der Präsident" in Videos ein und gibt Sarah Cooper Gelegenheit, ihre Paraderolle einzunehmen: als Mimik-Ersatz von Donald Trump.

Klingt alles lustig. Ist es aber nicht. Warum?

Vielleicht, weil das "Special", das arg aussieht wie aneinandergereihte Sketche einer Late-Night-Show, zwei Probleme hat. Erstens: Everything's Fine kann sich nicht entscheiden, ob es ein Best-of-Trump-Tiktok sein will oder die Parodie von US-amerikanischem Frühstücksfernsehen oder eine Teleshopping-Satire.

Natürlich gibt es komische Momente, etwa die mit Jon Hamm, da muss man einfach lachen. Das liegt aber weniger am Skript als an der Tatsache, dass Hamm als Don Draper in Mad Men den Übermann des 20. Jahrhunderts spielte und nun mit einem riesigen Schnurrbart als dümmlicher Dr. Pillow ins Bild kommt. Ähnlich ist es, als Winona Ryder mal wieder ihre beste Seite zeigt - die am Rande des nervlichen Zusammenbruchs.

Aber die größere Schwierigkeit von Everything's Fine ist: Es wird viel Mühe darauf verwendet, die gesellschaftspolitischen Konfliktlinien, die die Trump-Regierung verschärft - Schwarz gegen Weiß, Frau gegen Mann, Arm gegen Reich, Fakten gegen Verschwörungstheorien, Ohnmacht gegen Macht -, in ein humorvolles Licht zu rücken. Zu viel Mühe, die auch noch absurd quersteht zum tatsächlichen Gewicht der adressierten Probleme und den Auswirkungen auf die Gegenwart. "Her mit dem schweren Stoff, wir machen was draus", mag man sich gesagt haben. Heraus kommt keine feinsinnige Satire, sondern Geblödel. (Na gut, starbesetztes Geblödel, immerhin ist Dame Helen Mirren in der Neuauflage des "Grab 'em by the pussy"-Videos.)

Aber neben einem genervten "Ich hab's wirklich kapiert" bleibt dabei die Frage hängen, ob Komik wirklich immer ein gutes Instrument ist, um sich mit Krisen zu beschäftigen. Zumal in den vergangenen sechs Corona-Monaten mehr als ein halbes Jahr vergangen zu sein scheint. Sarah Cooper greift dieses Phänomen am Anfang von Everything's Fine sogar auf, als sie sagt, man habe das Gefühl, in sechs Monaten um 14 Jahre gealtert zu sein. Eine Begleiterscheinung dieses Gefühls: Was im Frühjahr noch schockierte, ist inzwischen nicht mehr der Rede wert. Humor macht da keine Ausnahme, entsprechend schlecht altern Corona-Witze.

Ganze zwölf Autorinnen und Autoren haben an diesen 49 Minuten mitgewirkt, man fragt sich, wie viel Sarah Cooper eigentlich noch darin steckt, die ihre Ideen Anfang des Jahres einfach zur Pandemie gereicht hat: unaufgeregt, mühelos, nebenbei fast. Und dabei: so unbedingt lustig.

Sarah Cooper: Everything's Fine, Netflix.

© SZ/cag/khil/beg
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