"Ein Schnupfen hätte auch gereicht" Gaby Köster ist nicht mehr Gaby Köster

Die Kölsche Kodderschnautze Gaby Köster (Anna Schudt) vor einem ihrer letzten Auftritte.

(Foto: RTL)

Das RTL-Biopic über die deutsche Komikerin und ihren Kampf zurück ins Leben ist ein kleines TV-Wunder - trotz Mundart-Plattitüden.

TV-Kritik von Harald Hordych

Ein kleines TV-Wunder ist es doch geworden. Eine Mischung aus Drama und Klamauk, manchmal eine Soap, meistens aber eine anrührende, gut erzählte Geschichte. Trotz all der Handicaps, die sich Regie (Christine Hartmann) und Drehbuch (Gaby Köster, Till Hoheneder) selbst auferlegt haben, als ob sie dafür büßen müssten, dass Anna Schudt nun mal nicht Gaby Köster ist und es darum gar nicht so leicht ist, eine original Kölsche Kodderschnauze auf die Mattscheibe zu bringen. Ja, das Wort passt gut zu Gaby Köster und all dem Driss, der ihr seit 2008 widerfahren ist.

Gaby Köster ist nicht mehr Gaby Köster, als sie aus dem künstlichen Koma erwacht. Die populäre Komikerin und Schauspielerin hat einen schweren Schlaganfall erlitten. Die Frau, die so begnadet laut sein konnte, kann kaum noch sprechen, ein Teil ihrer Schädeldecke fehlt, die linke Seite ist fast vollständig gelähmt. Aus einem Star mit ausverkauften Tourneen und Fernsehinventar-Status seit 7 Tage, 7 Köpfe ist ein Pflegefall geworden. Für wie lange, kann keiner sagen. Nur so viel: Das hängt sehr von ihr ab.

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Das ist die Geschichte von Ein Schnupfen hätte auch gereicht nach Gaby Kösters gleichnamigem Buch. Sie ist nicht lustig, sondern traurig, weil ihr der Weg zurück auf die Bühne verschlossen bleibt, sie kann den linken Arm nicht richtig bewegen und ihr Schicksal hat sich tief in die Lachfalten gegraben. Wie erzählt man das? Zum Beispiel so: Da wacht jemand mit einem schiefen Gesicht aus dem Koma auf und denkt: Habt Ihr Schimmel an der Hirnrinde?, als Arzt und Klinikdirektor auf die Gepeinigte einreden. Diese Stimme ist die offizielle Vertreterin von Gaby Köster, die dem ernüchternden Geschehen einen rheinisch-knalligen Kontrast entgegensetzen soll.

Gerade diese Kölsche Stimme aus dem Off aber ist anfangs das größte Hindernis dieses Films, sie reiht sägend eine Mundart-Plattitüde an die nächste, und da ist Anna Schudt auch immer Anna Schudt, die sich hörbar anstrengt wie die Gaby zu plärren. Aber nach diesem schlimmen Einstieg kriegen Gaby Köster (was ihren Lebensmut angeht) und der Film doch noch die Kurve. Gerade in den kleinen unspektakulären Szenen findet das Drama die Ruhe und die Konzentration für den Witz, der in vielem steckt. Wie sich Gaby Köster und die Physiotherapeutin (Jasmin Schwiers, ihre Serien-Tochter aus Ritas Welt) sehr böse beharken, als das Selbstmitleid keine Grenzen kennt, wenn einer der Dauerraucher vor der Klinik die Frau im Rollstuhl als Fan anspricht, sie aber für Annette Frier hält. Wie Hella von Sinnen kommt und Party macht, um ihre Freundin aus der Depression zuholen. Und da glänzt Anna Schudt - unterstützt von durchweg guten Darstellern - in dieser Rolle. Sobald das Kölsch nicht mehr so wichtig ist, sondern der zweifelnde, verzweifelte Mensch mit seiner flapsigen Ausdrucksweise. Der mit seinem Rollstuhl den Weg zurück ins Leben finden will.

Gaby Köster - Ein Schnupfen hätte auch gereicht, RTL, Karfreitag, 20.15 Uhr.

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