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Eurovision Song Contest:Russischer Staatssender boykottiert ESC

Russische ESC-Teilnehmerin Julia Samoilowa

Julia Samoilowa am 7. März 2014 in Sotschi bei der Eröffnungsfeier der Paralympischen Winterspiele.

(Foto: dpa)
  • Da die russische Kandidatin nicht am Eurovision Song Contest in Kiew teilnehmen darf, soll die Veranstaltung nun auch nicht im russischen Staatsfernsehen übertragen werden.
  • Der ukrainische Geheimdienst hatte der Sängerin Julia Samoilowa die Einreise verboten - wegen eines früheren Auftritts auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim.
  • Die 27-Jährige erhält von ihrem Land nun aber eine Auftrittsgarantie für den ESC 2018.

Das russische Staatsfernsehen wird den Eurovision Song Contest (ESC) in der Ukraine wegen des Einreiseverbots für die russische Kandidatin Julia Samoilowa nicht übertragen. Das teilte der Sender Pervy Kanal in Moskau mit.

Der Sender halte eine Übertragung in der jetzigen Situation nicht für möglich, sagte eine Moderatorin des Kanals. Die Vorwürfe der ukrainischen Behörden gegen die russische Kandidatin seien haltlos, das Land versuche den Wettbewerb zu politisieren. Die Diskriminierung der im Rollstuhl sitzenden Sängerin verstoße gegen die Regeln und Prinzipien des Wettbewerbs.

Samoilowa war 2015 auf der Krim aufgetreten. Kiew wertet Reisen auf die 2014 von Russland annektierte Halbinsel aber als Grenzverletzung, wenn sie ohne Zustimmung der ukrainischen Behörden geschehen. Solche Verstöße werden mit einer mehrjährigen Einreisesperre geahndet.

Als die 27-jährige Sängerin Mitte März zur russischen ESC-Teilnehmerin bestimmt worden war, brachte das die Ukrainer in eine Zwickmühle: Entweder sie verweigerten Samoilowa die Teilnahme am ESC - oder sie müssten vom Prinzip abweichen, dass Kiew das Hoheitsrecht über die Krim besitzt. Der ukrainische Geheimdienst hatte sich gegen eine Ausnahmeregelung entschieden. Russland kritisierte das Einreiseverbot für seine Kandidatin als "ungeheuerlich". Es handele sich um einen "weiteren zynischen und unmenschlichen Akt", sagte Vize-Außenminister Grigori Karasin.

Die Generaldirektorin der Europäischen Rundfunkunion (EBU), Ingrid Deltenre, hatte gedroht, die Ukraine künftig vom ESC auszuschließen, sollte der Einreisebann gegen die Kandidatin nicht aufgehoben werden. Die Regierung in Kiew verwahrte sich gegen diese Ankündigung. Die EBU hatte dem russischen TV-Sender außerdem angeboten, Samoilowa per Satellitenübertragung am ESC teilnehmen zu lassen. Dies lehnte der Kanal jedoch ab.

Russland garantiert Samoilowa ESC-Auftritt im kommenden Jahr

Landesweit bekannt geworden war die heute 27-jährige Samoilowa als Finalistin der Talentshow Faktor A. Dort hat sie Alla Pugatschowa unter ihre Flügel genommen, seit einem halben Jahrhundert die unangefochtene Königin des russischen Schlagers. Russland gibt Samoilowa nun eine Auftrittsgarantie für den Eurovision Song Contest 2018. Dies sei mit dem internationalen Veranstalter EBU so vereinbart worden, sagte der Chef des TV-Senders Pervy, Konstantin Ernst, in Moskau der Agentur Interfax zufolge.

Die Halbfinale des ESC 2017 finden am 9. und 11. Mai in der ukrainischen Hauptstadt Kiew statt, am 13. Mai folgt das Finale. Für Deutschland tritt die Sängerin Isabella Levina Lueen an.

© SZ.de/dpa/AFP/ihe/dayk

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