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Bidens Wahlsieg auf CNN:Tränen der Erleichterung

Van Jones, Screenshot, CNN

CNN-Kommentator Van Jones wischt sich die Tränen aus den Augen, als er zu einer Einschätzung über Joe Bidens Wahlsieg gefragt wird.

(Foto: Screenshot, CNN)

Als Joe Bidens Sieg verkündet wird, weint CNN-Kommentator Van Jones live vor der Kamera. Noch wenige Tage zuvor hatte er Donald Trump als Präsidenten gelobt.

Von Kerstin Lottritz

Es ist 17.27 Uhr unserer Zeit, als CNN als erster Nachrichtensender verkündet, der Demokrat Joe Biden habe die US-Präsidentschaftswahl gewonnen. In Städten wie New York City, Philadelphia und Atlanta jubeln und tanzen Menschen auf den Straßen. Und im Studio von CNN sitzt ein Mann, der live vor der Kamera von seinen Emotionen überwältigt wird.

Mit stockenden Worten erklärt Kommentator Van Jones seine Erleichterung über den Wahlausgang: "Es ist einfacher, Eltern zu sein, an diesem Morgen." Es sei einfacher, den Kindern zu erklären, Charakter ist wichtig. "Ein guter Mensch zu sein, ist wichtig." Bei diesen Worten wischt er sich Tränen aus dem Gesicht.

"Das ist eine große Sache für uns, nur um etwas Frieden finden zu können und die Chance auf einen Neustart zu haben", sagt der 52-jährige Jones in seinem Gefühlsausbruch. Die Nachricht sei eine Genugtuung für viele, die gelitten hätten. "Das ist ein guter Tag für unser Land."

Jones, selbst eine Person of Colour, beklagte einen in den vergangenen Jahren schlimmer gewordenen Rassismus in den USA. "Der Satz 'Ich kann nicht atmen', das war nicht nur George Floyd. Es gibt viele Leute, die das Gefühl hatten, nicht atmen zu können." Der Fall der gewaltsamen Festnahme, bei der George Floyd getötet wurde, hatte Massenproteste in den USA ausgelöst.

Dem amtierenden Präsidenten Donald Trump war immer wieder vorgeworfen worden, sich nicht deutlich gegen Rassismus zu positionieren. In einer TV-Debatte hatte er etwa in Richtung der rechtsradikalen "Proud Boys" gesagt, sie sollten sich zurück- und bereithalten.

Allerdings hat der Politikwissenschaftler und Buchautor Van Jones auch positive Worte für Trump. Erst vor zwei Wochen sorgte er für Empörung, als er auf CNN Trump lobte, er habe "Gutes für die schwarze Gemeinschaft" getan. Er habe zusammen mit ihm an der Strafjustiz-Reform gearbeitet. "Ich habe gesehen, dass Donald Trump Afroamerikaner, die früher inhaftiert waren, im Weißen Haus hatte - sie umarmte, sie gut behandelte. Donald Trump hat eine Seite, für die er meiner Meinung nach nicht genug Anerkennung bekommt. " In den Reaktionen auf Twitter wurde unter anderem gefordert, dass CNN sich von seinem Mitarbeiter trennen solle. Doch er blieb und durfte weiterhin den Wahlkampf zwischen Trump und Biden kommentieren.

Bevor der liberale Van Jones vor allem als politischer Kommentator auftrat, arbeitete er viele Jahre in der Politik. Der Umwelt- und Menschenrechtsaktivist hat mehrere gemeinnützige Organisationen gegründet, die sich für soziale und ökologische Gerechtigkeit einsetzen. 2009 wurde er als Sonderberater des damaligen Präsidenten Barack Obama für Green Jobs, Arbeitsplätze im Umweltsektor, ernannt. Aber nach scharfen Äußerungen gegenüber Republikanern und einer früheren Mitgliedschaft in der linksgerichteten Bürgerrechtsgruppe "Standing Together to Organize a Revolutionary Movement" trat Jones wieder von seinem Posten zurück.

Seit der Präsidentschaft von Donald Trump ist sein Ton gegenüber Republikanern gemäßigter geworden. In seinem Buch "Beyond the Messy Truth" macht er etwa das Zweiparteiensystem für die Spaltung des Landes verantwortlich und spricht sich dafür aus, diese politische Kluft zu überwinden. Auch in einem Interview mit dem New York Times Magazine wirbt er dafür, einander zuzuhören und Verständnis aufzubringen. "Ich habe viel Empathie für die Donald Trump-Wähler. Wenn Sie ihnen zuhören, wie verletzt, verängstigt und zurückgelassen sie sich fühlen, klingen sie wie die Black-Lives-Matter-Aktivisten."

Auch in seinem emotionalen Ausbruch bei CNN zeigt er noch Verständnis: "Es tut mir leid für die Leute, die verloren haben", sagt er, als er sich wieder gefangen hat. Wie sehr er mit seinen Worten die Gefühle vieler Trump-Kritiker zusammenfasst, zeigt auch die Reaktion der früheren First Lady Michelle Obama. Auf Twitter dankte sie ihm und schrieb dazu: "Ich hoffe, dass diejenigen, die auf ein anderes Ergebnis gehofft haben, sich einen Moment Zeit nehmen, um sich in den Schmerz hineinzuversetzen, den so viele von uns in den letzten vier Jahren empfunden haben."

© SZ/cag
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