Ende der Sommerpause Kölner "Tatort" - rein sozialpädagogisch ein Fest

Das Mädchen ist natürlich traumatisiert, bei so vielen tatverdächtigen Verwandten.

(Foto: WDR/Martin Valentin Menke)

Von den Kölner Kommissaren kann man immer was fürs Leben mitnehmen. Aber wie soll Junggeselle Ballauf denn den Wert von Familie verhandeln, wo er gar nicht weiß, was Liebe ist?

TV-Kritik von Katharina Riehl

Seine in diesem Jahr schon wirklich sehr lange Sommerpause hat der Tatort mit der ganzen Bandbreite seiner Möglichkeiten umrahmt. Der letzte Fall vor der fast zwei große Ferien langen Wiederholungsschleife spielte in Berlin, wo seit einiger Zeit die ganz große Verschwörungsgeschichte über mehrere Folgen erzählt wird. Mit seelisch angeknacksten Kommissaren, schwulem Sex und einem Plot, bei dem es hilft, sich beim Schauen Notizen zu machen. Der erste Fall der Herbstsaison dagegen ist erzählerisch eher alte Bundesrepublik, spielt also in Köln.

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Die Fälle der Ermittler Max Ballauf und Freddy Schenk umweht traditionell ein Hauch von rheinischer Sozialpädagogik, ein bisschen was fürs Leben soll der Zuschauer schließlich mitnehmen. Diesmal sieht das folgendermaßen aus: "Durchgedreht" heißt die Episode (Buch: Norbert Ehry, Regie: Dagmar Seume), zu Beginn werden in einem Einfamilienhaus eine junge Mutter und ihr kleiner Sohn ermordet, die ältere Schwester sieht den Täter in den ersten Stock schleichen, kann sich aber verstecken. Das Mädchen ist natürlich traumatisiert - tatverdächtig sind diverse Onkel und Tanten, der Familienvater sowie zwei Herren, denen Letzterer in seiner Funktion als Steuerfahnder für ihren Geschmack ein bisschen zu nahe gekommen ist.

Rein sozialpädagogisch jedenfalls ist der Fall ein Fest, Ballauf und Schenk können Kaffee und Kölsch trinkend den Wert von Familie verhandeln, denn Ballauf, der alte Junggeselle, weiß schließlich gar nicht, was Liebe ist. Doch das Drehbuch hat noch eine zweite Metaebene vorgesehen, die so unvermittelt serviert wird wie eine Wiesn-Mass beim Kölner Karneval. Einer der beiden Kunden des Steuerfahnders ist ein widerlicher Journalist, was nicht verwundert, weil Journalisten in Fernsehkrimis grundsätzlich eher widerlich sind.

Der freie Reporter jedenfalls hat mit "Texten für Magazine und Tageszeitungen" eine so beachtliche Summe erwirtschaftet, dass er die nicht mit dem Staat teilen möchte, und hält Kommissar Freddy Schenk einen flammenden und wirklich vollkommen überflüssigen Vortrag zum Thema Steuergerechtigkeit.

Alles in allem trotzdem ein solider Saisonauftakt; Notizen muss man sich aber keine machen.

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