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Enthüllungsjournalist:Günter Wallraff bot sich als Austauschgeisel für IS-Gefangenen an

Workers Protest At Burger King With Guenter Wallraff

Im Falle eines Austausches hätte sich Wallraff selbst von seinem eigenen Tod noch etwas Sinnvolles erhofft.

(Foto: Getty Images)

Der Investigativjournalist hätte sich gegen einen amerikanischen Soldaten eintauschen lassen. Es kam sogar zu einem Treffen zwischen Wallraff und einem US-Botschafter.

Peter Kassig, ein ehemaliger US-Soldat, der eine Hilfsorganisation für Opfer des syrischen Bürgerkriegs gegründet hatte, wurde 2014 von IS-Terroristen gekidnappt. Es war der 1. Oktober - der Geburtstag von Günter Wallraff. Der Enthüllungsjournalist bot sich als Austauschgeisel für den US-Amerikaner an, wie er jetzt dem Magazin der Süddeutschen Zeitung sagte: "Ich suchte Kontakt zur US-Botschaft und bot denen an, dass ich mich gegen ihn austauschen lasse."

Es kam sogar zu einem Treffen zwischen dem Journalisten und einem Vertreter der US-Botschaft. Dieser habe ihm jedoch klar gemacht, dass ein Austausch nicht in Frage käme, unter anderem, weil er keine Überlebenschancen für Wallraff sehe. "Ich sagte, dass ich das anders sehe: Das würde die doch beschämen, dass einer freiwillig dahin geht, auch noch ein Älterer. Ich habe mir ein Drittel Überlebenschancen gegeben."

Endgültige Absage nach zwei Wochen

Nach zwei Wochen bekam Wallraff die endgültige Absage von der US-Botschaft. In einem Brief an den US-Botschafter John B. Emerson bot Wallraff daraufhin an, die vom IS in solchen Fällen geforderte Lösegeldsumme über eine Spendensammlung und aus eigenen Mitteln aufzubringen. In dem Schreiben heißt es: "Durch die Privatinitiative würde das Lösegeld mithin weder von US-offizieller Seite gezahlt noch auf andere Weise damit in Verbindung gebracht werden können." Auch auf dieses Angebot ging die Botschaft nicht ein. "Inzwischen habe ich erfahren, dass die Amerikaner aus Prinzip kein Lösegeld zahlen und sogar Angehörige juristisch gezwungen haben, es zu unterlassen, das Lösegeld privat aufzubringen.", sagte Wallraff.

Im Falle eines Austausches hätte sich Wallraff selbst von seinem eigenen Tod noch etwas Sinnvolles erhofft. "Hätte man mich öffentlich massakriert, hätte es in Deutschland eventuell muslimische Jugendliche, die sich zum IS hingezogen fühlen, und für die ich wegen meiner Initiativen für Einwanderer vielleicht eine Orientierung bin, nachdenklich gemacht und sie am Ende von Ihrem Entschluss abgebracht", sagte Wallraff dem Magazin der Süddeutschen Zeitung.

Peter Kassig wurde im November 2014 im Alter von 26 Jahren vom IS in Syrien getötet.

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© SZ.de/fie

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