Elaiza beim Eurovision Song Contest:Abgehoben vom Kalkül

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Fast hätte sich die billige Berechenbarkeit von 2013 bei "Unser Song für Dänemark" wiederholt. Doch diesmal ist die Band Elaiza als kleiner Neofolk-David angetreten und für ihren erfrischenden Auftritt belohnt worden.

Von Hans Hoff

Um ein Haar hätte sich die Geschichte von 2013 wiederholt. Damals lagen beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest die quirlige bayerische Folktruppe La Brass Banda und die Retortenpopqueen Cascada lange Kopf an Kopf. Am Ende machte aufgrund eigenartiger Abstimmungsmodalitäten, die dieses Jahr mal wieder geändert wurden, Cascada das Rennen, was der damaligen Moderatorin Anke Engelke glatt ein wenig die Sprache verschlug. Doch die gerechte Strafe ließ nicht lange auf sich warten, denn der deutsche Beitrag landete beim ESC-Finale in Malmö so weit hinten wie er das in seiner billigen Berechenbarkeit verdient hatte.

Am Donnerstag in Köln sah es beim erneuten deutschen Vorentscheid lange so aus, als nehme das Geschehen erneut einen unglücklichen Verlauf. Als haushoher Favorit zog die schwülstige Pathospoptruppe Unheilig in die Endrunde ein und hatte am Schluss nur noch das Frauentrio Elaiza gegen sich. Nur über eine Art Hoffnungslauf für noch nicht Etablierte hatten die Drei eine Wildcard gezogen und durften nun als kleiner Neofolk-David gegen den mit siebenstelligen Verkaufszahlen gesegneten Pop-Goliath antreten. Am Ende standen Elaiza als Siegerinnen im Glitzerregen und mussten völlig überwältigt vom unerwarteten Erfolg noch einmal ihr Lied für Kopenhagen singen.

"Is it right" heißt das und überzeugt mit einer netten Melodie, einem eingängigen Refrain und traditioneller Instrumentierung. Nicht alle Tage gerät man halt mit Kontrabass und Akkordeon ganz vorne ins Scheinwerferlicht. Das wirkte besonders herzlich, weil es sich in Vortrag und ungelenker Präsentation so erfrischend absetzte von der glatt gebügelten Kameradschaftspoesie der Favoriten.

Sofort nach dem Glitzerregen stürzten sich natürlich alle auf die Siegerinnen. Besonders deren Sängerin Ela stand plötzlich im Fokus. Die wurde 1992 in der Ukraine geboren, hat eine polnische Mutter, mit der sie zur Jahrtausendwende ins Saarland zog. Seit gar nicht so langer Zeit pendelt sie nun zwischen dem Westrand der Republik und Berlin, und in der Hauptstadt hat sie ihre Mitstreiterinnen Natalie und Yvonne kennengelernt und Elaiza gegründet.

Nun singt sie von dem, was sie bewegt, von Herz, von Schmerz, vom frühen Tod ihres Vaters. Elas osteuropäische Herkunft und der leicht slawische Folklore-Unterton im Siegersong ließen umgehend Spekulationen aufkommen von großen Chancen bei den Abstimmungsberechtigten im Osten des ESC-Gebiets. Mit so etwas könne man durchaus international punkten, heißt es nun.

Wie Elaiza am 10. Mai in Kopenhagen abschneiden werden, steht in den Sternen. Der ESC ist da immer für eine Überraschung gut. Das kann nach oben gehen, aber auch nur für einen der hinteren Ränge reichen. Viel wichtiger aber ist, dass Deutschland ein Lied auf die Reise schickt, das sich abhebt vom Kalkül der Branche. Selbst wenn sich das Lena-Fieber von 2010 kaum wiederholen dürfte, fällt es zumindest leicht, diesen drei Frauen Sympathie entgegenzubringen, ihnen gute Wünsche mit auf den Weg zu geben. Und was nach dem Desaster im vergangenen Jahr auch wichtig ist: Man muss sich für den deutschen Beitrag nicht schämen.

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