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Emmy-Verleihung:Öde Feier für spannendes Fernsehen

71st Emmy Awards

Cast und Crew von Game of Thrones feiern sich selbst.

(Foto: Frederic J. Brown/AFP)

Die Emmy-Verleihung soll der Höhepunkt des TV-Jahres sein, das Schulterklopfen einer Branche, die sich im goldenen Zeitalter wähnt. Doch die Zuschauer merken langsam, dass da was nicht stimmt.

Game of Thrones ist das beste TV-Drama der vergangenen Saison. Die beste Komödie: Fleabag. Beste Drama-Schauspielerin: Jodie Comer aus Killing Eve. Bester Hauptdarsteller: Billy Porter aus Pose. Komödien-Darsteller: Phoebe Waller-Bridge aus Fleabag und Bill Hader aus Barry. Andere Gewinner in bedeutsamen Kategorien: Black Mirror: Bandersnatch als TV-Film, Chernobyl als Mini-Serie. Überraschungen: kaum, Julia Garner (Ozark) und Peter Dinklage (Game of Thrones) gewannen als beste Drama-Nebendarsteller, Alex Borstein und Tony Shalhoub (beide The Marvelous Mrs. Maisel) bei Komödien.

Das sind die Ergebnisse der Emmy-Verleihung am Samstagabend, und sie sind durchaus interessant. Es gibt nicht diese eine herausragende Serie, und damit auch nicht diese eine Ausspielvariante, von denen sich in den USA derzeit vier (frei empfangbare Sender, Kabelkanäle, Pay-TV und Streamingportale) um Zuschauer bemühen. Die Branche feiert sich selbst, und sie will dabei niemanden verletzen. Jeder soll ein bisschen feiern dürfen, Award-Kampagnen kosten schließlich richtig viel Geld.

Hollywoods Probleme werden unter den Teppich gekehrt

Das wahrlich Interessante an dieser Drei-Stunden-Verleihung ist jedoch, dass der Pay-TV-Sender HBO (34 Preise) sowie die Streamingportale Netflix (31) und Amazon (15) mit Trophäen überhäuft werden, während die unfassbar öde, verkrampft um gesellschaftliche Relevanz buhlende und bisweilen peinlich um Lockerheit bemühte Preisverleihung mit prognostizierten Zuschauerzahlen im einstelligen Millionenbereich einen neuen Negativrekord aufstellen dürfte. Trotz Free-TV. Die Branche feiert ihr goldenes Zeitalter, doch es gelingt ihr nicht, diese Fete so interessant zu gestalten, dass die Leute zuschauen wollen.

Die Probleme in Hollywood - die bedeutenden Agenturen William Morris Endeavor, Creative Artists Agency und United Talent Agency haben ihre Partys wegen des noch immer nicht beigelegten Streits mit Drehbuchautoren ebenso abgesagt wie die Zeitschrift Variety - werden unter den Teppich gekehrt. Der ist in diesem Jahr nicht rot, sondern lila, weil diese Farbe, nun ja, majestätischer sei.

Es gibt auch Leute, die sagen, man habe den alten Teppich nicht vom Dreck befreien können. "Wenn die Leute in dieser Stadt untereinander zanken, dann wirft das einen dunklen Schatten auf ein fröhliches Event", sagt zum Beispiel Tony Angellotti, legendärer Stratege für die so genannte "Award Season" in Hollywood: "Die Stimmung ist dann plötzlich getrübt."

Es heißt nun immer, dass es zu viele gute Inhalte gebe und viel zu wenig Zeit zum Gucken. Doch bemerken die Zuschauer langsam, dass sie ziemlich viele Abonnements abschließen müssen, wenn sie all die tollen Sachen sehen wollen - und dass auf den Sendern und Portalen neben diesen Goldnuggets auch unfassbar viel Bockmist zu finden ist. Es regt sich kaum jemand auf, ist ja im Abo-Preis enthalten, und doch dämmert den Leuten, dass sie nicht mit Geld, wohl aber mit Lebenszeit bezahlen.

Fast jede brauchbare Idee wird mittlerweile als Serie erzählt und über mehrere Folgen und Staffeln ausgebreitet. "Slow burning" heißt das, langsames Abbrennen, jedoch wird so manche Geschichte derart langsam erzählt, dass der Zuschauer wütend ein paar Stücke Holz nachlegen will, dass es endlich mal wieder so richtig brennt.

Schmerzhaft offensive Selbstvergewisserung

Wer verstehen will, wie anstrengend diese Selbstvergewisserung der eigenen Großartigkeit im Stadtzentrum von Los Angeles gewesen ist, der möge bitte den Anfang der Veranstaltung betrachten. Es gibt keine Moderation in diesem Jahr, weil so ein Conférencier als Relikt aus dem vergangenen Jahrtausend gilt.

Es kommt also erst die Comicfigur Homer Simpson auf die Bühne und wird von einem Klavier erschlagen. Anthony Anderson (Black-ish) eilt hinter die Bühne, klaut einige Trophäen (warum wird der Afroamerikaner als Dieb dargestellt?), präsentiert ein paar arg gewollte Scherze auf die TV-Spielzeit (dass in Game of Thrones der Becher einer Kaffeehauskette zu sehen gewesen ist) und findet schließlich Bryan Cranston, der als Darsteller der Figur Walter White in Breaking Bad das goldene Zeitalter des Fernsehens verkörpert.

"Fernsehen war nie größer", sagt Cranston auf der Bühne. Es scheint, als täte es ihm weh, dass er das nun sagen muss: "Fernsehen war nie so bedeutsam. Und Fernsehen war nie so verdammt gut." Wer sich seiner Bedeutung derart offensiv versichern muss, der hat ein gewaltiges Problem. Es dürfte Leute geben, die darauf hinweisen, dass bei dieser Eröffnung ausschließlich Männer dabei gewesen sind. Vielleicht muss man es anders sehen: Frauen wie Amy Poehler oder Tina Fey sind viel zu schlau, als bei so einem selbstverliebten Blödsinn mitzumachen.

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