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Emmys 2016:Jimmy Kimmel ist schwer zu toppen

Auch wenn die Emmys nicht ohne Anspielungen auf den US-Wahlkampf auskommen - der Moderator führt locker durch den Abend. Bis auf einen Ausrutscher.

Von Hakan Tanriverdi

Wer wissen will, wie wichtig die Emmys sind, sollte auf die Werbeausgaben schauen. Die Fernsehsender, inklusive Amazon und Netflix, haben Angaben von Bloomberg zufolge bis zu 80 Millionen Dollar für den Fernsehpreis der USA ausgegeben. Für das Geschäft sind die Emmys damit inzwischen wichtiger als die Oscars. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Verleihung:

Welches Thema dominiert?

Die Emmys kamen nicht ohne Anspielungen auf den aktuellen US-Wahlkampf aus - und nicht ohne Donald Trump. Jimmy Kimmel, der den Abend moderieren soll, schafft es nicht in das Microsoft Theater in Downtown Los Angeles. James Corden, begnadeter Carpool-Karaoke-Chauffeur für Adele und Michelle Obama, wirft Kimmel aus dem Auto. Grund: Er singt zu schlecht. Auch Jeb Bush, der sich Trump als republlikanischer Kandidat geschlagen geben musste, will Kimmel nicht mehr im Auto mitnehmen. Zuvor reduziert Bush seine Präsidentschaftskandidatur schnell noch auf einen Witz: "Wenn du eine positive Kampagne führst, dann werden die Wähler schon die richtige Entscheidung treffen." Oder? Werden sie nicht, sagt Jeb Bush, der sich früh aus dem Rennen verabschiedete.

Eine Punchline, die Kimmel dankbar aufgreift, nachdem ihn schließlich ein Drache aus Game of Thrones in die Nähe der Bühne bringt. "Würde Donald Trump für das Präsidentenamt kandidieren, wenn es kein Fernsehen gäbe?", fragt er, in Anspielung auf Trumps Reality-Show The Apprentice. Seine Antwort: Nein. Er "würde sich an seine Frau Melania reiben - während sie so tut, als würde sie schlafen".

Wer sind die Gewinner des Abends?

Zum einen Julia Louis-Dreyfus. Sie hat zum fünften Mal in Folge den Award als beste Schauspielerin in einer Comedy-Serie für ihre Rolle als Präsidentin in Veep gewonnen, dem satirischen Gegenstück zu House of Cards. In ihrer Rede, die 90 Sekunden dauert, bringt sie die Zuschauer im Saal zum Lachen und Weinen. Schließlich entschuldigt sie sich sogar für das aktuelle politische Klima: "Unsere Show war als politische Satire gedacht, aber fühlt sich nun wie eine ernüchternde Doku an."

Außerdem: American Crime Story: The People v OJ. Simpson. Die Serie gewinnt an diesem Abend fünf Awards (neben zahlreichen weiteren technischen, die bereits zuvor vergeben wurden), darunter bester Nebendarsteller, beste Darstellerin und beste Mini-Serie. Die Serie war in den USA ein Blockbuster - und hatte die höchsten Zuschauerzahlen für eine neue Serie 2016. Der Fall von Simpson ist ein Bestandteil der Popkultur: "Es ging um Rassismus und Sexismus, um Vorurteile und nicht zuletzt um den Einfluss berühmter und mächtiger Menschen auf die mediale Aufbereitung und damit den Zuschauer", wie SZ-Autor Jürgen Schmieder in dieser Rezension schreibt:

Und Nummer drei: Rami Malek räumt gleich bei seiner ersten Nominierung den Preis als bester Darsteller in einer Dramaserie ab. In der sehr sehenswerten Serie Mr. Robot spielt er einen kaputten, unfassbar talentierten Hacker (hier eine Kurzkritik), der einen sehr aufwändigen Angriff plant. Malek tritt auf die Bühne und sagt: "Please tell me you're seeing this too." Es sind die Worte des Hackers, der in der Serie seinen Unglauben zum Ausdruck bringt.

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