ESC - Stimmabgabe wird geprüft Baku grämt sich wegen null Punkten für Russland

Auch nach dem Finale des Eurovision Song Contests mangelt es nicht an Skurrilitäten: Der Präsident von Aserbaidschan lässt nun ermitteln, warum sein Land keinen einzigen Punkt an Russland gab.

"Wie du mir, so ich dir" - in etwa nach diesem Motto werden beim Eurovision Song Contest traditionell oft hohe Punktzahlen zwischen Ländern ausgetauscht, die sich in irgendeiner Weise nahestehen. Überraschungen gibt es trotzdem immer wieder.

Wie die britische BBC und andere Medien berichten, ist nun der Präsident von Aserbaidschan, Ilham Alijew, äußerst irritiert von der Tatsache, dass sein Land beim Finale am vergangenen Samstag null Punkte nach Russland schickte.

Umgekehrt hatte Russland die höchstmögliche Punktzahl an Farid Mammadov, den Kandidaten aus Aserbaidschan, vergeben. Dieser kam mit seinem Lied "Hold me" am Ende sogar auf den zweiten Rang des Songwettbewerbs.

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Die Russin Dina Garipova, einst stolze Siegerin einer russischen TV-Castingshow, gelangte mit ihrem Lied "What If" in Malmö zwar auf einen guten fünften Platz. Dass dies aber ohne jegliche Hilfe aus Aserbaidschan geschah, bringt Offizielle in dem autoritär regierten Land dazu, Manipulationen zu vermuten.

Tatsächlich hätten sowohl Zuschauer als auch die Jury aus Baku den russischen Beitrag stark unterstützt. Der Botschafter von Aserbaidschan in Russland, Polad Bulbuloglu, hat mittlerweile bekanntgegeben, dass Präsident Alijew eine Untersuchung durchführen lasse - inklusive Neuauszählung der Stimmen. Bulbuloglu zufolge hätten zehn Punkte an Russland gehen müssen, wenn man sich an den Stimmen orientiere, die per SMS abgegeben wurden.

Die Angelegenheit wirkt skurril, wird aber offenbar sehr ernst genommen. Man hoffe sehr, dass der Zwischenfall - "möglicherweise von bestimmten Interessensgruppen ausgelöst" - keinen Schatten auf die brüderlichen Beziehungen zwischen dem russischen und dem aserbaidschanischen Volk werfen werde, zitiert die BBC Camil Guiljew, den Chef des Staatsfernsehens von Aserbaidschan.

Außenminister Sergej Lawrow warf Aserbaidschan während eines im Fernsehen übertragenen Gesprächs mit seinem Amtskollegen indes "Stimmenraub" vor. "Diese haarsträubende Aktion darf nicht unbeantwortet bleiben", forderte Lawrow. Selbst falls die angekündigte Untersuchung den Verdacht der Fehlerhaftigkeit bestätigt, dürfte das aber für das Endergebnis von Samstag bedeutungslos bleiben: Auch zehn Punkte mehr hätten Garipova beim ESC am Samstagabend nicht zu Rang vier geholfen.

Linktipp: Was wäre, wenn nicht jedes Land gleich viele Stimmen hätte, sondern diese nach der Bevölkerungszahl gewichtet wären? Der Gewinner hieße in diesem Jahr - trotzdem Dänemark, hat Holger Dambeck nachgerechnet.

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